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Jung, wild, sexy: Das ist nicht die peinlichste Sendung, die je ausgestrahlt wurde, sondern eine der besten Bands, die die letzten Jahre hervorbrachte. Ein Tag mit Ricky Harsh.

Wundervoll unkompliziert, herzerwärmend freundlich sind Elu, Jay und Chrigi. Die drei Aargauer, die beim BandXAargau 2011 als Sieger hervorgingen und gerade ihr erstes Album II herausbrachten, freuen sich, dass man sich für sie interessiert. «Du bist jetzt einen Tag lang das vierte Mitglied von Ricky Harsh», erklärt Chrigi und meint es so.

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Auf nach Olten

Das heisst: strenges Programm. Erst einmal Bandprobe. Es stimmt was nicht mit dem Sound; zu dumpf, beklagt sich Jay. Alles muss perfekt sein, denn heute Abend treten die drei am «8×15» in der Schützi Olten auf. «Das ist schon eine grosse Sache für uns; die Reichweite ist enorm», sagt Jay sachlich, zusammengepfercht auf der Rückbank des Vans. Chrigi fährt, als wäre er Indiana Jones, sieht im Rückspiegel so ernst aus wie der Lehrer, der er im wahren Leben ist. Es wird gehupt, gelacht, Rolling Stones gehört.

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Sie werden langsam nervös, aber nein, sie sind es noch nicht. Mit der Betonung auf noch. Als Hot Like Sushi auf der Bühne stehen, tippt mich der Frontmann an. «Du hast mich vorher gefragt, ab wann ich so richtig nervös bin. Das wäre jetzt.» Er, der noch Minuten davor mit der Moderatorin über seinen zu grossen Penis gescherzt hat, ist jetzt nervös.

Fast zu gut, um wahr zu sein

Man kann von der Musik nicht sprechen, ohne zu grosse Namen in den Mund zu nehmen. Und man kann das Zusammensein mit Ricky Harsh nicht beschreiben, ohne sich ein bisschen lächerlich zu machen; man fühlt sich wie Hunter S. Thompson, wenn er im Tourbus mit Bands kokste, wie ein Groupie, das den Enkelkindern noch von diesem Walk of Shame nach Hause erzählen wird. Und man will sich immer wieder sagen: Schluss jetzt, das ist kindisch. Die machen das extra; die machen auf Axl Rose. Auf Keith Richards. Auf Dylan und Jagger.

Chrigi, Jay und Elu (Foto: )

Chrigi, Jay und Elu

Aber Ricky Harsh hat etwas. Eine Geschichte, einen Style. Eine Vision – so unverblümt und grössenwahnsinnig wie ehrlich und unscheinbar. Und einen Ehrgeiz, selbst jemand zu sein, ohne dabei die Bescheidenheit zu verlieren. Nach dem Konzert stehen sie raus und rauchen im Regen, fragen, ob es einem gefallen habe. «Logo!» muss die Antwort sein, und sie glauben einem nicht ganz, obwohl sie wissen, dass sie das draufhaben: 15 Minuten Vollgas geben, wie es sich für eine Rock’n’Roll-Band gehört.

Wohlüberlegt und direkt

Sie wollen die Musikwelt auf den Kopf stellen, studieren nebenbei. Schreiben Songs, die man stundenlang googeln will, weil man nicht glauben kann, dass sie aus der Feder von drei Schweizern in ihren Zwanzigern stammen. Freuen sich über jeden Auftritt und würden doch lieber noch etwas weiter, bis zum Mond vielleicht.

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Es ist fast schon eine Schicksalsgemeinschaft: Elu, Jay und Chrigi kennen sich schon ewig, spielten schon früh zusammen. Trennten sich, machten anderes, kamen wieder zusammen. Haben viel zu erzählen: «Hier hatten wir unser schlimmstes Konzert», erzählt Chrigi, als wir aufs Provisorium8 in Olten zugehen. Sie machen Party, so heftig, dass Jay noch tagelang Glitter im Bart klebt.

Menschlichkeit und Jugendlichkeit

Mit den anderen Bands diskutieren sie über Veröffentlichungskanäle, reden über andere Projekte. Sind ein bisschen stolz, ein bisschen eingeschüchtert, einige von denen sind so aufgestylt. «Logo geht es um ein Gesamtbild; aber bei uns steht die Musik im Zentrum», stellen Jay und Chrigi klar. Während Elu den Keks nicht mal für die Kamera aus der Hand gibt. Wen schert’s?

Ewig wollen die drei nicht mehr auf den Erfolg warten; das haben sie auch nicht verdient. Schliesslich ist noch anderes los in ihrem Leben – Freundinnen, mit denen man irgendwann zusammenziehen will. Der echte Job. Aber vorher am liebsten noch ganz hoch hinaus: Paris, Mailand, New York – wenn man sie fragt, wo sie noch hin wollen. Bis dahin spielen sie Tischfussball und machen Grimassen beim Schminken.

Nach dem Konzert sind sie ausgepowert, das Publikum auch. Sie haben minutiös geplant, haben sich genau überlegt, wie sie das Beste daraus machen. Und wie geht’s jetzt weiter? «Jetzt gibt’s erst mal ein Bier.»

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«Jetzt gibt’s erst mal ein Bier.»