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Liegt die Schwarze Szene im Sterben? Vielleicht. Aber vergangenen Sonntag erblühten verschiedene Subkulturen in vollem Facettenreichtum auf. Willkommen im Kensington Market.

Artikel 2013-06-09 Kensington-Market Artikelbild

Wo sich Subkulturen tummeln (Foto: Sacha Saxer)

Die Gewitterwolken blieben am Horizont hängen, die Sonne schien an der Limmat. Gegenüber vom Platzspitz befindet sich das Zürcher Jugendhaus Dynamo im Umbau. Doch der Keller – das Werk21 – lebte.
Seit einigen Jahren organisieren Ira und Tom den Kensington Market bereits. Analog zum Londoner Vorbild an der High Street 49, einem dreistöckigen Haus, das leider vor 13 Jahren abgerissen wurde, soll der Zürcher Kensington Market ein Hort für die Subkultur sein. Angefangen hat der Markt mit drei Ständen.

In den dunkeln Kellergewölben drängen sich nun die Verkäufer von rund 30 Ständen. Es sind so viel wie noch nie. Die Organisatoren sind stolz auf das Erreichte. Die Szeneangehörigen stechen schwarzgewandet aus der flanierenden Menge wie bunte Hunde. Doch auch «gewöhnliche» Besucher interessieren sich für das Angebot. Zwischen selbstbemalten Patches, Secondhand-Kleidung, kleinen Fashion-Labels, Met, Schallplatten und CDs oder Schmuck kann man sich auch spontan für einen Haarschnitt entscheiden.
Die Kreativität und Reichhaltigkeit des Kensington Markets begeistert. Liegt die Schwarze Szene im Sterben? Hier sicher nicht. Hier vibriert der Lebenssaft, Hoffnung versprühend.

Beim Anblick der Warenauslagen kommt man zum Schluss, dass es sich hierbei um eine Gothic-Veranstaltung handelt. Doch der erste Blick trügt. Ira Monticelli erklärt, dass der Kensington Market für die unterschiedlichsten Szenen Platz bieten soll. Dabei sollen nicht nur klassische Verkaufsstände, sondern auch Dienstleistungen wie Haarschnitt, Piercing oder Tattoo die Kunden locken. Ausserdem soll es Bands ermöglicht werden, kleine Auftritte zu absoliveren, denn Live-Musik ist stets besser als aus der Konserve.

Der grosse Vorteil des Kensington Markets: Jeder kann mitmachen. Neben professionellen Anbietern, finden sich Personen, die lediglich mal den Schrank ausräumen möchten.
Ausserdem, was macht man am Sonntagnachmittag? Kater ausschlafen oder vor dem Fernseher hangen. Wegen der grossen Nachfrage findet der Markt nun alle zwei Monate statt. Eine Gelegenheit, Kollegen zu treffen und etwas zu trinken. Man konnte auch ein, zwei Familien mit kleinen Kindern beobachten. Der Kensington Market in Zürich ist auf dem besten Weg, in die Fussstapfen des Vorbilds zu treten.