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Die deutsche Horror-Punkformation The Other meldet sich mit der mittlerweile sechsten Scheibe zurück. Die Band wird als Aushängeschild der Szene hochgehalten; kann ihr neues Album dem gerecht werden?

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Gleich nach dem Intro schmettert Nie mehr aus den Boxen. Zum ersten Mal wagen sich die Kölner daran, den Opener auf Deutsch zu präsentieren. Ganze vier Alben haben sie gebraucht, diesen Mut zusammen zu nehmen. Und gerade nach der «Unheilig-Häme», die sie für den Song Ewigkeit ihrer letzten Platten hinnehmen mussten, war dies ein mutiger Schritt.  Wer auch immer diesen deutschen Titel für einen Schlagersong halten will, versteht offensichtlich kein bisschen was von Musik. The Other liefern hier einen veritablen Punktrack, den sowohl Fans der Toten Hosen wie auch der Bösen Onkelz feiern werden. Die Wut der 80er Jahre dringt aus den Zeilen, manifestiert sich in den Riffs der Gitarren und das wütenden Beats des Schlagzeugs. Grosses Kino gleich zu Beginn.

Danach beginnt der Abstieg in die dunkleren Gefilde. Bloodsucker ist einer der ausdrucksstärksten Songs des ganzen Albums. Inspiriert von der 12-jährigen Claudia aus Interview with a Vampire spielt der Track mit dem Umstand, dass Unsterblichkeit nicht immer erstrebenswert ist. Wer will schon immer zwölf Jahre alt bleiben?

Oh, never going to die
Oh, never living a life
Oh, never tasting the joys of lust

Rosemary’s Baby meldet sich zurück bei Dreaming Of The Devil. Eine wunderbare Up-Tempo-Nummer, die sich auch auf der Tanzfläche gut machen wird. Aber gegen den absolut genialen Song Doll Island – Isla de las Muñecas kommt keines der anderen Lieder an. Von der Instrumentierung über die Lyrics liefern The Other hier eine ihrer besten Arbeiten ab und fangen die schaurige Stimmung, die auf dieser (real existierenden) Insel in den Kanälen vor Mexico City herrscht, in knapp fünf atmosphärisch dichten Minuten ein.

Wenn sich eine Horror Punkband mit den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs auseinander setzt, sich die aktuelle Lage anschaut und eins und eins zusammenzählt, dann kommt ein Song wie German Angst heraus. Wenn man sich Gruppierungen wie die Pegida ansieht, erkennt man, wie fürchterlich aktuell die Thematik nach wie vor ist.

Da nach dem letzten Album – The Devils You Know – die Hälfte der Bandmitglieder in neue Gefilde fortgezogen sind, war klar, dass Fear Itself anders klingen würde. Gerade durch die zweite Gitarre, die Rod Usher ins Boot geholt hatte, kommt der Sound nun voluminöser und mit noch mehr Druck daher. Das merkt man insbesondere bei Songs wie Funeral March, mit seinem starken Basstrack, der von den beiden Gitarren wunderbar aufgefächert wird. Dank Pat Laveau und Ben Crowe an den Sechssaitern und Aaron Torn am Bass sowie den wuchtigen Schlägen von Doc Caligari startet der Rausschmeisser Mephisto mit einer unglaublichen Wucht, die vorher nicht möglich gewesen wäre. Der Refrain, in seiner Einfachheit kaum zu übertreffen, Rods düsteres, langgezogenes «Mephisto» mit der kalten, fast metallischen wirkenden Zeile «Call my name» zu einem spannungsgeladenen Ganzen, dass sich live sehr gut umsetzen lässt.

Ich könnte hier auch noch alle anderen Songs des Albums zerpflücken, aber einer der Reize einer The Other-Scheibe besteht darin, die Inspirationen der einzelnen Songs – seien es Film, Bücher, Orte oder Ängste – selber zu entdecken.

Fear Itself ist ein gelungenes Album, dass sich auf keinen Fall hinter seinem Vorgänger The Devils You Know verstecken muss. Hoffentlich bleiben die fünf Jungs noch ein Weilchen zusammen, denn die Zusammenarbeit lässt auf zukünftige Platten lechzen.

Release
19. Juni 2015

Label
Steamhammer

Tracklist
01 Fear Itself
02 Nie mehr
03 Bloodsucker
04 Black Sails Against A Midnight Sky
05 Dreaming Of The Devil
06 Doll Island – Isla de las Muñecas
07 German Angst
08 Screams In The Black House
09 In The Dark
10 The Price You Pay
11 Funeral March
12 12 Animal Instinct
13 Rise
14 Mephisto