Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Nein, hier geht’s nicht um Equestria after Dark. Vorerst. Hier geht’s um erwachsenene Themen in einer Kindersendung. Und ganz am Schluss noch um My little Porno.

My Little Pony: Friendship is Magic kommt wie ein Produkt daher, dass auf kleine Mädchen zugeschnitten ist. Wer ausserhalb dieser Zielgruppe sollte sich für die grossäugigen, bunten Protagonistinnen begeistern, die in ihrer lieblichen Welt kindgerechte Abenteuer bestreiten? Erstaunlich viele, wie nicht zuletzt die steigende Menge an Merchandise in Erwachsenen-Grössen belegt. «Bronies» nennen sich Fans, die volljährig, männlich und meistens heterosexuell sind.

My_little_pony_ass

unangebrachte Witze gehören längst zum Subtext der Serie (Quelle: tv-tropes)

Für den Erfolg der Serie gibt es mehrere Gründe. Trickfilme jeder Art hatten schon immer eine erwachsene Fangemeinde, und My Little Pony gehört mit seinen detailreichen, liebevoll gestalteten Graphiken zu den hochwertigeren Cartoons. Dazu kommt, dass es vor 30 Jahre schon einmal Trickfilme und Plastikpferdchen unter diesem Brand gab. Da kommt die alte Begeisterung schnell wieder hoch.

Tiefe Töne im Ponyland

Es gibt noch einen weiteren Grund, der eine erwachsene Zuschauergruppe anzieht. My Little Pony hat bisweilen Zwischentöne, die die süsse Handlung plötzlich in ein ganz anderes Licht rücken.

Da gibt es beispielsweise die Folge «The Super Speedy Cider Squeezy 6000»:

Die Handlung beginnt mit einem Fest auf einem Bauernhof, bei dem Apfelsaft ausgeschenkt wird. Mit von der Partie sind auch die sechs Ponies, die in der Serie die Hauptrollen spielen. Ein Pony namens Rainbow Dash, dessen Charakterzeichnung knapp an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung vorbei geht, freut sich so sehr auf den Apfelsaft, dass schon seine Schwärmerei überzogen wirkt. Als dann ein anderes Pony so viel Saft trinkt, dass für Rainbow nichts mehr übrig ist, legt diese das typische Frustverhalten eines Alkoholikers an den Tag, der ungewollt auf dem Trockenen sitzt.

Diese Art des Witzes erschliesst sich nur Erwachsenen.

Ebenfalls Bände werden zwischen den Zeilen in «The last Roundup» gesprochen, die aus Sicht eines Zynikers von Prostitution handelt. Dieses Thema wird am deutlichsten bei der Figur der Cherry Jubilee, einer Kirschfarm-Besitzerin, die Ähnlichkeiten mit der Figur der Red in The Lone Ranger hat.

Rothaarige

Red Harrington und Cherry Jubilee: Die Ähnlichkeit ist gewollt. (Foto: IMDB/MLP.WIKIA)

Allerdings sind diese Zwischentöne sehr behutsam gehalten. Die unterschwellige Botschaft wird über Kamerawinkel, Metaphern und Wortwitze kommuniziert, und dies funktioniert auf Deutsch längst nicht so gut wie in der englischen Originalfassung.

Dasselbe gilt für die Comics. Sie sind überdrehter und selbstreflektierender als die TV-Serie, und bestechen viel häufiger mit extradiegetischem Humor. Dennoch bleiben Geschichten und Bilder kindgerecht – schliesslich will Hasbro auch Spielzeug verkaufen. Für die, die My Little Pony noch Erwachsener möchten, bleibt nur ein Deviant Art-Account mit entsperrtem Porno-Blocker. Oder eben Equestria after Dark.