Mit dem vierten Studioalbum legt die Schweizer Wave-Band The Beauty of Gemina den Grundstein für einen Sound, der durchaus auch ausserhalb der Szenekreise Anklang findet. Dennoch bleibt sich Mastermind Michael Sele treu.

Das Album Iscariot Blues unterscheidet sich allerdings nicht nur im Klang von seinen Vorgängern. Die Scheibe ist verdichtet auf zehn intensive Songs. Verglichen mit dem 17 Songs starken Epos A Stranger to Tears gleicht Iscariot Blues einem Spaziergang in der warmen Frühlingssonne. Doch eine ganz so leichte Kost ist das neuste Werk aus den Händen von Michael Sele, Bassist David Vetsch und Drummer Mac Vinzens dann doch nicht.
Mit Voices of Winter schlagen die Beauties mit kühlen Tönen à la The Cure einen astreinen Darkwave. Das typische Gitarrenspiel beherrscht Sele wie kein zweiter, während seine Stimme in fast gleichmütiger Verträumtheit über das Arrangement hallt.
Die auffälligste Veränderung im „Gemina-Sound“ ist der Raum, der der akustischen Gitarre gewährt wurde. In Badlands galoppiert sie regelrecht in einer auf und ab hüpfenden Melodie. Mit einem Country-mässigen Schlingern heisst Sele den Hörer in der Ödnis willkommen: Welcome to the badlands.
Bisher gab es auf jeder Platte der Band eine mehr oder weniger typische Ballade. Doch Stairs, zu dem auch ein ästethisch bis ins letzte Detail stilisierter Clip von Can Isik produziert wurde, ist ein von Verzweiflung triefender Song. Der instrumentale Part ist derart schlicht und dezent gehalten, dass sich das Gehör kaum den Zeilen entziehen. Bloss im Refrain sticht die feine Gitarrenmelodie ins Licht, getragen von einer melancholischen Violine.
Der altbekannte „Gemina-Sound“, verkörpert durch die hypnotischen, sich wiederholenden Elemente, lässt sich in den Songs Prophecy und June 2nd finden. Gerade Prophecy treibt auf einer dichten und düsteren Flut aus amelodiöser Gitarre, Synthieklängen und pulsierenden Bässen. Ausdrucksvolle Bilder werden von Michael Sele beschworen, die keine heile Welt zeigen: On my way to Jerusalem by night / and I fear the writings on the wall.
Gleichzeitig politisch und kritisch zeigt sich June 2nd, ein Song zum Gedenken an Benno Ohnesorg. Ohnesorg war ein Student, der 1968 bei einer friedlichen Demonstration in Berlin erschossen wurde. Die kräftige Synthie-Melodie verleiht June 2nd eine sterile, technoide Atmosphäre, die im Kontrast zu Seles emotionsgeschwängerter Stimme steht. Das in höhere Tonlagen stossende one day I see bringt die verzweifelte und ungläubige Stimmung des Songs auf einen Gäsehaut hervorrufenden Höhepunkt.
Kennern von The Beauty of Gemina wird das Instrumental am Ende der Scheibe fehlen. Stattdessen steht das Last Night Home, welches allerdings nur spärlich mit Text gesegnet ist. Michael Sele sagte dazu: „Nach der Zeile and we will all die gab es einfach nichts mehr zu erzählen. Es wäre aufgesetzt gewesen, danach noch ein Instrumental zu platzieren.“

Zum Interview mit Michael Sele

Tracklist

1. Voices of Winter
2. Haddon Hall
3. Badlands
4. Golden Age
5. Stairs
6. Prophecy
7. Dark Revolution
8. June 2nd
9. Seven-Day Wonder
10. Last Night Home

Label: Universal Music Switzerland

thebeautyofgemina.com