Am 21. Juli verwandelte sich die Bühne des Kongresshauses in ein gemütliches Wohnzimmer, um einen Stargast zu begrüssen. Hugh Laurie, begleitet von The Copper Bottom Band, brachten den New-Orleans-Blues nach Zürich.

Hugh Laurie im Kongresshaus Zürich (Sacha Saxer)

Hugh Laurie im Kongresshaus Zürich (Foto: Sacha Saxer)

Die Musik aus den 40er und 50er Jahren findet zurzeit dank dem Schauspieler, Komiker, Musiker und Schriftsteller, der vor allem als Dr. Gregory House aus der populären Serie House M.D. bekannt ist, einen kleinen Aufschwung. Der Brite veröffentlichte letztes Jahr sein Album Let Them Talk und tritt seitdem, unterstützt von den grossartigen Musikern seiner Begleitband The Copper Bottom Band, so oft er kann, auf. Mühelos vermag er es, einige hundert Fans anzuziehen, daher ist es kaum verwunderlich, dass das Kongresshaus letzten Samstag bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Mit der kurzen Begrüssung auf Deutsch – „Guten Abend Zürich!“ ­– und den leicht theatralischen Verbeugungen eroberte Hugh sogleich die Herzen des Publikums. Nach einer kurzen, aber charmanten Einleitung begann der musikalische Abend mit Mellow Down Easy, gefolgt von Liedern wie St. James Informary, Let the Good Times Roll, You Don’t Know My Mind, Unchain My Heart, Dear Old Southland und Careless Love.
Erster Höhepunkt des Abends war Battle of Jericho – mit einer der besten Eigeninterpretationen, die ich bisher gehört habe. Es gab jedoch ganz klar weitere Highlights: zum Einen war das sicherlich Swanee River, ein Lied, das in dem angeblich schrecklichen Klavierlern-Heft stand. Wie Hugh erzählte, war dies das einzige Lied, das er je aus diesem Heft spielen wollte, und das einzige, welches seine Musiklehrerin ihm nicht zu spielen erlaubte.
Die Darbietung von Let The Talk, dem Titellied seines Albums, war der dritte Höhepunkt. Ein wunderschönes Lied, das eine Geschichte über die wahre Liebe erzählt, bei der es egal ist, was die anderen sagen – wie der Name schon besagt, soll man sie einfach reden lassen.
Nun, auch Hugh Laurie haben wir an diesem Abend gerne reden lassen, jedoch mit dem Unterschied, dass ihm über 1’500 Personen gespannt zuhörten. „I’ve heard people play this song a thousand times and I still don’t know what it’s about – but I don’t care, I just love it!“, meinte er zum Beispiel zu Tipitina. Interessiert lauschten wir auch der Geschichte über Buddy Bolden’s Blues, die von Buddy Bolden handelt – ein Kornettist, dessen Musik niemand Lebendes je gehört hat, da es keine Aufnahmen von ihm gibt, aber der trotzdem als legendärer Musiker und allererster Bandleader des Jazz bezeichnet wird. So konnte Hugh zu jedem Lied Geschichten erzählen, und immer wieder schimmerte der Komiker in ihm durch, wie zum Beispiel in der kleinen Rehydrations-Pause, in welcher er seinen Musikern einen „12 years old apple juice“ (sprich: einen Whiskey) servierte. „You just give them one whiskey and then they disappear.“, scherzte er, als die Hälfte der Band für ein paar Lieder die Bühne verliess.

Insgesamt war es ein wundervolles Konzert ganz im Namen des New Orlean Blues, nicht zuletzt dank der grossartigen Darbietung von Hugh Laurie am Piano, dem „Blowmaster“, der für alle Blasinstumente zuständig war und ein grossartiges Solo mit der Mundharmonika spielte, und dem Gitarrist, der den Abend rockte. Mit voller Berechtigung endete die Darbietung mit Standing Ovations. Leider erfüllte sich meine Hoffnung, dass er noch Autogramme geben würde, jedoch nicht – schade. Ich wäre ihm gerne nahe genug gewesen, um ein Autogramm mit persönlicher Widmung zu ergattern!

[Not a valid template]