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Mode kann aufdringlich sein. Mode kann laut sein. Mode ist oft aggressiv. Mode soll aber eigentlich einfach nur so sein, wie Lara Can sie uns still, leise und authentisch präsentiert.

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Kaum jemand hat seinen Stil bereits mit 15 jungen Jahren gefunden. Lara Can wirkt ruhig und doch lebendig und intelligent. Mit einer klaren, reinen Stimme antwortet sie auf meine Fragen und lächelt zwischendurch. Sie ist eine der Leute, die einem nicht auf den ersten Blick auffallen, aber doch eine stille Präsenz haben. Ich schätze es, wenn jemand Stil hat, dies aber nicht herausschreit. Lara ist einfach so. Sie trägt ihre oft mutigen Kombinationen so selbstverständlich, dass sie nicht sofort heraussticht. Gerade deshalb ist sie interessant und inspirierend. Wer sich nicht präsentieren, sondern einfach nur Spass an der Mode hat, der repräsentiert auch das, was ich den Leuten zeigen will.

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Dunkelgraue Leggins im angesagten Ethno-Stil stecken in lässigen, dunkelroten Doc. Martins. Die Schuhe bleiben aber, neben passenden roten Lippen, der einzige Farbfleck in ihrem Outfit. Ein schlichtes hellgraues Trägertop blitzt unter einem schwarz-weissen Schal hervor, der lässig zu einem Poncho umfunktioniert wurde. Ich musste erst zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass es eigentlich nur ein einfaches Tuch ist. Ein toller Styling-Tipp! Einfach ein grösseres, quadratisches Tuch nehmen, zwei Knoten an den Enden hinein knöpfen und wie ein Jäckchen um die Schultern legen. Die Knoten vorne sehen fast aus wie zwei grosse  Quasten. Ich persönlich liebe, nein, vergöttere Quasten, dass sind diese Zottel, die ursprünglich an Vorhangkordeln unten dran waren und die heute dekorativ verwendet werden. Von mir aus könnte man die einfach mal generell überall dranhängen. Auf Schuhen, Jäckchen, Schmuck. Solche Quasten gibt es aber glücklicherweise in Bastelläden in verschiedenen Farben zu kaufen. Mit ein paar Nadelstichen werden sie zum Highlight.

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Zurück zu Lara. Viel Farbe trägt sie eigentlich nie. «Wenn, dann halt so einzelne Akzente.», meint sie. Vor allem Muster und spezielle Schnitte machen Laras Looks besonders. Einen eigenen Look, fast ganz ohne Farben zu kreieren, ist nicht ganz einfach. Deshalb wählt Lara einzelne, spezielle Teile, die dann auch ruhig etwas kosten dürfen. Im H&M würde sie keine auffälligen Teile shoppen, denn dort stimme die Qualität meistens nicht und ausserdem sei es dann halt eben doch nichts Spezielles mehr. Die besten Stücke seien aber meistens Zufallskäufe. Lieblingsläden hat sie nicht. Märkte und Brockis sind da schon eher nach Laras Geschmack. Denn auch sie schätzt es, wenn Kleidungsstücke eine Geschichte zu erzählen haben.

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«Mit Schmuck bin ich eher sparsam, trotzdem ist er mir aber sehr wichtig.», erklärt sie mir. Die grossen Totenkopfohrringe sind bei diesem Outfit fast ihr einziges Schmuckstück. Obwohl sie grob und ungewöhnlich sind, passen sie sich durch dir Farbe und Textur gut in ihr Outfit ein. Die roten Lippen und der süsse, verzauste Dutt machen den Look weiblicher und eleganter. «Es ist mir schon wichtig, dass man die Silhouette noch sehen kann. Ich trage keine Oversize-Stücke.», stellt Lara fest. Tatsächlich sind gerade Oversize-Mäntel in diesem Winter wieder sehr in. Wer den burschikosen Look mag, darf gerne zugreifen. Gerade bei androgynen Frauen können solche Mäntel cool aussehen.

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Eine besondere Leidenschaft hat Lara für Tücher und Ponchos. «Ich habe immer spezielle Phasen, in denen ich gewisse Stücke liebe, das kann sich dann aber auch schnell wieder ändern.» Man merkt, dass ihr die Mode Spass macht, dass Lara sich in ihrer Haut wohlfühlt und nach Lust und Laune kombiniert und experimentiert. Dabei findet sie nicht, dass ein Modestil immer eine Aussage haben muss. Ganz im Gegenteil, sie trägt, wonach ihr gerade ist, drückt sich selber aus und möchte gar nicht unbedingt einer Subkultur oder einem bestimmten Stil zuordenbar sein. «Mode ist mir wichtig, aber es gibt durchaus auch Tage, an denen ich einfach mit T-Shirt und Jeans in die Schule gehe. Man muss nicht immer perfekt durchgestylt sein.» Diese Aussage macht Lara sympathisch und zeigt, dass Mode keine Aufgabe oder Lebensweise sein soll. Wenn man nicht mehr ohne Schminke aus dem Haus kann, oder vor dem Fernseher Louis Vuitton-Trainerhosen trägt, dann hört der Spass irgendwo doch auch auf. Den Hype, den um einige Marken gemacht wird wie zum Beispiel um die klassische Longchamp-Tasche, findet Lara schade. «Ich finde die Taschen eigentlich ganz schön, aber wenn sie jeder einfach hat, damit er sie hat, ohne, dass er sie aus irgendeiner wirklichen Überzeugung kauft, dann finde ich das doof. Deshalb würde ich niemals eine Longchamp-Tasche tragen.»

Als ich Lara frage, ob denn etwas gebe, was sie sich momentan wünscht, antwortet sie: «Ich suche schon länger nach einem alten Schulranzen. Da er aber unbedingt schwarz sein soll, ist das gar nicht so einfach. Irgendwie gibt es aber doch immer etwas, was man sich wünscht und genau das findet man dann nicht.» Sie spricht mir aus der Seele. Auf die Frage, wie sie ihren Stil selbst beschreiben würde, weiss auch Lara keine Antwort. Sie ist halt einfach nicht in eine Schublade zu stecken. Passend dazu trägt sie einen Jutebeutel mit der Aufschrift:

«Don’t be a square.» Hm. Now think about that people!

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