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Auch wenn ihr Name etwas anderes vermuten lassen könnte: Turin Brakes legten bei ihrem Zwischenstopp im Papiersaal keine Vollbremsung hin. Es glich eher einer gemütlichen Cabriofahrt in einer lauen Sommernacht, Folk Rock spielt aus dem Radio und man geniesst das Leben.

Wie viele andere Bands verschickten die beiden Londoner Olli Knights und Gale Paridjanian am Anfang ihrer Karriere viele Demotapes. Als dann eine kleine Plattenfirma ihr Tape veröffentlichen wollte, musste ein Name her. Beim Brainstorming mit Freunden kam als Vorschlag Turin Brakes, auch wenn keiner von ihnen jemals in Turin war oder einen speziellen Bezug zu Bremsen hat.

Turin Brakes im Papiersaal Zürich

Turin Brakes gaben im Papiersaal ihre Songs zum Besten. Bild: Michelle Brügger

Das alles ist nun 17 Jahre her. Keine Spur eines abrupten Stopps in Sicht – eher das Gegenteil. Sie veröffentlichten seither insgesamt acht Alben und touren ungebremst mit ihren Songs im Gepäck quer durch Europa. Immer wieder projizieren sie auf unsere innere Leinwand Geschichten zu ihren Songs.

Einer davon ist Rain City, der inzwischen bereits 15 Jahre alt ist. Olli Knights meinte dazu:

«Er ist jetzt ein Teenager. Verbringt viel Zeit in seinem Zimmer. Und wenn er sich unverstanden fühlt, lässt er sich ein Tattoo machen. Er ist jetzt auch Veganer. Das spielt alles keine Rolle. Was er braucht, ist unsere Liebe.»

Bevor sie den Song Lost in the Woods anstimmten, wurde der Bassist Eddie Myer fast etwas philosophisch. Das Leben bestehe aus Veränderungen. Manchmal sei man in den Bergen und dann wieder in den Wäldern. Er sei auf eine Art auch ein Wolf. Sagt es und heult ins Mikrofon. Dann animiert er das Publikum, mit ihm um die Wette zu heulen – jeder so laut er könne. Den Rest des Konzerts heulten die Zuhörer immer mal wieder lauthals, um ihre Begeisterung zu unterstreichen.

Setlist von Turin Brakes im Papiersaal Zürich

Handgemachte Musik, handgeschriebene Setlist. Bild: Michelle Brügger

Ihren Support Dog Byron haben sie sicherlich nicht deswegen ausgesucht, weil sie ebenfalls aus einer Laune heraus zu ihrem Bandnamen kamen oder ebenso schlagfertig sind. Als der Drummer das falsche Lied anspielt, rettet er sich mit viel Charme. Er habe keine Setlist, er würde nur raten, was als nächstes komme. 

Nebst weiteren lustigen Einlagen zwischen den Songs kündigte Olli Knights denn auch ihre Zugabe ungewöhnlich an: «Wir verschwinden jetzt dann gleich von der Bühne, verstecken uns irgendwo hinter dem Mischpult. Und dann kreischt und klatscht ihr laut, damit wir nochmal ein paar Songs spielen. Ihr wisst, dass wir das wissen. Und wir wissen, dass ihr das auch wisst. Und wir wissen, dass ihr wisst, dass wir wissen, dass ihr es wisst. Aber wir werden das Theater des Rock’n’Roll heute Abend nicht sterben lassen, richtig?»

Richtig. Sie verschwanden von der Bühne, das Publikum holte sie klatschend und heulend zurück und Turin Brakes spielte nochmals ein paar Songs, bevor sie sich endgültig verabschiedeten.

 

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