Ein Spiel mit eigenen und fremden Emotionen zwischen Feierlichkeit und Extravaganz. Getarnt im Schafsfell einer klassischen Zeitlosigkeit versteckt sich Richard Buser mit dem Hang zum Dandytum und der Liebe zu einer allgegenwärtigen Farbe.

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Es ist ein sonnig-warmer Samstag in Zürich. Die Menschen strömen aus den Häusern in die Strassen und geniessen das frühlingshafte, beinahe sommerliche Wetter. Die Gässchen der Altstadt sind bereits lauschig, nur die kahlen Bäume zeugen davon, dass der Winter noch nicht lange her ist.

Lässig lehnt Richard Buser an den plätschernden Brunnen bei der Kreuzung der Spiegel- und Leuengasse. Die geschichtsträchtige Umgebung passt, ist der 43-Jährige doch als Architekturhistoriker tätig. Sein Stil scheint jedoch so gar nicht von Architektur – oder allumfassender ausgedrückt – Design beeinflusst zu sein.
Buser selbst bezeichnet seine Garderobe als «klassisch mit einem Hang zum Dandytum» und trifft damit vollkommen ins Schwarze. Er gibt sich elegant und dennoch extravagant. Der lange Mantel fällt auf und schirmt ihn zugleich ab, denn er ist grob und abweisend, doch scheint darunter ein Geheimnis zu schlummern. Fein schimmernd blitzt die Krawatte hervor.
Buser legt den Mantel ab und sogleich wandelt sich seine Erscheinung. Sie wird einladender, lockerer. Es präsentiert sich ein stimmiges Gesamtbild. Dezent hält sich das fein karierte Hemd im Hintergrund, wo es eben hingehört. Die einfarbigen Kleidungsstücke, also Krawatte, Jackett und Hose, verleihen Buser die Eleganz eines Geschäftsmannes, doch die locker gepflegte Art, mit der diese Teile getragen werden, gibt dem inneren Dandy den Vorzug. Bestechend schön sind die natürlichen, hellbraunen Ledertöne von Gürtel und den massgefertigten Schuhen, welche nochmals bestärken, dass es sich nicht um 0815-Casual-Business handelt.

Die Kleidung ist Richard Buser wichtig. Das Dandytum drückt durch. Er hält nichts davon, wenn Form und Inhalt stark getrennt werden und man sagt, dass das Wichtige die inneren Werte seien. Der Inhalt, also die Haltung, die Philosophie eines Menschen und die Form, also die Art wie dieser Inhalt zum Ausdruck gebracht wird, sollten sich im Idealfall entsprechen. Der britische Schriftsteller Samuel Johnson sagte dereinst:

«Die Sprache ist das Kleid unserer Gedanken.»

Buser dreht den Spiess um und meint, dass eben das Kleid auch von unseren Gedanken spricht. Ein Thema, mit dem der wortgewandte Mann gerne spielt. Er merke selber, dass, wenn er etwas Elegantes anziehe, gleich eine feierliche Stimmung in ihm aufkomme. So freue er sich auch immer, wenn er Menschen antrifft, die mit diesen Möglichkeiten spielen und sich nicht dermassen auf eine Stillinie fixieren.

Der Mann hat sich ausführliche Gedanken gemacht. Sofort kann er mit Bestimmtheit sagen, dass der Mantel das wichtigste Kleidungsstück in diesem Outfit sei. Seit mehr als 20 Jahren ist dieser Mantel in seinem Besitz, doch ist er deutlich älter. Gefunden hat er ihn in einem Brockenhaus. 15 Franken. Er habe für kaum ein anderes Stück so viele Komplimente erhalten, erzählt Buser sichtlich amüsiert. Natürlich war dieser Mantel mit der Zeit ziemlich ramponiert, doch Richard Buser hing so sehr an ihm, dass er – als er in Italien lebte – für eine rechte Stange Geld eine Schneiderin mit der Restaurierung beauftragte.

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Die Inspiration findet Richard in der Musik. Mit Jahrgang 1970 ist klar, dass die frühen 80er-Jahre einen grossen Einfluss auf den Jugendlichen genommen haben. Mittlerweile sind es alle Leid, von der Stilikone David Bowie zu lesen. Doch New Romantic faszinierte Buser. Diese Strömung entstand eigentlich aus dem Punk, bloss wurde die Schmuddelästhetik fallen gelassen und durch die Eleganz, das Dandyhafte ersetzt. Trotzdem wird diese Eleganz so verstörend eingesetzt, dass die Erscheinung wieder auffällt und provoziert, allerdings mit ganz anderen Mitteln als beim Punk.

Modische Provokation war in den Achtzigern bei den Jugendlichen angesagt. Anecken stand für Richard damals nicht im Vordergrund. Es gehörte aber dazu, dass man sich intensiv mit Mode auseinander setzte. Mit dem Aufkommen von Video-Clips wurde auch in der Musikszene viel über das Visuelle transportiert. Dabei verweist Buser auf Bands wie Visage oder Ultravox.
So zimmerte sich der junge Herr einen eigenen Stil zusammen, konzentriert auf eine Farbe, die ihn bis heute begleitet: Violett. Mit rund 15 Jahren entdeckte er seine Liebe zu dieser Farbe. Es gab eine Phase, in der er komplett in diese Farbe gehüllt aus dem Haus ging. Noch heute ist er bestrebt, irgendetwas Violettes zu tragen.

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Richard Buser führt es uns deutlich vor Augen: Mode bedarf innerer Überzeugung um glaubhaft getragen werden zu können. Sei es der anarchistische, versoffene Punk am Stadelhofen oder die over the top aufgetakelte, unglaublich von sich überzeugte Millionärsgattin. Kleider machen Leute, doch Haltung macht den Stil.

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