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«Die Zeit» hat 19 Autoren aus der ganzen Welt befragt, ob die Literatur das Unternehmen Amazon braucht. Der deutsche Autor Thomas Sabottka hat sich den Fragen auch gestellt. Hier sind seine Antworten.

Artikel - 2011-05-08 - Thomas Sabottka - Vorschau

Thomas Sabottka an einer Lesung in Zürich, 2011 (Foto: Janosch Tröhler)

Kaufen Sie Ihre Bücher bei Amazon?

Ja. Vor allem solche, die es nirgendwo anders gibt. Etwa solche, die im Eigenverlag erscheinen. Und solange in Deutschland diese arrogant-elitäre „Literatur ist gleich Kunst“-Meinung vorherrscht und daraus geschlossen wird, dass jeder Autor, der bei keinem Verlag gelandet ist, es auch verdient hat, da er schlecht ist… werde ich es auch weiterhin tun.

Finden Sie es richtig, Bücher bei Amazon zu kaufen oder die eigenen dort verkaufen zu lassen?

Ja. Solange wie es keine effektive Alternative gibt. Es reicht nicht, über Amazon zu jammern und zu klagen, solange wie sie konkurrenzlos agieren können, da es keinen anderen Händler/Verleger gibt, der soviel richtig macht wie Amazon. Der Kindle ist der beste E-Reader, den es im Moment gibt.

Würden Sie als Autor gerne Ihren Verlag anweisen, die Bücher nicht mehr über Amazon zu vertreiben?

Wozu? Wo sollen die Bücher denn dann verkauft werden? Auf der Homepage des Verlages und der Leser klickt sich dann tagelang durch alle Verlagsinternetseiten? Der in dieser Debatte so hochgelobte und schöngeredete Inhabergeführte Buchhandel, ist übrigens der Buchhandel, der sogenannte Independent-Autoren gerne mal ignoriert (Mit wenigen löblichen Ausnahmen).

Was halten Sie von der Nachricht, dass Amazon die Bücher mancher Verlage nur verzögert liefert, wenn diese Verlage sich den Rabattforderungen von Amazon widersetzen?

Vor ein paar Jahren haben alle über Thalia gejammert, weil die Regalflächen meterweise vermietet haben und wer es da nicht geschafft hat, den entsprechenden Standplatz zu bezahlen, der wurde auch nicht besser verkauft. Wo ist da jetzt der Unterschied? Wir leben im Kapitalismus und solange wie es keine wirkliche Konkurrenz zu Amazon gibt, kann Amazon sich eben genauso aufführen, wie sie es tun.

Was halten Sie von den Nachrichten über die Arbeitsbedingungen bei Amazon?

Soweit mir bekannt ist, zahlt Amazon seinen Lagerarbeitern hier in Deutschland etwas mehr, als den durch die SPD geforderten Mindestlohn von 8,50 €. Natürlich ist beides absolut lächerlich. Aber wir leben nun mal im Kapitalismus. Schlimm finde ich die ganzen Klugscheisser, die so tun, als ob sie Vertreter einer kommunistischen Utopie wären, obwohl sie genauso im System des Kapitalismus leben und genauso agieren wie Amazon. Nicht Amazon ist das Übel, sondern das System, in dem so ein Konzern agieren kann. Sobald die Leute eine vernünftige Alternative zu Amazon auf die Beine stellen, die ihren Kunden den selben Service bietet, den Angestellten vernünftigen Lohn zahlt, wird sich der ach so böse Gigant Amazon von allein erledigt haben.

Alles zusammen genommen, mit wie vielen Sternen (von fünf möglichen) würden Sie Amazon bewerten?

Immer noch fünf. Solange wie es keine Konkurrenz gibt.

Über Thomas Sabottka
Thomas Sabottka, 1968 in Ost-Berlin geboren, ist Autor und lebt in Frankfurt am Main.