Alle Jahre wieder verwandelt sich die finnische Hauptstadt Helsinki in eine Glam- und Sleazerock-Hochburg. Am 5. Und 6. Oktober 2012 war Mama Trash in town und mit ihr die ganze Mama Trash Family, um zwei Abende lang grossartige Konzerte zu geniessen, alte Bekannte wieder zu treffen und ordentlich zu feiern.

Im Jahre 2006 wurde die Mama Trash Promotions Inc. gegründet, welche sich zum Ziel gemacht hat, vielversprechende, „trashy“ Bands zu supporten und promoten. Die Amerikanerin Jo Sheldon, liebevoll „Mama Trash“ genannt, rief diese ins Leben und steht seit Anfang an mit Herzblut dahinter. Um ihren jungen Bands eine Plattform zu bieten veranstaltet sie jährlich das Trash Fest, welches sich sehr schnell zum Kultfestival der eher kleinen Szene mauserte. Die Wahl der Amerikanerin, ihre Party ausgerechnet in Helsinki zu schmeissen, ist nicht weit her geholt. Denn was viele nicht wissen: Skandinavien gilt als Hochburg des Glam Rock und so kommen die meisten Bands aus Schweden, Finnland oder zumindest von nördlich des Äquators.

Dieses Jahr durfte das Trash Fest bereits seinen fünften Geburtstag feiern – und tat dies mit einem hochkarätigen Line-up, grossartiger Atmosphäre und einigen Überraschungen. Dies waren beispielsweise die exklusiven VIP-Packages, welche im Vorfeld verkauft und verlost wurden und die ein Meet&Greet mit der Lieblingsband und weitere Vorteile boten, oder die eigens handgefertigte limitierte Schmuckkollektion mit dem Trash Fest-Logo, angefertigt von Carina Argento.

Am Freitag, 5. Oktober 2012 wurde die Bühne des Gloria Clubs für die schwedischen Toxic Rose freigegeben. Zusammengesetzt aus ehemaligen Mitgliedern bekannter Bands wie Gemini Five und Sexydeath kamen sie für Nicht-Kenner wohl unerwartet düster und hart daher – eindeutig dem Metal zuzuordnende Stücke, mit elektronischen Klängen durchsetzt animierten die sorgsam toupierten Haarmähnen in der ersten Reihe zum Schütteln und Bangen. Die britischen Night by Night liessen es mit ihrem klassischen Hardrock dagegen ruhiger angehen. Der etwas monotonen Show hätte ein wenig Abwechslung und Pep gut getan, doch dafür sorgten die nächsten beiden Bands des Abends zur Genüge, was möglicherweise mit an ihrem höheren Bekanntheitsgrad lag. Malice in Wonderland aus Norwegen können trotz ihrer langen Bandgeschichte auf relativ wenige Veröffentlichungen zurückblicken, haben aber einige mitreissende Hits in Petto. Besonders die Songs des erfolgreichen, wenn auch unkreativ betitelten Album Malice in Wonderland rissen das Publikum mit, woran nicht zuletzt die charismatische Art des Sängers Chris Wicked verantwortlich war.

Die Ausnahmeband des Abends hört auf den Namen Dope Stars Inc. und ihre Einzigartigkeit bestand in ihrem Herkunftsland Italien. Trotzdem sind sie seit langer Zeit Mitglieder der Trash Family und gaben wie gewohnt Vollgas auf der Bühne. Ihre elektrolastigen Beats trimmten das mittlerweile gut gefüllte Gloria auf erhöhte Temperaturen und die Leute zum Tanzen. Ein solch energiegeladenes Ende des ersten Konzertabends liess natürlich nicht ans Bett denken sondern an die bevorstehende Aftershowparty in der Bar Bäkkäri – zu Deutsch „Backstage“. Die ebenfalls zentral gelegene Bar lud Fans und Musiker gleichermassen zum Feiern bis in die Morgenstunden – dies zeichnet das Trash Fest aus – Bands und Fans werden vereint um die gemeinsame Liebe zur Musik zu feiern.

Der Samstag wurde von einer neuen Generation eingeleitet – den New Generation Superstars aus England. Der Opener schien den meisten noch etwas zu früh zu sein, deshalb hielt sich die Stimmung etwas in Grenzen. Doch es war auch keines Falls einfach, einen solch vielversprechenden Konzertabend anzuführen! Denn als nächstes waren schon die Hamburger Lord of the Lost an der Reihe, die Bühne zu rocken. Und das taten sie ohne Frage. Die Setlist wurde auffallend von ihren härteren Songs dominiert und im zweiten Teil gab es vorwiegend Songs von ihrem brandneuen Album Die Tomorrow. Ihre Spielfreude und Energie übertrug sich sichtlich auf das feiernde Publikum und so wurde das Gloria gut vorgeheizt für die Headliner des Abends. Dies waren zunächst die heimischen Private Line aus Helsinki, welche ebenfalls mit Songs von ihrem neuen Album Dead Decade aufwarteten, gemixt mit alten Hits. Die Stimmung war schon beeindruckend, doch der Hauptact des Abends steigerte sie definitiv zum Siedepunkt: Deathstars aus Schweden wurden offensichtlich von zahlreichen Fans sehnlichst erwartet. Was sie von den Vorgängerbands unterschied: Sie hatten immer noch keine neue Scheibe im Gepäck und spielten die ewiggleichen Hits ihrer vergangenen drei Alben. Trotz der geladenen Partystimmung und der tollen Performance der Band gab dies einen kleinen Minuspunkt.

Wer nach der Headlinershow traurig ans Ende dachte, hatte sich geschnitten – das Highlight eines jeden Trash Fests stand erst noch bevor! Die „Mama Trash All Star Band“ versammelte sich auf der Bühne und machte das Familientreffen komplett. Musiker aller Bands spielten gemeinsam Hits aus der Rockgeschichte und feierten noch einmal die vergangenen beiden Abende. In Trash we Trust – das Motto der Mama Trash-Familie war das ganze Wochenende Programm und hatte Fans und Musiker noch näher zu einer kleinen Familie zusammen geschweisst.

Fotos: Chantal Güller

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