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Vier gnadenlose Tage Summer Breeze. 96 Stunden dröhnten die Gitarren auf dem Flugplatz Sinbronn wie die Triebwerke eines gewaltigen Jets. Die Metalheads eroberten Dinkelsbühl in einem staubigen Durcheinander von Musik, Alkohol und Sorglosigkeit.

Sagen wir der Leber den Kampf an und knacken eine Dose Bier, bevor es losgeht. Das Frühstück der Champions! Danach wird der Grill eingeheizt, die Sonne wärmt die von der Nacht runtergekühlten Glieder. Käsespätzle als Boden und das zweite Bier folgt sogleich, denn wo es hergekommen ist, gibt’s noch eine Menge mehr.

Das 16. Summer Breeze Openair war eine riesige Party. Eigentlich wie jedes andere Openair auch. Krachende Musik, Alkohol und am Schluss bleibt ein Abfallberg und Erinnerung, die nach Hause getragen werden.
Es war ein Eintauchen in eine andere Welt, das Reich des pure fucking Metals! Hier galten andere Gesetze, denn das Verhältnis Mann-Frau lag etwa bei zehn zu eins. Und so wütete man vor den Bühnen des Festivals, surfte über die Crowd und nahm sich so viele kostenlose blauen Flecke im Moshpit mit, wie man kriegen konnte. Zwischen den Leder- und Jeanskutten tauchten die krank Verkleideten auf, die unvorteilhafte Gekleideten, die Normalos. Ab und zu auch Besucher der Kategorie Ü45; Anwohner, die freien Eintritt als Wiedergutmachung für den ganzen Trubel erhielten. Sie blickten stets mit einer Mischung aus Irritation und Erstaunen auf das chaotische Treiben am Summer Breeze.

We Came As Romans (Sacha Saxer)

We Came As Romans. Bild: Sacha Saxer

Vier Tage lang kamen mehrere zehntausend Menschen zusammen, um kollektiv der harten Musik zu frönen. Black, Death, Folk, Pagan, Pirate, Power, Speed, Trash und alle möglichen anderen Unarten von Metal-Sparten donnerten über das Feld. Stimmung erzeugten sie alle, dafür war genug Alkohol im Spiel. Schöntrinken funktioniert nicht nur im Zwischenmenschlichen. Trotzdem schafften es einige Bands besser als andere. Meine persönlichen und unangefochtenen Höhepunkte waren Lamb of God und Hatebreed. Mann, was legten die aufs Parkett! Destroy Everything! Die Menge war ausser sich. Auch Sabaton, Anthrax oder Dark Funeral gaben Gas.
Enttäuschung dafür bei Finntroll und In Flames. Gerade Letztere verpassten als grosse Headliner am Samstag eine Gelegenheit. What shall we do with a drunken singer? Nun, man konnte immer noch die reisserische Licht- und Pyroshow geniessen und versuchen, den chaotischen Sound zu ignorieren.

Walls Of Jericho (Sacha Saxer)

Walls Of Jericho. Bild: Sacha Saxer.

Organisatorisch liess das Openair für den gewöhnlichen Besucher keine grossen Wünsche offen. Die Dixi-Klos wurden regelmässig gereinigt, das kostenpflichtige WC war trotzdem angenehmer. Den Bauch konnte man sich für lau wunderbar vollschlagen, beim Asiaten, beim Pasta-Mario, bei den Schlemmerbrotbäckern. Das meist etwas abgestandene Export-Bier rumorte im Verdauungstrakt etwas schneller als gewohnt. Oder man wich einfach auf den Literkübel Mojito aus. In den Stosszeiten kam das Barpersonal spürbar an ihre Grenzen, schaffte es nicht, ein vernünftiges System aufzubauen. Da hätten noch einige Zapfhähne Platz gehabt. Funktionierendes WLAN hätte den Medienschaffenden sicherlich geholfen, Headliner-Pässe gehören sowieso verboten.

Das Mäkeln ist aber in keinem Verhältnis zur Stimmung des Summer Breeze 2013. Grossartiges Wetter – nicht zu heiss, nicht zu kalt und ohne Regentropfen. Das Line-Up konnte zwar nicht ganz mit dem letztjährigen Jubiläum mithalten, doch das Meiste, das geboten wurde, war mitreissend. Hin und wieder wurde für Überraschung gesorgt. Etwa der besoffene Punk, der es wagte, bei der Black Metal-Truppe Marduk mit heruntergelassenen Hosen gleich dreimal über die Bühne zu torkeln. Der fing sich einen filmreifen Kick des Gitarristen ein und flog gleich aus dem Sichtfeld der Zuschauer. Sowas tut man auch nicht bei den Panda-Metallern…

Was man aber tun sollte, ist das nächste Summer Breeze zu besuchen. Erste Headliner wurden bereits bestätigt: Heaven Shall Burn, Children of Bodom, Caliban, Arch Enemy, Wintersun, J.B.O., Behemoth und Hypocrisy. Die Vorfreude kriecht bereits jetzt in die Magengrube. Negative White ist wieder dabei. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass Dixi-Klos miefen.

Arkona (Sacha Saxer)

Arkona. Bild: Sacha Saxer

Welche Band hat dir am Summer Breeze 2013 am besten gefallen? Verrat’ es uns in den Kommentaren!

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