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«Schwarz ist mein Leben, aber mein Leben ist nicht schwarz.» sagt die Modedesignerin Christa de Carouge. Sie trifft dabei genau den Geschmack von Wera K., einer Frau, die weiss was sie will und ihren ganz persönlichen Stil gefunden hat.

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kl. Wera und Albert K. sind ein Paar in ihren Siebzigern, doch wenn man sie auf der Strasse sieht (und die beiden sind ganz schön viel unterwegs), wirken sie hip und modern. Sie fallen im positiven Sinne auf. Wera ist eigentlich nur in Schwarz zu sehen und doch wirkt sie immer anders, immer interessant. Ihren Mann Albert kleidet sie mit genau so viel Sorgfalt und Liebe ein wie sich selbst. «Wir schauen schon auch, dass wir zusammen passen, wenn wir irgendwo hin gehen.», meinen die beiden.
Ich kann im Zug nicht aufhören, die beiden zu beobachten, sieht man es doch sehr selten, dass Leute über 50 sich überhaupt noch die Mühe machen, gut auszusehen. Wera trägt einen markanten, blonden Bob und schwarz-weiss gestreifte Ohrringe. Dazu einen dezenten Lippenstift. Sie wirkt frisch, jung und doch völlig altersgerecht gekleidet.

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Ich treffe die beiden einige Tage später in ihrer Wohnung. Auch diese ist geschmackvoll eingerichtet. Alles ist sehr ordentlich. Auf dem dunkeln Esstisch stehen liebevoll hergerichtete, violette Blumen. Auch heute trägt Wera ihre weiten – natürlich schwarzen – Haremshosen. Darüber fällt ein strukturiertes Jäckchen mit V-Ausschnitt. «Ich will auf keinen Fall bieder wirken.», meint die gestandene Dame.
Sie selbst beschreibt ihren Look als lässig und ausgefallen. Ihren Stil habe sie schon lange gefunden: Schwarz als Basis, kombiniert mit kontrastreichen, auffallenden Schnitten, qualitativ hochwertigen Stoffen und Accessoires. Die fröhliche Cabriolet-Fahrerin setzt auf Leinen und Baumwolle, von der heutigen Wegwerfgesellschaft hält sie nicht viel. Qualität hat nun einmal seinen Preis. Dafür lässt sich das Pärchen auch gerne einmal was vom italienischen Schneider fertigen. «Ich kombiniere gerne teure, hochwertige Sachen, mit billigeren Stücken.», erklärt Wera. Dafür gehe sie auch zu H&M oder Zara. Für die teureren Stücke geht es oft in die Boutique von Christa de Carouge, der bekannten Schweizer Modedesignerin (Seefeldstrasse 231, Zürich).

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Das Angebot an moderner Kleidung für Leute über 50 ist extrem beschränkt. Bei Christa de Carouge wird ein weiteres Problem gelöst, sie verkauft nämlich ausschliesslich Mode für etwas fülligere Damen. Wallende Stoffe in allen Varianten von Schwarz sind ihr Markenzeichen. «Ich will keine Mode kreieren, sondern Stil.» ist eines ihrer Mantras.
Wera erfüllt für mich diesen Anspruch voll und ganz. Denn erst nach dem Interview mit ihr und ihrem Mann, realisierte ich, was sie so besonders macht. «Wie kann ein Look in Schwarz, so aufregend sein?», fragte ich mich immer wieder. Die Person, die in den Kleidern steckt, macht den Unterschied. Wera und ihr Mann sind für mich ein tolles Paar. Lebensfroh, offen, aufgeschlossen. Ich glaube, dass niemand diesen Stil so tragen könnte wie sie.

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In der Jugend habe sie natürlich Miniröcke und hochhackige Schuhe getragen. «Und die krummen Füsse mit auf den Weg genommen.», lacht sie. Als ich sie frage, ob sie denn noch etwas anderes aus dieser Zeit mitgenommen hat, antwortet sie sofort: «Um Gottes Willen, nein!»
Albert erklärt mir, dass seine Frau jedes halbe Jahr ihre Kleider radikal ausmiste und dabei würde auch sein Schrank nicht verschont. Da hat Albert, was sich wohl viele Männer wünschen. Das Aussortieren der Kleider sei aber nötig, denn obwohl ihre Sachen eigentlich zeitlos sind, weil sie keinem Trend nachrennen, verblasse das Schwarz halt doch sehr schnell, gerade die Leinensachen.

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Albert und Wera stehen mitten im Leben. Mit ihrem VW-Beetle unternehmen sie viele Reisen. Albert erinnert sich an ihren Trip ins jazzige New Orleans, ein Lebenstraum, den die beiden bis zu diesem Zeitpunkt verband. Kultur, Kunst, Mode. Den Sinn für Ästhetik  leitet die beiden durch den Alltag. Ganz bewusst verzichten sie auf einen Computer. Nach der Pension geniessen sie das Leben noch einmal in vollen Zügen.

Auf die Frage, ob Albert ein Lieblingsstück hat, antwortet er: «Klar, meine Frau!»

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