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Wenn System Of A Down nach sechs Jahren wieder ins Hallenstadion rufen, folgen die Massen. Durch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen kann sich dann schnell eine Schlange bilden.

Vor rund drei Wochen fuhr ich mit ein paar Freunden nach Pisa. Ganz nach dem Motto «Driver picks music, shotgun shuts his cakehole» wurde auf der Fahrt System Of A Down gespielt. Eine Beifahrerin machte dann das «cakehole» trotzdem auf und meinte, sie hätte sich die Band viel härter vorgestellt.

Wer sich also auf nicht so harte Musik eingestellt hatte, bekam im Hallenstadion erst mal hart in die Fresse. Die in rotes Licht getauchte Vorgruppe Code Orange bliesen mit ihrem Hardcore-Punk allen Zuschauern die Ohren weg. Einzelne Besucher feierten den Auftritt mit Pogo, die meisten blieben dann aber doch einfach still stehen, füllten ihren Flüssigkeitshaushalt an der Bar auf oder wagten den Gang zur Toilette. Denn dieser wurde am Grossanlass zum kleinen Hindernisparkour.

Sicherheit geht vor

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in der Halle und Full-Body-Checks beim Einlass wurden angekündigt. Wenn man vom Stehplatzbereich zur Toilette wollte, musste man nach einer Ticketkontrolle durch den Ausgang die Treppe hoch um dann eine mit Gitter verengte Treppe wieder runter zu gehen. Dort war dann das WC. Danach wieder durch die Ticketkontrolle beim Eingang des Stehplatzsektors und man hat’s geschafft. Das Ganze dauerte rund einen Song. Woher ich das weiss? Ein Kollege verpasste durch seinen Toilettengang den Hit This Cocaine Makes Me Feel Like I’m On This Song. Songdauer 2:08 min.

An dieser Stelle muss man dennoch ein Lob an die Security richten. Besucher mit Rucksäcken wurden bereits vor der Halle darauf hingewiesen, dass sie diesen abgeben müssen. Es kam also nicht zu bösen Überraschungen beim Anstehen. Der Full-Body-Check dauerte, wenn man sich an die Weisungen hielt, knapp 30 Sekunden.

Lange Schlangen vor dem Eingang. Bild: Francesco Tancredi

Um viertel vor Neun bewegte sich die Masse dann Richtung Stehbereich, da der Einlass nur unten stattfand und nur von rund sechs Security-Männern die Tickets gescannt wurden dauerte dies entsprechend lange. Alle drängten sich in den Gang vor den verschlossenen Garderoben und schnell entwickelte sich ein tropisches Klima. Entsprechend befreiend war das Gefühl in die gut belüftete Halle zu kommen.

Dann war es soweit. Tourauftakt. System Of A Down betraten das erste Mal nach sechs Jahren eine Bühne in der Schweiz. Das Publikum feierte ab dem ersten Ton. Die Armenier hingegen brauchten den ersten Song Zeit um richtig warm zu werden. Verständlich, es ist auch das erste Konzert seit Oktober 2015.

Der energiegeladene Auftritt liess das Anstehen vergessen. Die Menschen tanzten, pogten oder schüttelten ihre Haare (mehr oder weniger) im Takt. Es wurde lauthals mitgesungen. Manchmal falsch und manchmal richtig. Ein paar brachten sogar die zweite Zeile von Chop Suey! über die Lippen.

Es gibt wenige Bands, die es schaffen mit fünf Alben innerhalb von sieben Jahren eine so grosse Bandbreite abzudecken, da verwundert es auch nicht, dass sie immernoch das Hallenstadion ausverkaufen können. Ihre Setliste bediente alles. Von den harten Klängen von Deer Dance bis hin zu Lonely Day.

Nach etwas weniger als zwei Stunden war der Spass leider schon vorbei. Zugabe? Fehlanzeige. Die Masse bewegte sich Richtung Bahnhof und die Zugfahrt von Oerlikon nach Winterthur wurde von System Of A Down aus Boxen zwei Abteile weiter hinten begleitet. Fast so, als wünschte man sich, der Abend wäre länger. Das Konzert noch nicht vorbei. Hoffentlich müssen wir nicht nochmals sechs Jahre warten.