Die Band Skunk Anansie ist bekannt für Auftritte, die pures Feuerwerk sind. Auch der Zürcher Club X-Tra kam in den Genuss der Sängerin Skin und ihren drei Mitmusikern. Sie lockten die schweizerische Verhaltenheit aus der Reserve.

Sängerin Skin in Aktion (Foto: Cornelius Fischer)

Die Show war restlos ausverkauft und die Einrichtung aufs Nötigste reduziert, damit das Publikum im Saal Platz fand. Schnell füllten sich die Räume mit einem bunt durchmischten Menschen. Neben dem tätowierten Lederjackenträger stand ein hipper Kerl vom Typ Designer. Mal ein älteres Ehepaar mit grauen Haaren, mal junge Verliebte Arm in Arm. Sitzend warten zahlreiche Besucher auf dem Boden. Noch herrscht dort kein Durcheinander aus zerbrochenen Plastikbeichern, Bier, Schweiss und Freudentränen.

Eröffnet wurde püntklich von der australischen Indie-Rock-Gruppe The Jezabels. Die Bass Drum virbierte durch den Club und vereinte alle Herzen im selben Takt. Was gut war, um die Aufmerksamkeit der Menge einzufangen. Der fette Bass war dann aber eher mühsam, nahm er doch der schönen Stimme von Hayley Mary die Prominenz. Den verträumten, melancholischen und grossspurig angelegten Songs ging so etwas verloren. Nach einem Seitenblick musste ich mich doch fragen: Ist das Fernglas wirklich nötig?
Natürlich erhält der Support-Act selten die verdiente Aufmerksamkeit. Dabei hätten gerade die Australier diese redlich verdient, trugen sie doch auch mit der schlichten Präsentation ihre Songs mit viel Nachdruck vor.

Es folgten frustrierende 45 Minuten Wartezeit. Das Publikum stand sich die Beine in den Bauch bis endlich, endlich Skunk Anansie die Bühne stürmten. Das kann man sich als Band bloss leisten, wenn danach ein solches Feuerwerk folgt, wie das der Fall war. Spätestens nach I Believed In You waren diese zähe Dreiviertelstunde vergessen. Dabei lebt die Musik von der Frontfrau Skin. Ein Prototyp von Powerfrau mit Irokesen-Frisur, Energie strotzend und voller Selbstbewusstsein. Eine Ikone der feministischen Schöpfungskraft in der Musik. Eine Amazone, die sich wild aus der Zwangsjacke der gesellschaftlichen Konventionen befreit. Wie ein Panther tigerte Skin im hautengen, schwarz schimmernden Kostüm aufgeregt die Bühne auf und ab, bewegte sich geschmeidig wie eine anmutende Gazelle. Eine nubische Göttin ohnesgleichen. Dennoch vereint sie eine freche Rockröhre und die berührende Soulstimme in sich. Die Höhepunkte bildeten die treibenden, von treibenden Rhythmen dominierten Songs. Nicht oft sieht man so viele Konzertbesucher klatschen, hüpfen und jubeln.
So heizten Skunk Anansie dem X-Tra ein. Ein Bremspedal schien nicht zu existieren. Die Menge sprang, tanzte, liess sich mitreissen und trug die unwiderstehliche Sängerin, als sie buchstäblich über das Publikum ging. Stagediving für Fortgeschrittene. Neben dem neuen Album Black Traffic, mangelte es nicht an alten Hits wie Hedonism (Just Because You Feel Good).

Nach einem explosiven und hitzigen Auftritt, strömten die Menschen aus dem tropisch feuchten Klima des Saals in den erfrischenden Nieselregen. Zurück blieben zerstampfte Plastikbecher, Bier, Schweiss, Freudentränen. Und lebendige Erinnerungen.

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