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Für das UB40-Konzert im Volkshaus in Zürich benötigte man einen sehr grosszügigen Schluck Rotwein, um über die Abmischung der Musik hinwegsehen zu können. Immerhin gab es trotzdem zwei, drei Mal Hühnerhaut an diesem Mittwochabend.

Als es hiess UB40 kommen ins Volkshaus nach Zürich, kam bei mir sofort Nostalgie-Stimmung auf. Vor mehr als zehn Jahren lief die The Very Best of UB40 nämlich non-stop in unserer Rüebli-RS. Lustige, betrunkene, gemütliche Abende unter dem Sternenhimmel, das leise Nähmaschinen-Rattern dadurch, die erste grosse Liebe, die versalzenen Suppen und natürlich die wichtigste Frage in einem solchen Lager: Wo verstecken wir den Alkohol? Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an das Konzert im Volkshaus.

Lange ist unsere Rüebli-RS her, aber das ist noch nichts im Vergleich zum Alter der Band. Seit 1978 versucht die Reggae-Band aus Grossbritannien ihr Glück. So richtig erfolgreich und bekannt sind UB40 irgendwie nie geworden. Ihr Name sagt wenigen etwas. Die Lieder kennt man aber trotzdem: Falling in love with you, I’ll be your baby tonight, Red Wine oder auch Kingston Town. Das waren auch die Songs an diesem Abend, die automatisch enormen Hühnerhautfaktor hatten.

Es hat mich aber doch überrascht, dass das Volkshaus nur zu knapp drei Vierteln voll war an diesem Mittwochabend. Die oberen, teureren Plätze auf der Tribüne waren dazu fast besser belegt, als die Stehplätze. Das schloss auch gleich auf das Durchschnittsalter des Publikums: Ich schätze mal, dass es bei etwa 50 Jahren lag. Und auch auf der Bühne stand ein Haufen in die Jahre gekommene Männer. Trotz dem einen oder anderen Facelifting sah man den alten charismatischen Hasen die Freude an der Musik, die sie machen, immer noch deutlich an.

Grundsätzlich haben wir uns auf ein ruhigeres Konzert eingestellt, aber ein wenig mehr Pfupf hätte dem Ganzen nicht geschadet. Als die Band beispielsweise das Lied mit dem vielversprechenden Titel Boom Schakalaka ankündigten, freuten wir uns auf eine kleine Tanzeinlage, aber auch bei diesem Titel schlief einem fast das Gesicht ein. Viel mehr als das Level Wackeldackel beziehungsweise hin und her wiegen und zwischendurch mit den Armen hin und her schweifen, lief an diesem Abend nicht. Wunderbar für alle Pärchen, welche sich eng umschlungen hielten.

Die Stücke mit etwas mehr Drive konnte man von einer Hand abzählen. Dafür hat sich wohl das Team am Mischpult gedacht, es müsse dies kompensieren und meinte es besonders gut mit dem Bass und den Reglern. Wenn schon so viele ruhige Stücke gespielt werden, dann bitte auch in Top-Qualität. Leider überschlug es den Sound von Anfang an und die Vocals waren überhaupt nicht sauber.

Es kam mir so vor, als wäre ich irgendwo in den Ferien, an einer Strandbar, bei der eine mittelklassige Band einige Coversongs spielt. Dass die Vocals nicht astrein waren, kann natürlich auch daran liegen, dass Ali Campell, welcher über 30 Jahre lang Leadsänger der Band war, 2008 ausgestiegen ist. Sein Bruder kann ihm wohl nicht ganz das Wasser reichen.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen bekamen die Herren aber immer wieder stimmkräftige Unterstützung aus dem Publikum. Die Leute schienen allgemein wenig kritisch und belohnten UB40 mit grosszügigem Applaus. Die Band tat auch einiges, um die Stimmung anzufeuern. Die Bandmitglieder liefen fleissig «Stägeli ue und Stägeli abe» – auf der Bühne war eine Treppe – und wechselten ständig ihre Positionen. Bei den Ansagen gingen sie immer wieder auf die Rufe aus dem Publikum ein und während den Songs winkten und zwinkerten sie den Leuten zu.

UB40 wären vielleicht wirklich passender zu Strandferien oder einem schönen Sommer Openair. Im Volkshaus konnten sie mich mit Ihrer Performance nur mittelmässig überzeugen.