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Wer bei dem Line-Up nicht schon eine Gänsehaut bekam, der bekam sie spätestens in den kalten Nächten. Wahlweise könnte man diese Metapher auch mit der Hitze auslegen, denn tagsüber konnte man für seine Lieblingsbands im wahrsten Sinne des Wortes “dahin schmelzen”. Nach der Schlammschlacht in Wacken war die Wetterlage in Dinkelsbühl am Summer Breeze jedoch eine willkommene Abwechslung.

Schon am Mittwochabend waren die meisten Zeltplätze (von A-O) gut belegt. Wer also erst am Donnerstag anreiste, musste sich irgendwo zwischen den parkenden Autos noch eine freie Stelle suchen oder auf die hinteren Zeltplätze ausweichen, um noch genügend Platz zu finden. Für die Zeit vom Summer Breeze wurden extra Shuttlebusse von Dinkelsbühl zum Festivalgelände und wieder zurück organisiert. Die Shuttlebusse waren zu jeder Zeit gut gefüllt, denn die Festivalbesucher nutzten gerne die Gelegenheit in Dinkelsbühl einzukaufen oder das örtlichen Hallen- und/oder Freibad zu besuchen.

Die Abkühlung hielt leider nur wenige Stunden, denn draussen herrschten konstante 35 Grad und Schatten war auf dem Festivalgelände ­– abgesehen vom Partyzelt – eher schwer zu finden. Zum Glück beschlossen einige der Standverkäufer im Infield grosszügig mit Wasserschläuchen die vorbeiziehende Menge abzukühlen. Auch fand man überall auf dem Gelände Wasserstellen und für 2.50 Euro konnte man sogar auf dem Zeltplatz duschen. Auch die zahlreichen Toiletten wurden regelmässig abgesaugt, was bei der Hitze dringend nötig war.

Zwischen den Konzerten verbrachten die meisten Festivalbesucher ihre Zeit damit, einer der oben genannten Aktivitäten nachzukommen oder sich mit bekannten Trinkspielen die Zeit zu vertreiben. Die Hitze hielt die Besucher nicht davon ab, zu viel Bier oder anderen Alkohol zu trinken, sondern diente sogar noch als Ausrede dafür. Dass mit dem gut gemeinten Rat “mindestens 3 Liter am Tag” nicht unbedingt hochprozentiges gemeint ist, hatte ihnen schliesslich keiner gesagt.

Die Stimmung war sowohl auf den Zeltplätzen als auch im Infield stets ausgelassen und fröhlich. Die Sanitäter hatten zwar immer wieder mit Fans zu kämpfen, deren Kreislauf kollabierte, jedoch sonst gab keine grossen Zwischenfälle. Wie auch beim Wacken Open Air sorgten die örtlich eingesetzten Polizisten dafür, dass solche Festivals trotz ihrer Grösse erstaunlich ruhig verlaufen und sie mussten auch fast nie zu einem Einsatz gerufen werden.

Nach diesen lobenden Worten ist jetzt aber auch ein schwerer Kritikpunkt fällig. Und dieser geht an die Tontechniker! Bei über der Hälfte der Bands, die auf der Pain-Stage (zweite Hauptbühne) spielten, stimmten die Soundeinstellungen überhaupt nicht. Entweder war der Sänger zu leise, die Gitarren zu schrill, höhere Töne überschlugen sich oder der Bass übertönte den Schlagzeuger… Die Liste der Vorfälle und schlechten Einstellungen nähme kein Ende, wenn alle Mängel hier aufgezählt würden. Das darf bei einem solchen Anlass einfach nicht passieren! Zwar war die grosse Fanmasse genügend abgefüllt um trotzdem mitzuklatschen und Stimmung zu machen, aber man sah immer wieder ein Kopfschütteln in der Menge und einen bösen Blick, der nach hinten geworfen wurde und das vollkommen zu Recht.

Vielleicht war die schlechte Soundeinstellung auch der Grund für die eher magere Show von Six Feet Under, bei der man das Gefühl hatte, dass der Sänger ein Schweinchen imitieren möchte, denn mehr als ein tiefes Grunzen konnte man leider nicht verstehen. Dieses wurde in gewissen Songs dann durch ein grelles Quicken ersetzt, welches wohl den Refrain darstellen sollte und durch die miese Soundeinstellung klang das selbst für Metaller, die nicht sonderlich auf Textverständlichkeit bedacht sind, grausam. Im schlechten Sinne getopt wurde der Auftritt von Six Feet Under nur noch von Oomph!, deren Hasstirade gegen Justin Bieber einfach nur lächerlich war und man das Gefühl hatte, der Sänger benötigte so sehr die Aufmerksamkeit des Publikums, dass eben jene Hasstirade nur eine weitere Aufmerksamkeitshascherei gewesen ist. Auch das Make-up der Band war gewöhnungsbedürftig und man fragte sich was die Maskenbildnerin sich dabei wohl gedacht haben mag. Zudem forderte Oomph! seine Fans bei jedem Refrain zum Mitklatschen, Mitsingen und Applaus auf, was mit der Zeit einfach nur noch mühsam wurde.

Zum Glück kann man über die restlichen Bands nur Gutes berichten und diese haben trotz schlechten Soundeinstellungen (teilweise) richtig Stimmung gemacht und diese zwei eher enttäuschenden Konzerte um das Hundertfache wieder ausgeglichen. Es wurden Spässe mit dem Publikum gemacht, dieses zum Mitklatschen bewegt, diverse Mosh-Pits arrangiert, einige Wall-of-Deaths angekündigt und insgesamt eine Riesenshow geboten. Ob nun wie bei Amon Amarth mit viel Feuerwerk und einer riesigen Bühnenshow, wie bei Within Temptation mit einem unglaublich sympathischen Versuch Deutsch zu sprechen oder wie bei ASP, die einfach das Publikum mit einem energiegeladenen Konzert in höchste Höhen trieben. Viele der Bands bedankten sich immer wieder für die Chance vor so einem Publikum spielen zu dürfen. Und die drei Tage trugen einige Höhepunkte mit sich. Schade nur, dass Katatonia mit ihrer eher ruhigeren Musik und Performance den Abschluss machten. Viele Festivalbesucher hätten sich ein energiegeladeneres Finale gewünscht. Gut, dass danach jedoch im Partyzelt noch einiges los war, so kam jeder auf seine Kosten. Das Feuerwerk am Ende war ebenfalls bemerkenswert und es hatte für jeden Geschmack etwas dabei. So gingen am Ende der drei Tage alle mit einem seeligen Lächeln wieder nach Hause und die meisten freuen sich schon aufs Summer Breeze 2013, für welches der Vorverkauf Mitte/Ende September startet.

Ein kleiner Leckerbissen im Voraus: In Flames wurde schon bestätigt, dafür gibt’s gleich noch den sauren Apfel hinterher: Der Preis hat sich von 85 Euro auf 92 Euro erhöht. Das Festival findet vom 15. – 17. August 2013 wieder in Dinkelsbühl statt.