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Am Samstag spielte Tom Odell an den Winterthurer Musikfestwochen. Lange dauerte das Konzert allerdings nicht.

Obwohl ich schon einige Jahre in der Umgebung von Winterthur wohne, habe ich mir diesen wunderbaren Event viel zu lange entgehen lassen. Spontan entschied ich mich, für die Konzerte von Elias (SWE), Daughter (UK) und Tom Odell (UK) für eine Fotoakkreditierung anzufragen.

Tom Odell

Ehrlich gesagt, habe ich bis zu diesem Abend noch nie etwas von Elias gehört. Zumindest nicht bewusst. Vermutlich auch nicht unbewusst, auch wenn mich seine Stimme stellenweise ein kleines bisschen an andere Künstler erinnert, die derzeit in den Charts vertreten sind. Die Songtexte sind tiefgreifend und werden von ihm sehr ausdrucksstark performt. Noch während den ersten zwei Songs war mir klar: Meine Playlist würde um diesen Musiker erweitert und ich wurde vom Fleck weg Fan. Zu Beginn war er noch etwas verhalten, lächelte aber im Laufe der Show immer öfter in die sich füllende Steinberggasse.

Von Daughter kannte ich bislang nur einen einzigen Song, der öfters mal im Radio gespielt wurde. Die Live-Performance zeichnete sich durch sanfte, melodiöse Töne aus, die zum Träumen einluden. Da wird sich definitiv noch der eine oder andere Song zu meiner Musiksammlung gesellen und vielleicht sogar ein paar andere Lieder verdrängen, die ich mir seit Jahren nicht mehr angehört habe. Mitten im Auftritt ergriff der Gitarrist das Wort und erzählte in reinstem Schweizerdeutsch, sein Grossvater stamme aus Winterthur und es sei für die Band deshalb eine grosse Ehre, heute hier aufzutreten.

Inzwischen hatte die Steinberggasse wohl das Maximum an Zuschauern in sich aufgenommen und in der ersten Reihe standen zahlreiche junge Fans, die sich auf Tom Odell freuten. Nach dem zweiten Song kündigte er jedoch kopfschüttelnd  an, er müsse nun etwas tun, das er noch nie getan habe.

Er könne nicht weitersingen, weil er die Stimme verloren habe. So, als könnte er es selbst nicht fassen, formulierte er es nochmals etwas anders und stimmte dann den dritten Song an. Ich dachte zuerst, das sei ein gutgespielter Witz, um die Leute zum Mitsingen zu animieren. Als dann Mitten im Song seine Stimme wegbrach, war ich mir nicht mehr so sicher, ob er das nicht doch ernst gemeint hatte. Nachdem der Song Another Love zu Ende war, stand er vom Piano auf, sagte schlicht «Sorry» und verliess ohne ein weiteres Wort die Bühne.

Der Host ergriff sehr schnell das Wort, erklärte dem verdutzten Publikum, dass Tom nicht weitersingen könne, weil er tatsächlich seine Stimme verloren habe. Die Band käme aber nochmal auf die Bühne, um sich zu verabschieden. Tatsächlich waren sie dann gute zehn Minuten später wieder on Stage.

Die Band und allen voran der Leaddrummer Andy Burrows übernahmen den Vocal Part ihres Frontmannes, der sich mehr aufs Pianospielen beschränkte. Nach einer guten halben Stunde war dieser Auftritt dann aber leider zu Ende, obwohl ich glaube ich für alle Anwesenden spreche, dass sie ruhig weiter in dieser ungewöhnlichen Formation hätten weiterspielen können.

Die Organisatoren der Winterthurer Festwochen haben sich innert kürzester Zeit überlegt, wie man die Besucher für den kurzen Gig Tom Odells entschädigen könnte. Das Angebot, am nächsten Tag nicht nur freien Eintritt, sondern auch noch Getränke- und Essensjetons zu erhalten war mehr als grosszügig und garantierte am Sonntag sicherlich auch nochmal volles Haus – Pardon, eine volle Gasse – als Abschluss dieses herrlichen Festivals.

Insofern haben nicht nur ein paar Bands einen Fan mehr, sondern auch die Winterthurer Musikfestwochen, die ich mir nächstes Jahr definitiv nicht entgehen lassen werde.