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The Monsters und Papaya Fuzz – Überdosis an Psychobilly und Surf Rock

Freitagabend. The Monsters, Papaya Fuzz, Bier und Tanzschuhe, da geht man hin, keine Frage. Am 23. Februar erlebte Reporter Samuel Riedo sein erstes Konzert von The Monsters.

Mit Bildern von Patrick Principe.

The Monsters. Unruhestifter seit 1986. «Die muss man live gesehen haben», sagen mir zumindest alle. Ihr roher und authentischer Sound hat es mir schon lange angetan. Letzten Freitag schimmerte schliesslich ein Lichtschweif am Horizont – in herrlicher Kombination mit Freitagabend, Papaya Fuzz und dem lauschigen Konzertlokal L’Amalgame in Yverdon durfte ich mir das Konzert von The Monsters keinesfalls entgehen lassen.

Die Surf-Rocker der Saanestadt

Papaya Fuzz, die üblichen Punkverdächtigen aus Fribourg. Der Name ist Programm. Die Surf-Rocker der Saanestadt setzen von erster Sekunde an auf ein polterndes Schlagzeugspiel und groovige Bassläufe, während eine fuzzige Gitarre bluesig-surfige Licks hinunterträllert.

Bild: Patrick Principe

Da wird es schwierig, dem ausufernden Tanzdrang zu widerstehen. Der erste Hexenkessel entsteht und zieht immer mehr Zuschauer in seinen Sog. Ob man wie Mia Wallace und Vincent Vega abgeht oder sich gleich beim Vollkontakt-Training des hiesigen Rugby-Clubs anmelden will, die Musik macht eben mit einem, was man will. Oder zumindest, was man zulässt.

Bild: Patrick Principe

Die Songs sind kurz aber heftig, Verschnaufpause gibt es keine. Während 45 Minuten wird man regelrecht vom dreckig verzerrten Sound überrollt. Der eine Fuss hat den Tanzschuh an, der andere steckt im Morast vom Bier und schweissgetränkten Boden fest. Papaya Fuzz zeigt sich so smooth und sexy, wie eine Punk-Dampfwalze eben sein kann.

Bild: Patrick Principe

Let’s get loud

Zugegeben, es ist mein erstes Konzert von The Monsters und der Blick auf die Bühne lässt meine Vorfreude auf das Konzert wachsen: Zwei rote Banner mit einem grossen «M» zieren die Bühne und Gitarren- und Bassverstärker türmen sich in die Höhe. Mit dem Clone-Drum in der Mitte ist das Schlachtschiff der Monsters bereit. Richard Sandersons Reality dröhnt über die Lautsprecher, derweil checken die vier Herren aus Bern in roten Anzügen ihre Instrumente durch, ehe sie denn zuckersüssen Schluss des Songs in aller Ruhe geniessen. Zu guter Letzt schüttelt man sich noch die Hand, auf eine gute Show.

Bild: Patrick Principe

Mit Ach und Krach brettern die beiden Schlagzeuger auf das Clone-Drum, die Gitarre beisst sich durch die Gehörgänge und der Bass wummert in der Magengrube. Da geht die Post ab. Leiser wird’s nicht, Leute. Ist es zu laut, bist du zu alt.

Blow Um Mau Mau

Auch wenn The Monsters keine Französisch-Professoren sind, weiss man sich zu verständigen. «This is the stupidest Rock’n’Roll song ever written.» Oder ist es doch der beste? BLOW UM MAU MAU. Vier Wörter und zwei Riffs reichen aus, während drei Minuten im L’Amalgame die Hölle heiss zu machen.

Bild: Patrick Principe

Wenn ein überspringender Funke reichen würde, das Publikum in fanatische Euphorie zu versetzten, dann werfen The Monsters gleich einen Molotow-Cocktail in die Menge. Vorne das absolute Chaos und hinten ausgelassene Tanzlaune. Ob Rockabilly-Trash oder Wild Primitive Chainsaw Massacre Teenage Garage Clonedrum Fuzz Rock’n’Roll, die Musik ist dazu ausgelegt jegliche Hemmungen zu verlieren.

Ich lärme, also bin ich

Während des ganzen Konzertes wird eine rabiate Intensität aufrechterhalten. Die beiden Schlagzeuger peitschen sich in rasantem Tempo durch das Set und sorgen mit einem polternden Bass dafür, dass der Krach auch ordentlich Groove hat. Da darf die Gitarre auch mal auf maximaler Lautstärke malträtiert werden: Auf ordentlicher Verzerrung wird die Klampfe gegen den Verstärker gepresst, gerieben oder ausgeschüttelt und liefert jeglichen Lärm, den sie zu bieten hat. Sänger und Gitarrist Beat Zeller (Reverend Beat-Man höchstpersönlich) schmettert sich mit seiner kratzige Stimme seine Seele aus dem Leib. Alles in allem teuflischer Sound, welcher jeden Zweifler zum Psychobilly-Trash-Rock bekehren kann. Rasch wird es heiss und das L’Amalgame wird zur rumpelnden Sauna.

Bild: Patrick Principe

Rauer, wilder und lauter

Nach ausufernden 80 Minuten will man sich verabschieden, doch unter Tosen und Fauchen wird das erste Zugabe-Set gespielt. Man will mehr, die Musik kratzig und suchterzeugend wie die erste Zigarrete. Ein letztes Mal werden Hüften und Tanzbeine auf dem schweiss- und bierbeflecktem Saalboden geschwungen. Doch auch nach der ersten Zugabe hat man noch nicht genug, unter feierlichem Beifall betreten die Berner zur zweiten Zugabe erneut die Bühne. Ein allerletztes Mal lässt man Schultern aneinander krachen und die Haare zum fieberhaften Rhyhtmus der Musik wehen. War es Pony Tail And A Black Cadilac oder High Heels And Mini Skirt? Ich weiss es nicht mehr, aber es war der Wahnsinn.

Es war mein erstes Konzert mit The Monsters und bestimmt nicht das letzte. Live sind die Burschen rauer, wilder und lauter. Was will man mehr?

Für weitere Fotos von Patrick Principe: The Monsters Live @ L’Amalgame