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Lange liess Tilia auf ihr Debütalbum «focus» warten. An den Konzerten während des Jahres hat sie immer wieder angedeutet, was denn kommen könnte. Am 12. Dezember erscheint die Scheibe nun. Doch hat sich die lange Wartezeit gelohnt? Wir haben uns das Album schon mal angehört.

Tilia – focus (Bild: zVg)

Tilia – focus (Bild: zVg)

Das Debütalbum der Aargauer Singer/Songwriterin Daniela Hallauer, die unter dem Namen Tilia auftritt, erscheint am 12. 12. 2014 beim Label Ambulance-Recordings. Negative White lagen einige Tracks als sogenannte Roughs – unbearbeitete Rohaufnahmen direkt aus dem Studio – vor, welche bereits erahnen liessen, wie die Songs später klingen würden. Doch wie der Appetit mit dem Essen kommt, steigern solche Amuse-oreille die Erwartungen an das fertige Album.

Elf Lieder sind auf focus enthalten. Elf Lieder, die perfekt zur Jahreszeit passen. Verträumt, melancholisch, nachdenklich, romantisch. Ideal um dem See entlang durch den Nebel zu spazieren, völlig losgelöst vom Alltagseinerlei.

Die metaphorische Insel vom Opener Island als sichere Beziehung in der rauen See der Gefühle, besungen in Danielas verträumt hoffnungsvoller Stimme, die gegen Ende einen resigniert melancholischen Klang annimmt. Darunter sanfte, sphärische Musik, welche die Lyrics tragen und gezielt unterstützen. Sensation überrascht mit den wehklagenden Klängen einer Bluesgitarre, welche dem Song einen hohen Wiedererkennungswert verleihen und einem immer intensiver werdenden Schlagzeugeinsatz während des Refrains.

Friendly are the words
that you softly whisper
strange and fruitful are the lands
in your stories
So started A Letter, ein Brief an eine verflossene Liebe. Ein Thema, das sich durch das ganze Album durchzieht und das jedem bekannt ist. Die verträumte, sanfte Umsetzung lässt den Hörer über seine eigenen Beziehungen reflektieren. Die erste Single-Auskopplung Head Over Heels spricht für sich und das Video dazu unterstreicht mit seiner dezenten Bildsprache die Botschaft des Liedes.

Mit Jane Austen’s Hidden Track zeigt Tilia endgültig ihre Songwriter-Qualitäten. Ein Song, wie man sie am Radio leider kaum mehr hört. Für die heutigen Hörer, die sich scheinbar sowieso nur noch 90 Sekunden auf einen Song konzentrieren können, dürfte der Text zu umfangreich sein. Doch genau die wunderbaren Zeilen, die Daniela hier singt, machen den Unterschied zu den Banalitäten, die den Äther heutzutage verstopfen, aus.

Zurück in die sphärischen Gefilde des Dream-Pop entführt das Stück Oh, Let’s Try und auch Sail The Seas segelt verspielt auf diesen ruhigen Gewässern. Zwei Songs in denen man sich verlieren und die Welt um sich herum vergessen kann. Cut In Stone kommt wieder intensiver daher, mit fast hypnotischen Keyboardklängen, welche vom treibenden Kreischen der E-Gitarre im letzten Drittel des Songs aufgewühlt werden. Anders als alle übrigen Stücke des Albums lässt sich Cut In Stone nicht so ohne weiteres als Akustikversion spielen, zu viel von der Atmosphäre würde verloren gehen. Tilia darf aber gerne das Gegenteil beweisen.

Die grösste Überraschung von focus ist aber der letzte Track: Abschlusslied. Daniela singt den Song auf Mundart. Auch Eluveitie hat mit De Ruef vo de Bärge schon ein ähnliches Experiment gewagt, und ist dabei prompt in die Falle getappt: Der Song hat den typischen Charakter eines Schlagersongs. Tilia hat es glücklicherweise geschafft, dass Assoziationen zum Schlager gar nicht aufkommen. Im Gegenteil, Abschlusslied wirkt ehrlich und zeigt eine andere Facette ihrer Musik. Mundart passt auch gut zu Danielas Stimme und funktioniert erstaunlich gut mit dem sehr melancholischen Text.

Mit focus ist Tilia ein rundes Debütalbum mit einigen Überraschungen, hauptsächlich aber elf wunderschönen Songs zum Träumen, gelungen. Die hohen Erwartungen sind mehr als erfüllt und die Vorfreude auf die CD-Taufe am 17. Januar im El Lokal in Zürich ist gross. Das Warten hat sich definitiv gelohnt. Klare Kaufempfehlung für Fans ruhiger Musik.

Label:
Ambulance-Recordings

Release:
12. 12. 2014

Tracklist:
01 – Island
02 – Sensation
03 – A Letter
04 – Head Over Heels
05 – Home
06 – Igor
07 – Jane Austen’s Hidden Track
08 – Oh, Let’s Try
09 – Sail The Seas
10 – Cut In Stone
11 – Abschiedslied