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Vor etwa sechs Monaten stürmten ein paar wahnsinnige Metaltypen das Fri-Son. Im Gepäck ein 42-köpfiges Orchester. Während zwei Aufführungen paarten sich verzerrte Gitarren mit Posaunen, Doublebass mit Kesselpauken und groovige Bassläufe mit Sax. Das Tolle daran: Dieses Chaos wurde auf eine Platte gepresst.

«Machen wir ein Konzeptalbum mit Orchester, zwei Konzerte im Fri-Son und nehmen eine Platte auf!»

«Yeah! Covern wir auch die Cantina-Band?»

Eine wohl normale Konversation an einem Freitagabend bei der Wünnewiler Prog-Thrash-Band The Burden Remains. Es ist von wenigen kleinen oder lokalen Rock- oder Metalbands bekannt, solche Projekte anzugehen. Spontan fällt einem da bloss Metallica, Deep Purple, Dream Theater oder Kiss ein. Ein solches Mammutprojekt verlangt ein hohes Mass an Arbeit, Hingabe und Zeit. Mit Manfred Jungo hatte man den richtigen Mann am Dirigerstab gefunden. Daraufhin wurde eine Orchestertruppe mit Instrumentalisten aus lokalen Musikgesellschaften zusammengesetzt. Das Abenteuer konnte beginnen.

Mehr als zwei Jahre Arbeit

Während zwei Jahren wurde an diesem Werk von gigantischem Ausmasse gefeilt; Partituren geschrieben, Drumsticks zerschlagen, die Stimme heiser gesungen als gäbe es kein Morgen, bis am 17. und 18 September 2016 die Bühne des Fri-Sons mit einem 42-köpfigen Orchester erobert wurde.

Das Ergebnis liess sich sehen. Zwei Konzerte in vollem Haus. Kurzerhand musste eine zweite Bühne hineingezimmert werden, um noch Platz für die Thrasher zu machen. Denn die Stage hatten schon das Orchester mit dem Namen Horns of the Seventh Seal für sich beansprucht. Visuals, Lichtshow, Prog-Thrash begleitet von einem Orchester, die Cantina Band wurde glücklicherweise nicht kopiert – was will man mehr?

The Burden Remains mit dem Orchester im Fri-Son. Bild: zvg

Touchstone

In der Woche vorher wurde das Konzertlokal kurzerhand als Tonstudio für das Orchester missbraucht. In den Wochen nach den Gigs besuchten die Bandmitglieder von The Burden Remains dann das Tonstudio La Fonderie. Mittlerweile ist wieder ein halbes Jahr vergangen. Die Scheibe gemixt, gemastert, angebetet. Obwohl bei den beiden Konzerten im Fri-Son auch schon bestehende Songs der Band mit Orchester eingespielt wurden, so findet sich auf dem Album Touchstone ausschliesslich neues Soundmaterial.

Die Klarinetten kreischen, die Hörner erbeben und die Pauken donnern. Melancholische Post-Rock Flächen werden von progressiven Metalwellen überschwemmt und der Hörer von Doublebassläufen und Riffgewittern erschlagen.

Eine lyrische Parabel rund um den sagenhaften König Midas wird ausgebreitet, dessen Schicksal als Sinnbild für den Prüfstein der modernen Gesellschaft – die frag- und grenzenlose Konsumlust, die unersättliche Gier einer enthemmt materialistischen Welt, deren Sinnfragen ungestillt weiterschwelen – dargestellt wird.

Wer die beiden Konzerte verpasst hat, darf sich auf die Platte freuen. Wer dabei war, umso mehr. Denn man weiss, was einen erwartet. Touchstone erscheint am 16. Juni.