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Zum fünften Mal verwandelte sich der Herrenacker in Schaffhausen zu einem Mekka für Musikfans, die nicht nur aus der Schweiz anreisten. Vier Tage lang begeisterten Musikgrössen aus aller Welt das Publikum am wohl schönsten Festival der Schweiz.

Letztes Jahr noch titelten wir, dass sich das Stars in Town zu einem Top-Festival mausert. Dieses Jahr hat sich dies bestätigt. Die Location inmitten der idyllischen Altstadt Schaffhausens hätte schöner nicht in Szene gesetzt werden können. In bunte Farben gehüllt, schufen die Häuser um den Herrenacker die perfekte Kulisse. Alle Tage waren gut bis sehr gut besucht, der Samstag war gar ausverkauft. Beste Voraussetzungen also, um richtig im Festival-Feeling zu schweben.

Unvergesslich – Lady in Black live erleben

Was will man zum ersten Tag des Festivals sagen? De Wolff gaben den Startschuss zu vier Tagen fantastischer Unterhaltung. Die Niederländer schafften es von Beginn weg, das festivalfreudige Publikum mitzureissen. Mit Uriah Heep spielte eine Band, die schon über 40 Jahre im Geschäft ist. Unprätentiös betraten sie die Bühne und legten los, als wären sie im Übungsraum, ohne den Druck eines erwartungsvollen Publikums. Und genau das war gefragt. Rock vom Feinsten und die Stimme von Bernie Shaw liessen die rund 5’000 Fans feiern. Natürlich wurde die Spannung bis zu dem einen Song so lange aufgebaut, bis es uns als Zuhörer innerlich schon fast zerriss. Endlich fanden dann die ersten Akkorde von Lady in Black ihren Weg von der Bühne in die Menge. Jeder sang mit und war happy, diesen Song einmal im Leben live hören zu dürfen.

Nun, was will man nach so einer Rockgrösse noch bringen? Status Quo hatte im Vorfeld aufgrund eines Krankheitsfalls bereits abgesagt. In der kurzen Zeit einen würdigen Ersatz zu finden, kann nicht einfach gewesen sein. Dennoch hat die Organisation hier nicht versagt. Mit Krokus hatten wir eine Schweizer Grösse auf der Bühne, die Status Quo allemal gut vertreten hat. Marc Storace, die unverkennbare Rockröhre der Band, liess sich auch nicht lumpen. Seine Stimme schoss in Höhen, die für eine männliche Stimme schon sehr herausfordernd waren. Aber auch die leisen Passagen hatte er absolut im Griff. Das Publikum auf dem Herrenacker war begeistert und feierte ordentlich mit.

Ruhige Birdy – Esprit bei Hurts

Der zweite Tag sollte auf den ersten Blick nicht minder wild werden. Yokko, die Schweizer Newcomer, die aus dem Nichts kamen, stiegen mit ihrem Album Seven Seas direkt auf Platz 10 der Schweizer Hitparade ein. Ehrlicher Sound, der die Herzen der Zuschauer sofort für sich gewinnen konnte. Mit Byrdy stand der nächste Act auf dem Plan, auf den ich sehr gespannt war. Zu meinem Leidwesen gehöre ich aber, wie ich feststellen musste, nicht zur Zielgruppe. Zu ruhig war mir persönlich ihr Auftritt am Klavier in dieser Festivalatmosphäre. Dem Publikum allerdings hat sie aus der Seele gespielt. Kein Augenpaar, welches nicht auf die Bühne gerichtet war. Natürlich verzauberte die 18-jährige Britin mit ihrer Stimme jeden. Auch mich – nur eben etwas zu ruhig.

Nun mag man sich wiederum fragen, was denn an so einem Abend noch fehlen könnte? Die ultimative Power auf der Bühne sollte mit Hurts Einzug auf dem Herrenacker halten. Ich habe die Band noch nie live gesehen und muss gestehen, ich habe mich ein bisschen verliebt. Nicht in Theo Hutchcraft, Leadsanger der Synthpop-Combo, nein eher in den Esprit, den er während des Auftrittes über die Menge regnen liess. Energetisch wurde dem Publikum ein Hit nach dem anderen kredenzt. Es hat geschmeckt, denn die Stimmung, die auf dem Platz herrschte, ist kaum in Worte zu fassen.

Odell und der Flachmann

Vier Tage Festival können schon mal ein wenig anstrengend werden. Wenn man dann allerdings schaut, wer denn am dritten Tag auf der Bühne stehen wird, steigt die Vorfreude gleich wieder extrem. The Pride gaben den Auftakt zu einem Abend, dessen Line-up erneut sehr vielversprechend war. Die wiedervereinte Schaffhausener Band liess es ruhig angehen. Viel zu heiss war es für grosse Sprünge auf der Bühne. Dies hinderte die Zuschauer allerdings nicht, schon am frühen Abend so richtig in Party-Laune zu kommen. Ein ideales Warm-up also für den Act, der folgen sollte.

Wiederum war ich sehr gespannt auf Tom Odell. Mit seinem Hit Another Love lässt er uns ja seit Wochen keine halbe Stunde im Auto sitzen, ohne dass wir – aufs Steuerrad klopfend – mitsingen müssen. Allerdings war auch hier wieder ein Klavier auf der Bühne. Somit sass Odell mehr oder minder die ganze Zeit auf seinem Hocker. Ein eher scheuer Kandidat, könnte man sich denken, denn der Publikumskontakt wollte nicht so richtig in die Gänge kommen. Ein paar beherzte Schlucke aus dem mitgebrachten Flachmann schienen den jungen Künstler dann aber doch noch zu beflügeln. So jagte auch er zu den letzten Stücken die Bühne auf und ab, liess sich also richtig feiern.

Nun kam der Act, auf den ich mich persönlich am wenigsten gefreut hatte. Jan Delay & Disko No.1. Die nasale Stimme, Texte, mit denen ich so richtig nichts anfangen konnte, ich hatte das Konzept Jan Delay wohl falsch verstanden. Denn der deutsche legte einen Auftritt hin, der einfach unfassbar geil war. Ja, ich schreibe dieses Wort bewusst, denn alles andere wäre untertrieben. Die Big Band, die ihn musikalisch unterstützte, war von erster Güte, die Texte gaben in dem Kontext einen Sinn; ich war schlicht begeistert! So ging es auch dem Publikum auf dem Platz. Jeder Schabernack, den sich Jan ausdachte, wurde ohne Zögern mitgemacht. Ein Konzert, bei dem es so richtig schade war, als der letzte Ton aus den Lautsprechern verklungen war. Ich fragte mich wirklich, ob dies noch zu toppen sein könnte.

Energiegeladene Amy Macdonald

Und wer schon mal am Stars in Town war, der weiss – ja es ist zu toppen! Somit sind wir auch schon beim letzten Festivaltag. Funkschrank aus Deutschland, die Gewinner des Klingenstar Contest 2014, durften diesen Abend eröffnen. Immer noch meinte es Petrus sehr gut mit den Zuschauern. Unerbittlich brannte die Sonne auf die schwarze Bühne, was die Künstler zwang, sich mit Sonnenbrillen zu schützen. Keine Starallüren seien dies, es blende nur brutal, erklärten Funkschrank sympathisch, als sie ihren grossen Auftritt in Angriff nahmen. Auch hier – ehrliches Handwerk und eine motivierte Truppe, der man einfach geglaubt hat.

Mit dem folgenden Act, Ira May, stand wieder eine Schweizerin auf der Bühne. Die Band unterstütze sie grossartig. Ihre Stimme wird oft mit jener von Amy Winehouse verglichen. Soulig ist sie allemal, aber es gab nur eine Amy Winehouse. Wir sind gespannt, ob Ira ihren eigenen Stil noch weiter ausbaut. Sie steht ja noch am Anfang der jungen Karriere.

Alex Hepburn mit der rauchigen Stimme war der nächste grosse Name an diesem Festival. Sie ist ja bekannt dafür, etwas kompliziert zu sein, was ich auch schon miterleben durfte. Der Herrenacker mit seinem Ambiente schien diese Attitüden allerdings einfach wegzuwischen. Wir durften eine Hepburn erleben, die das Publikum miteinbezog, lächelte und ihre Stimme vollends ausschöpfte. So gefällt uns das und der Menge vor der Bühne erst recht. Strahlende Augen und Applaus, der nicht enden wollte, waren die Quittung für ihren stimmungsvollen Auftritt.

Nun wusste ich nicht, wie Amy Macdonald die Stimmung halten oder gar noch steigern sollte. Und wieder sollte ich eines Besseren belehrt werden. Amy Macdonald ist ein echter Energieball. Stehend, mit der Gitarre am Körper, machte diese Frau einfach nur Party. Ihr wunderschönes schottisches Englisch liess wohl jeden kurz berührt seufzen. This Is The Life, der Hit, der uns am Morgen schon mit Kaffee in der Hand tanzen lässt, liess natürlich auch die Schaffhauser nicht kalt. Eine solche Stimmung mit so wenig zu erreichen, das schafft eben nur eine Amy Macdonald!

Fazit

Das Stars in Town ist ein Festival, für welches es in diesem Rahmen keine Konkurrenz gibt. Keiner bekommt dreckige Füsse (auch wenn es regnet) und die unzähligen freiwilligen Helfer haben immer ein Lächeln auf den Lippen, egal, an welchem Posten sie stehen. Was hier sehr schön zu beobachten ist: Es muss auch den Helfern enorm Spass machen, denn wir haben viele Gesichter vom letzten Jahr wiedererkannt. Die Verpflegungsmöglichkeiten sind vielfältig, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

An dieser Stelle dürfen wir – wie auch letztes Jahr – einen grossen Dank an das Mediencenter aussprechen. So nett und sympathisch wird man sonst nirgendwo betreut. Yvonne Bähler, Kathrin Ochsner, Philipp Koffel, Jimmy und Thomas Hauser – herzlichen Dank für euer Engagement über diese Tage! Es ist wirklich nicht selbstverständlich. Wir freuen uns auf nächstes Jahr, wenn das Stars in Town 2015 auf dem Plan steht.