Im Rahmen des Trash-Fest in Helsinki traf unsere „Ausland-Korrespondentin“ die helvetischen Industrial-Rocker Stoneman. Die Band befindet sich auf dem Weg nach oben. Grund genug, ihnen ein paar Fragen zu stellen.

Mikki – Vocals
Fly – Guitar
Rico – Drums
Iron Cris – Bass

 

Chantti Becks: Hallo zusammen. Wie gehts euch?

M: Na wir sind müde. Sind seit morgens um 4 unterwegs.

Ihr kamt erst heute an?

M: Genau und gehen Morgen um 6 Uhr morgens wieder.

Also noch etwas feiern und direkt nach Hause…

M: Genau, es wird wohl etwas streng für uns.

Also, sprechen wir über das neue Album Human Hater. Wie war die Reaktion bisher darauf, von Fans, Magazinen etc…?

M: Die Leute, die uns schon von den vorherigen Alben kennen, waren überrascht, dass es härter wurde. Aber es war eher eine positive Überraschung, also das Feedback war ziemlich gut.

Wie wichtig waren diese drei Jahre zwischen den beiden Alben?

R: Ja, die war enorm wichtig, sonst würde es ja nicht so klingen wie es jetzt klingt…

M: Habt ihr das Album denn schon gehört?

Natürlich.

R: Wir haben diese Zeit gebraucht zum die Songs so zu machen, wir haben viele geschrieben und wieder verworfen und ja… Wir haben diese Zeit gebraucht.

Und die, die ihr verworfen habt, sind endgültig weg oder werden später vielleicht wieder hervorgenommen?

R: Nä, die sind schon verworfen. Wir beginnen bald wieder damit neue Songs zu schreiben aber ja, wir haben neue Ideen und so.

Du hast erwähnt, dass die Musik härter wurde. Hat sich eure Musik denn noch in anderer Form weiterentwickelt?

Die Hintergrundsgeräusche vom Soundcheck sind hier einfach zu Laut, um Mikkis Antwort zu verstehen und sinnvolle Sätze aus den Wortfetzen zu schreiben.
Sinngemäss meinte er aber, dass sich die ganze Produktionsphase verändert hat und sie musikalisch mehr experimentiert haben.

Gibt es zum Albumtitel denn eine Geschichte oder eine wichtige Aussage damit?

M: Ja, öhm… Wir hassen einfach alle Menschen… Es ist ein gewaltorientiertes Album, es geht um Religionen, die die Menschen hassen und den ganzen Hass auf der Welt.

Wie ist das mit dem Song Sugar Mama? Mein erster Gedanke war so: Oh brauchte jemand Geld? Oder worum gehts es bei dem Song?

R: Ja also Geld bräuchten wir alle…

M: Du meinst so wie Sugar Daddy?

Ja.

M: Nein also grundsätzlich assozieren wir mit unseren Lyrics unserer Songs worauf wir Lust haben und wenn du jetzt denkst, dass das so ist dann….

Worüber schreibst du denn am liebsten?

M: Was uns halt gerade so beschäftigt.

Wie waren die drei Shows in der Schweiz?

R: Die haben uns gefallen. Wir haben halt zum ersten Mal richtig probiert in der Schweiz sowas zu machen und es war sehr positiv. Wir werden das sicher wiederholen.

Gab es einen Song vom neuen Album der am besten ankam?

M: Also erstaunlicherweise haben sie sich keinen einzelnen herausgepflückt, die Leute kannten jeden Song auswendig und machten auch gut mit.

Welchen Song spielt ihr am liebsten live?

F: Human Hater ist eigentlich schon ganz geil zu spielen…

M: Und I Hope You All Die Soon. Von den alten, da spielen wir sowieso nur noch höchstens unsere zwei, drei Lieblingssongs und dann ist das… sehr angenehm die herauszupicken und vom neuen spielen wir dann fast das ganze Album.

In welchem Land spielt ihr am liebsten?

M: Also bisher sagten wir immer England ist unser Lieblingsland. Und wir waren lange nicht mehr und jetzt hatten wir eine Show in London im November.

Was ist denn so speziell?

M: Die Leute sind einfach total abgedreht. Die Leute in England haben einfach einen Vollschuss. Es ist geil, als es ist wohl das einzige Land wo wir nachmittags um 2 mit dem Nightliner da hinkommen und einfach die Hälfte der Leute schon da ist und warten einfach auf die Bands. Und meistens sind es einfach so Scheisslocations, das ist einfach immer so im Pub-Style und so auch die grossen Bands spielen alle in diesen Läden… Und das macht es auch ein bisschen aus. Aber es gibt auch andere Länder, wir hatten zum Beispiel in Serbien auch total viel Spass in Belgrad… Aber ja, es ist überall schön, sicher auch in Deutschland und jetzt vor allem auch in der Schweiz. Die Schweiz ist wirklich cool. Wir hätten nicht gedacht, dass sich die Schweiz sich so öffnet gegenüber einer Schweizerband. Sonst hiess es immer als Schweizerband bist du hier nichts. Aber wir hatten echt einen Riesenspass und wir werden sicher dieses Jahr im Herbst wieder ein paar Shows in der Schweiz spielen.

Seid ihr denn im Ausland bekannter als in der Schweiz?

R: Waren wir sicher immer aber jetzt ist das so ein bisschen am kippen, oder?

M: Ja es hängt auch ganz mit dem neuen Album zusammen, dass wir einfach reifer wurden und auch ein Stück ernster genommen werden, da es uns jetzt auch schon eine Weile gibt. Wir sind jetzt nach sechs Jahren keine Eintagesfliegen mehr die nur als Support spielen können, unsere Headlinershows waren auch ganz gut besucht… das ist cool.

Dann habt ihr für Herbst sicher was geplant, wie siehts denn im Sommer aus, seid ihr auf Festivals anzutreffen?

M: Also ich weiss es nicht auswendig aber wir spielen sicher im Juni in Ostdeutschland in Thüringen irgendwo mit Letzte Instanz und anderen deutschen Grossen Bands…

R: Wir planen vor allem den Herbst.

M: Dieses Jahr ja. Nächstes Jahr wird ein Festivaljahr.

Könnt ihr eine Stonemanshow mit drei Worten beschreiben?

(alle überlegen angestrengt, Iron Cris beginnt mit den Fingern zu zählen)

Oder jeder kann ein Wort sagen.

(Blick zu Cris, der bei vier ist)

Können auch vier sein, oder fünf!

I: Sex, Drugs, Rock’n’Roll würd ich sagen.

M: Kann man so stehen lassen oder?

R: Joah.

F: Klingt gut.

War es manchmal schwierig mit all den äusseren Einflüssen sich selber zu bleiben?

R: Es ist extrem schwierig, weil wenn du als junge Band am anfang auf Tour gehst mit anderen Bands. Du findest diese Bands cool mit denen du unterwegs bist, oder du siehst deren Shows und findest es immer besser und dann kommst du nach Hause und schreibst Songs und bist irgendwie beeinflusst von eben dieser Band mit der du auf Tour warst. Du musst immer sehen dass du dich selber bleibst und das ist ziemlich schwierig. Aber sonst… Dass und jemand hätte verändern wollen haben wir nicht zugelassen aber wir haben uns halt einfach von Bands etwas ablenken lassen und ja… Aber jetzt haben wir den roten Faden eigentlich schon wieder gefunden und sind da, wo wir immer hinwollten: Laut, kaputt und verschissen.

(Gelächter)

Ja, das sind auch drei Worte!

Wie kam denn das ganze zustande, war schon als Kind der Wunsch da „Wenn ich mal gross bin werde ich Musiker“ oder wie ging das?

M: Wir können einfach nichts anderes.

Könnt ihr denn von der Musik leben?

M: Wir versuchen es so gut es geht. Mal besser, mal schlechter. Es wird immer besser. Wenn wir mal etwas arbeiten dann sicher auch immer etwas mit der Musik.

In dem Fall gibt es also keine Probleme von wegen „ach wir sind dann mal schnell auf Tour und können nicht arbeiten kommen“?

M: Eben nein. Ein normaler Job ist ganz schwierig.

I: Ja das geht gar nicht von der Organisation her, da musst du einfach von anfang sagen also gut, mach ich mal was das gerade ein bisschen Geld gibt aber ich auch jederzeit wieder gehen kann… Sonst hat’s keinen Sinn.

Wenn ihr jetzt euer Traumfestival zusammenstellen könntet, wie sähe das aus?

M: Also unser Traumfestival müssen wir uns nicht zusammenstellen, das gibt’s und das ist Wacken. Uns glücklicherweise haben wir mit denen Vorgestern einen Bookingdeal unterschrieben. Das wird wohl keinen Traum bleiben sondern wahr werden.

Dieses Jahr?

M: Dieses Jahr… kann ich nicht sagen, aber sicher nächstes Jahr. Also wir hoffen es mal, aber das wäre die logische Schlussfolgerung.

Also müsst ihr euch gar kein fiktives Traumfestival zusammenstellen. Oder wo ihr nicht selber als Besucher hinwürdet?

R: Als Besucher geh ich gar nicht.

M: Ganz schlimm, andern zusehen zu müssen wie sie spielen und selber muss man noch das Bier zahlen.

Wenn ihr etwas an der Schweiz ändern könntet, was wäre das?

M: Es wäre einfach gut wenn es mehr Sonne hätte…Das fände ich super. Und einen Strand.

R: Ja. Oder dass du vom Staat Gelder kriegst…

M: Musikförderung!

R: Nein nicht unbedingt Musik, einfach so… Nichts machen und Geld!

Klingt wirtschaftlich logisch…

R: Ja klar, liegt auf der Hand oder? Weisst du, die, die arbeiten wollen können ja oder?

M: Wenn sie Spass daran haben sollen doch. Das wären dann aber deutsche Verhältnisse….

(Gelächter)

Habt ihr irgendwelche Erwartungen an den heutigen Abend?

R: Nein, gar nicht. Wir haben an die Fans keine Erwartungen mehr, wir machen einfach was wir können und ob es Leute hat oder nicht ist uns eigentlich egal.

Vielen Dank für’s Interview.

Bilder: Chantti Becks

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