Ein eigenes Kleid entwerfen war schon immer ein Traum von Claudia Morgante, die dann knapp vor einem Jahr die Chance nutzte und diesen, im Rahmen der Maturitätsarbeit, verwirklichte. Begleitend zur praktischen Arbeit, beschäftigte sie sich mit der Emanzipation der Frau in der Mode. Klassische Eleganz und rebellische Frechheit zeichnen das atemberaubende Ergebnis aus.

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kl. «Ich habe einen Drang, mich von den aussenstehenden Personen und deren Einfluss auf mich, zu befreien.», erklärt Claudia Morgante im Interview zu ihrem selbst entworfenen, massgeschneiderten Kleid. Eine Befreiung ist es tatsächlich, denn es soll die Emanzipation der Frau zum Ausdruck bringen.
Stark, unabhängig, frech und trotzdem elegant und weiblich; so präsentiert sich mir die Kombination aus schwarzem Vokuhila-Rock und leuchtend rotem, ärmellosem Oberteil. Getoppt wird das Outfit von einem einzigartigen, flügelähnlichen Polster auf den Schultern. Das Schulterpolster ist ein absoluter Klassiker, der in den 1930er-Jahren zur textilen Rebellion der Frau in der Geschichte der Emanzipation wurde. Die breiten Schultern waren ab sofort Symbol für die moderne Frau. Claudia Morgante nahm genau dieses Sinnbild des weiblichen Stolzes als Basis für ihr Highlight. Sie sprengte alle Grenzen und reizte das Thema Schulterpolster bis ins Maximum aus. Das Endresultat gleicht den Flügeln eines Engels, monumental und trotzdem harmonisch: schlicht einzigartig. Die Trägerin dieses Outfits strahlt den Stolz der Weiblichkeit aus, wie kein anderes. In Schwarz und Rot gehalten provoziert und verführt das Kleid mit Kontrasten. 

Erstaunlicherweise, ist dies die erst Arbeit von Claudia Morgante, obwohl das Resultat sofort auf den Laufsteg könnte. Die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper und Geist ist immer präsent in der Welt der ganz grossen Designer und doch schafft es dieses Kleid, in seiner gewagten Eleganz, den Betrachter einzuschüchtern und anzuziehen. Was könnte weiblicher sein?
Knapp ein Jahr setzte sich Claudia Morgante, die das Liceo Artistico in Zürich besucht, mit dieser Arbeit auseinander. Zwischen den ersten Skizzen bis zum Endresultat lag ein langer Weg, den es sich aber gelohnt habe zu gehen, erzählt sie stolz. Claudia Morgante setzte sich in dieser intensiven Zeit stark mit ihrem Körper auseinander, da das Outfit massgeschneidert sein sollte. Es sei ein schönes Gefühl zu wissen, etwas so persönliches zu erschaffen «und das man nicht ständig das Kleid zurechtzupfen muss.»

Sein eigenes Kleidungsstück entwerfen. Man lernt den eigenen Körper kennen und lieben, kann alle Wünsche einbringen und seinen Charakter zum Ausdruck bringen. Was will Mann und Frau mehr? Nur Mut, mit Zeit und Geduld schafft das jeder. Auf gehts!

Fotos: Rahel Bünter

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