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Am 21. und 22. Juni lockte die Thuner Altstadt mit einer besonderen Attraktion: einem Mittelaltermarkt. Was man da zu sehen bekommen hat, war bunt und faszinierend.

Mittelalterfest-12.1

Eine urchige Erscheinung. (Foto: Tatjana Pürro)

Irgendwie fühlt sich das Ganze ausserordentlich sonderbar an. Eine Strasse weiter schauen sich massenhaft Leute die WM auf Grossbildschirm an, trinken Bier und verhalten sich so normal wie nur irgend möglich. Betritt man aber den Tunnel, der zur Thuner Hauptgasse führt, sieht alles schlagartig anders aus. Als würde man in eine vollkommen andere Welt eintauchen. Oder eigentlich viel mehr in ein anders Jahrhundert: das Mittelalter.

Auf dem Rathausplatz, der einem sonst so gross vorkommt, scheint es gar nicht genug Platz zu geben für all die Wunder aus einer vergangenen Zeit. Der Mittelalterverein Bern rührt in grossen Kesseln mitten auf dem Platz eine Suppe an. Auf der Bühne direkt vor dem Rathaus wird musiziert und gekämpft. Buden rund um den Platz verkaufen handgemachte Güter und auf dem ganzen Platz summt es vor Besuchern in Kleidern von heute und anno dazumal. Es ist erstaunlich, wen man so alles sichten kann an einem Mittelalterfest. Hier sieht man, dass dieses lang vergangene Zeitalter seit der Romantik nichts von seiner Faszination verloren hat.

Das Mittelalterfest in Thun ist kompakt, die Runde vom Marktplatz hinauf zum Schloss, wo man einen Einblick in den mittelalterlichen Alltag und die Arbeit bekommt, ist schnell gemacht. Die Stände um den Platz und in der Hauptgasse, laden zum Bummeln und Träumen ein. Die Bühne vor dem Rathaus, die auch in der heissen Nachmittagssonne im Schatten liegt, läd den ganzen Tag zum Verweilen und Zuhören ein. Dort zeigten abends beispielsweise die grossartige Mittelalterfolk-Kombo Triskilian und Forzarello aus Deutschland ihr feuriges Können.
Durch die Hauptgasse geisterten tagsüber die bunten Gaukler von Entr’Act Spectacle, die einem mit ihrem exotischen Äusseren durchaus Angst einjagen können, die aber im gleichen Ausmass faszinieren, Stimmung machen und an deren bunten Kostümen man sich nicht satt sehen kann.

Ich habe am Mittelalterfest Thun Blut geleckt und freue mich auf mehr. Mehr von den grossartigen Musikern und der ganz besonderen Atmosphäre. Solche Feste fühlen sich gut an. Sie erlauben es, einen Moment aus dem Alltag zu fliehen. Und sie schenken einem Zauber und Staunen. Etwas, das uns heute nur allzu oft fehlt.