Wie viel braucht eigentlich ein gutes Outfit? Was Johann Joachim Winckelmann, Kunstschriftsteller der Aufklärung, damals anpries, wollen wir auch heute nicht vergessen. Wahre Schönheit habe das Geschnörkel und Gedünse, wie sie der Barock zeigt, gar nicht nötig, meinte er. Klassik soll angestrebt werden, denn manchmal braucht es nicht mehr als «edle Einfalt und stille Grösse».

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kl. Schwarz-Weiss ist das Maximum an Kontrast und für viele auch das Maximum an Eleganz. Modegrössen wie Coco Chanel und später auch Karl Lagerfeld zeigen, wie vielfältig Schwarz-Weiss-Kombinationen sein können. Vom bekannten Hahnentrittmuster über Hüte bis hin zu Lederhandschuhen und dem kleinen Schwarzen – die richtigen Klassiker sind eben in diesen beiden Tönen gehalten. Dass Schwarz-Weiss aber nicht gleich nur elegant sein muss, zeigt uns Milena Uribe.

Ihr Look ist lässig und einfach, auf den ersten Blick fast schon unspektakulär. Ein schwarzer Mantel, ein weisses Hemd, schwarze Leggins. Könnte doch jeder tragen, könnte auch jeder Stil sein. Richtig! Und genau das macht solche Outfits interessant. Mit einigen bunten, auffälligen Schmuckstücken und hohen Schuhen, könnte dieser Look ruckzuck girly wirken. Dunkel geschminkt könnte man leicht einen Emo-Look kreiiren. Mit futuristischen Schuhen und einer aufregenden Tasche wäre man schon beim Avantgarde-Stil. Einmal die Leggins verlöchert und die Haare gefärbt, schon ginge es in Richtung Punk. Diese drei Teile bieten uns unendliche Möglichkeiten.
Milena Uribe entscheidet sich hier für einen alternativen Look: zwei grosse, natürlich schwarze, Schnecken-Plugs stehen im Kontrast zu ihrem doch eher sanften Gesicht. Mehrere Ringe zieren ausserdem zusätzlich die Ohren. Ein grosser Fischanhänger schmückt den Hals von Milena Uribe. Doch sie trägt auch einige feminine Details. So zum Beispiel neben einem rockigen Lederarband am einen Handgelenk, einen breiten Goldreifen mit Ornamenten und verspielte Holzperlenarmbänder am anderen Arm.

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Ihre rechte Hand ziert eine Zeichnung, eines vieler Kunstwerke, die Milena Uribe mit viel Präzision und Hingabe während dem Unterricht oder zu Hause zaubert. Fasziniert vom «Anderem», vom Fremden oder Aussergewöhnlichen, malt und zeichnet sie düstere Geschöpfe, plastische Körper oder abstrakte Muster. In ihrem Kleiderstil sowie in ihren Kunstwerken spiegelt sich Milena Uribes Persönlichkeit: eine angenehme Stille, eine Tiefgründigkeit und Faszination.

Was mir an ihrem Outfit am meisten gefällt, sind die Schuhe. Einfache, schwarze Schuhe, momentan ziemlich angesagt. Sie machen, so kombiniert, das ganze Outfit stimmig. Mit einem anderen Schuh dazu, wäre der Look, genau so wie er hier daherkommt, ruiniert. Denn genau dieser Schuh gibt dem klassischen Outfit den letzten Kick. Einen rockigen Hauch, das alternative Flair. Milena Uribe ist ein tolles Beispiel für Menschen, die ihre Kleidung tragen und die nicht von der Kleidung getragen werden. Farben trägt sie eher selten. Die grossen, braunen Augen, die pechschwarzen Locken und die feinen Sommersprossen prallen auf einen dunkeln, fast schon geheimnisvollen Stil. Es ensteht eine ungewohnte Mischung aus Härte und Sanftheit. Auffällig ist Milena Uribe nicht, denn ihre Ausstrahlung schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Erst beim genauen Hinsehen und vielleicht sogar erst, wenn man die schlanke Frau kennenlernt, erkennt man die Stille Grösse, die edle Einfalt, hinter dem Schwarz-Weiss.

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Fotos: Katja Lindenmann