Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Hinter dem simplen Titel «UK Chart-Breakers» versteckten sich an der diesjährigen Baloise session Alex Hepburn und Texas. Junge, abwechslungsreiche Stimme trifft auf Jahrzehnte von Musikerfahrung.

Texas rockten Basel (Sacha Saxer)

Texas rockten Basel (Foto: Sacha Saxer)

 

Die Baloise session ist von ihrem letztjährigen Ausflug ins Musical Theater Basel wieder zurück in die mittlerweile umgebaute Messehalle gezügelt und was für ein Unterschied dies macht: Waren letztes Jahr die Sitzreihen mit LED-Kerzen verschönert worden, was dem Raum zwar einen besonderen Charme verlieh, aber bei weitem nicht an die Atmosphäre, die früher durch die Clubtische mit echten Kerzen erzielt wurde, mithalten konnte. Um so erfreulicher war der Anblick, der sich einem bot, wenn man zu seinem Sitzplatz gelangen wollte. Ein Meer von Lichtern in Form von Kerzen in Glaszylindern auf Hunderten von Tischen für sechs Personen. Im Hintergrund die Bühne mit ihren charakteristischen Bögen. Dieses Setting ist in der Schweiz einfach einzigartig und schraubt die Erwartungen an die Auswahl der Künstler und die ihrer Darbietungen schon mal massiv in die Höhe.

Alex Hepburn durfte den Abend eröffnen und eines muss einfach gesagt werden: Die Frau hat eine der facettenreichsten Stimmen im aktuellen Musikbusiness! Wenn sie spricht, hat sie eine eher leise, zurückhaltende, ja fast schüchterne Stimme – kein Vergleich zu Klang ihrer Lieder. Selten konnte ich jemandem mit einer so wunderbar wandelbaren Stimme zuhören. Die Vielzahl der Klangfarben und Emotionen, in welchen die junge Britin ihre Songs vortragen kann, spottet jeder Beschreibung. Eigentlich war der Abend schon alleine wegen dem Gesang von Alex Hepburn ein Erfolg. Eine extrem entspannte und gemütliche Atmosphäre, ein Glas Rotwein bei Kerzenschein und wunderbare Musik – was will man mehr? Nun, zum einen, dass man merkt, dass man sich an einem Live-Konzert befindet und nicht zu Hause auf dem gemütlichen Sofa. Alex versuchte zwar immer wieder in ihrer zurückhaltenden Art, das Publikum in den Auftritt einzubinden, aber ihre Songs erfüllten diesen Job weit effektiver wie ihre – durchaus unterhaltsamen, aber trotzdem eher zaghaften – Ansagen in die Menge. Von einer Bühnenshow konnte auch nicht wirklich gesprochen werden, Miss Hepburn entfernte sich selten mehr als einen guten Meter vom Mikrophonständer. Die showtechnischen Höhepunkte waren dann auch das Drum-Solo von Marius und das Gitarren-Solo von Nicolas. Trotz alle dem war es ein herrlicher Auftritt, bei dem die Musik klar im Vordergrund stand. Möglich, dass es die relative Unerfahrenheit von Alex Hepburn war, die ihren Auftritt etwas minimalistisch erscheinen liess.

Dass es auch anders geht, zeigten Texas überdeutlich. Frontfrau Sharleen Spiteri hatte nicht etwa Hummeln im Hintern, nein einen ganzen Hornissenschwarm. Sie tigerte über die breite Bühne, als ob es das letzte Mal gewesen wäre, dass sie dies durfte, animierte das Publikum von beiden Seiten und stellte zur Schau, was ein gutes Vierteljahrhundert an Bühnenerfahrung mit sich bringt. Immer wieder amüsierte sie sich über die Tatsache, dass – zumindest zu Beginn des Konzerts – die meisten Leute an ihren Tischen sassen. (Grossen Dank an dieser Stelle an die Dutzenden von Leuten, die ungeduldig warteten, bis endlich der dritte Song fertig war und wir blöden Konzertfotoschlampen den Platz vor der Bühne für sie frei gemacht hatten. Wir machen auch nur unseren Job, aber von mir aus könnt ihr auch schon beim zweiten Song reinstürmen, das macht die Fotos zwar etwas kniffliger zu schiessen, aber auch irgendwie authentischer. Ob das meine Kollegen allerdings gleich sehen, ist fraglich.) Dass es die Schotten geschafft haben, dass kaum jemand mehr auf den Stühlen sass, sondern ausgelassen mittanzte, zeugt von ihrer Qualität als Liveband. Dass wie Schweizer ein eher schwieriges Publikum sind, ist auch Texas nicht entgangen und so liess Sharleen nichts unversucht, die Besucher ins Konzert miteinzubeziehen. Und man konnte sich ihren charmanten Ansagen, in ihrem – darf ich das sagen? – knuffigen schottischen Akzent, einfach nicht entziehen. Sie nam sich selbst auch nicht ernst und fragte unter Anspielung auf ihr Alter – womit sie den Altersdurchschnitt sicherlich nicht in die Höhe gedrückt hatte – ob sie das richtig sähe, dass fast alle so «komische gelbe Schaumstoffdinger» in den Ohren hätten.

We’re not going to blow your ears. We hope to blow your minds, but not your ears.

Die regelmässigen Versuche, die Menge zum Mitklatschen und Mitsingen zu bewegen, zahlten sich  wie schon erwähnt auch aus und kaum jemand konnte sich der Energie der Schotten entziehen. Für mich als Berichterstatter von Negative White, der für euch vier der insgesamt zwölf Abende mitverfolgen wird, war es ein gelungener Einstand in die diesjährige BALOISE session Basel und ich hoffe, dass es so weiter gehen wird. Texas soll einst gesagt haben, sie hätten die Band nicht gegründet, um Erfolg zu haben, sondern weil sie Musik machen wollten. Nach diesem Auftritt glaubt man es ihnen und gönnt ihnen den Erfolg, den sie dennoch hatten. Die Truppe gehört zu den Bands, denen man einfach anmerkt, dass sie eine unglaubliche Freude am Spielen haben. Für einen Musikliebhaber gibt es nichts schöneres zu sehen.