Ein Metalhead platziert sich neben einer Kuh und knipst ein Selfie. So startete unser kurzer Besuch des Rock On! Festivals. Es endete definitiv nicht minder lustig.

Das dreitägige Openair Rock On! befindet sich in Gossau, St. Gallen und hat irgendwie einen ländlichen Touch. Nicht nur weil ein typischer Bauernhofduft in der Luft lag und überall Stroh die Wiese bedeckte, um eine noch üblere Schlammschlacht zu verhindern, auch war die Stimmung und das Zusammensein familiär wie in einem kleinen Dorf. Das sehr überschaubare Publikum, welches sich tapfer am Freitagabend bei tiefsten Temperaturen und Regen zusammengefunden hatte, wies ein Durchschnittsalter von bestimmt 40 Jahren auf. Moshpits gab es entsprechend keine, jedoch war die Stimmung von Anfang an für die spätherbstlichen Bedingungen im Sommer extrem gut.

Das lag wohl mitunter am genialen Line-up. Schon die erste Band Bad To the Bone heizte am frühen Nachmittag mit einem Repertoire satter Songs aus den letzten 30 Jahren Rockgeschichte ein. Und trotz des einsetzenden Regens und nur einer Handvoll Leute direkt vor der Bühne ging die deutsche Band Sons of Sounds ab wie es Zäpfli. Ihre Musik liess sich nicht so genau einordnen – vielleicht ein Mix zwischen progressiv Rock und Heavy Metal? Oder wie es die drei sympathischen jungen Herren einfach nennen «Free Metal». Die drei Brüder gaben aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch direkt nach ihrer Show im Publikum bis zum Schluss Vollgas.

Aber nicht nur Sons of Sounds gaben sich extrem publikumsnah. Auch die Bandmitglieder von Serenity kamen nach ihrer energievollen Show von der Bühne an den Merchandise Stand und hielten einen kurzen Schwatz mit den Fans. Frontmann Georg Neuhauser signierte auch gerne, was immer man ihm bot, wie zum Beispiel die entblösste Brust. Und als Zusatz gab es noch einen echten österreichischen Qualitätsschnauz auf die Oberlippe aufgemalt. Die Band ist aber nicht nur äusserst sympathisch, sie bietet auch musikalisch einen wirklich hörbaren Genuss.

Bei der nächsten Band Serenia muss ich gestehen, wirkte der Kafi-Schnaps etwas zu stark, um eine wirkliche Bewertung ihrer Show abgeben zu können. Kulinarisch und getränketechnisch hatte das Rock On! übrigens eine sehr schöne Auswahl für die Besucher parat!

Für den Headliner war ich dann aber wieder voll parat: Bei Battle Beast wäre das auch gar nicht anders gegangen. Die Band spielte so energiegeladen, dass es kein Entkommen gab. Die Frontfrau Noora Louhimo besass wohl so viele Eier und Testosteron wie alle anwesenden Herren zusammen. Eine echte Powerfrau. Ihre Stimme ist einfach unglaublich: Kraftvoll, rauchig, hammermässig! Zusammen mit den treibenden instrumentalen Klängen hat die Band bei mir echtes Potential in meine persönlichen Top 10 zu kommen. Kann ich echt nur empfehlen. Die Finnen haben es einfach drauf, da kann man es auch durchgehen lassen, dass sie beim Soundcheck einfach mal wild ins Mikro fluchen.