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Cannibal Corpse, DevilDriver, The Black Dahlia Murder und Hour of Penance – diese Kombination weckt die Assoziation einer stählernen Faust, die sich mit voller Wucht in deine Magengrube bohrt. Das war sie auch. Nur fühlte sich das verdammt gut an!

Devil Driver besuchten mit Cannibal Corpse den Komplex 457 (Sacha Saxer)

Devil Driver besuchten mit Cannibal Corpse den Komplex 457 (Sacha Saxer)

 

fb. Am Donnerstagabend, dem letzten Februartag, zelebrierten Cannibal Corpse ihr 25-jähriges Bandbestehen im Zürcher Komplex 457. Die Co-Headlinertour mit den kalifornischen DevilDriver wurde ausserdem von den Metal Blade Records-Kumpanen The Black Dahlia Murder sowie den italienischen Hour of Penance unterstützt. Dieses wuchtige Gesamtpaket lockte eine Vielzahl Fans des extremen Metals an, jedoch noch nicht unbedingt zur Zeit der Türöffnung.

Quellen zufolge ging es bereits um 18.30 mit Hour of Penance los – da die Negative White-Schreiberlinge bedauerlicherweise noch nicht von ihrer Pressearbeit leben können und sich ihre Brötchen auf andere Weise verdienen müssen, reicht die Zeit nicht immer, um überpünktlich bei Konzerten zu sein. Eine Stunde später war die erste Band also bereits Geschichte, dass darüber hier nicht berichtet werden kann, sei bitte entschuldigt.
Bedauerlicherweise ging es auch einem anderen, kleinen Teil der arbeitenden Menschen so, dass sie sogar die darauffolgenden The Black Dahlia Murder missen mussten. Wer noch nie das Vergnügen hatte, diese Kraftbolzen auf der Bühne zu erleben, verpasst definitiv etwas. Der korpulente Fronter Trevor, als absolutes Unikat in der Metalszene, überzeugte natürlich durch seine Stimmgewalt wie auch durch seine ansteckende, energiestrotzende Euphorie, welche er förmlich ins Publikum schrie, growlte, grunzte. Die harmonischen Soli, nicht weniger energiegeladen, bildeten den perfekten Kontrast und bezeugten den Fakt, mit The Black Dahlia Murder die wohl melodiöseste Band des Abends auf der Bühne zu sehen.
Die eher trashig angehauchten DevilDriver standen ihren Vorgängern in Sachen Energie um nichts nach. Während sich dies bei Trevor durch sympathisch wirkenden, einzelnen Fankontakt äusserte, hielt Dez Fafara von DevilDriver zur Begrüssung seinen Mittelfinger in die Luft. Richtig, Death Metal ist ja schliesslich nicht fröhlich – und ab ging die Post in DevilDriver-Manier! Über eine Stunde droschen sie dem Publikum die Songs ihrer gesamthaft fünf Studioalben um die Ohren, forderten die ersten Reihen zu gepflegtem Headbangen auf (O-Ton) und stifteten zu Circle Pits an. Ein wahres Fest für die Fans und für den einen oder anderen mit Sicherheit eine sehr interessante Neuentdeckung.
Cannibal Corpse quasi als finaler, frontaler Kinnhaken, um bei der eingangs angeführten Gewaltmetaphorik zu bleiben, pusteten den nicht einmal ansatzweise erschöpften Fans noch einmal ordentlich die Mähnen weg. Drei Songs des aktuellen Albums Torture bildeten den Einstieg, gefolgt von einem Mix älterer Corpse-Songs, wie Pit of Zombies, Priests of Sodom oder The time to kill is now. Stiernacken Corpsegrinder stellte unter Beweis, was Headbangen wirklich heisst und seine vier Mannen standen ihm um nicht viel nach. Nach 25 Jahren wissen sowohl sie als auch ihre Fans, dass es keiner grossartigen Effektshow bedarf – anderthalb Stunden staubtrockener, pure, fuckin‘ Death Metal reichen bei ihnen völlig aus um die Erwartungen vollends zu erfüllen.
Dank der überchristlichen Anfangszeit des Events war auch kurz nach 23 Uhr Schluss mit lustig, die verschwitzten Haare zusammengebunden, das Bier ausgetrunken und kaputt aber glücklich wurde die Metalschar in den Abend, oder das verfrühte Wochenende entlassen.

Fotos: Sacha Saxer