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Der Hippie-Stil wird aus der Modewelt wohl nie mehr ganz verschwinden. Die Wiedergeburt eben dieses Kults im sogenannten Bohème Chic bringt etwas Farbe in den grauen Alltag und lässt uns nostalgisch werden. Feminin und verspielt. Leicht und luftig. Nora Schüller macht’s vor.

kl. Der Bohème chic, oder abgekürzt Boho Chic ist eine Hommage an den Hippie-Stil. Fransen, Stirnbändchen, farbige Stoffe und Muster sind Inbegriffe dieses lebendigen, jungen Looks. Die Lebensfreude und die Freiheit in Kleidern ausgedrückt. Der Klassiker: Das bodenlange, halbtransparente Blümchenkleid mit Sonnenbrille, Lederhüftgürtel, Cowboyboots oder Flipflops und Federschmuck. Man braucht nicht viele Teile. Unverzichtbar für diesen Stil sind auch lockere Shirts, vorzugsweise mit farbigen Mustern oder aber Bandshirts in Gedenken an Woodstock, Westen, kurze Hosen, wallende Röcke und Kopfschmuck.

Nora zeigt uns, wie man diesen Stil auch heute noch im Alltag tragen kann. Ihre Weste ist ein wahres Prachtstück, dass den Stil genau trifft. Auch der lederne Taillengürtel passt. Er macht den Look weiblicher und tailliert gleichzeitig die etwas zu grosse Weste. Solche Gürtel können zu grosse Teile perfekt kaschieren und sehen oft toll aus.
Ob als dünnes Stirnband, Tasche oder Schmuck – mit Leder macht man bei diesem Look nichts falsch. Wichtig sind die Details und Accessoires. Nora trägt gerne orientalischen Schmuck. Die Originalität der einzelnen Teile hat bei ihr einen grossen Stellenwert. Man investiert für aussergewöhnliche Teile also lieber einmal etwas mehr oder bringt sich etwas aus dem Urlaub mit, anstatt bei H&M oder anderen grossen Ketten einzukaufen. Spezielle Teile gibt es zum Beispiel bei Cachet.

Bei den Kleidungsstücken setzt der Boho chic gerne auf Muster. Der Hippiestil war noch farbiger und mutiger. Mit dem Boho Chic wird dieser tolle Stil auch heute tragbar gemacht. Farblich bleibt man eher im Bereich der Erdfarben, die auch Nora meistens trägt.  Sie setzt den Fokus in diesem Outfit auf die bunt gemusterte Weste, bleibt ansonsten aber eher neutral.
Der Schmuck gibt dem Outfit einen exotischen Hauch. Ein zweiter Blickfang macht das Outfit einzigartig und kreativ: Nora trägt dunkelviolette Boots, die auf den typischen Szeneschuh von Dr. Martens anspielen (Schuhparadies, 80.-). Diese Kombination überrascht. Der grobe Schuh bricht mit der Lockerheit des Boho Chic, harmoniert farblich aber mit der Weste und dem schlichten, dunkel gehaltenen Rest des Outfits. Der Schuh macht den Look noch frecher. Ausserdem symbolisiert er hier das rebellische Element der Hippiebewegung.

Es lohnt sich also auch mit diesem an sich schon mutigen Stil zu experimentieren. Denn gerade bei einer Stilrichtung, die der Freiheit gewidmet ist, kann und soll man Mut zum Stilbruch haben. Der Begriff bohème steht für eine Gruppe gebildeter, künstlerisch oder musisch engagierter Menschen, die sich nicht gänzlich in die gesellschaftliche Norm einquetschen lassen wollen . Tatsächlich lebt Nora diesen Begriff. Sie geht an ein Kunstgymnasium, interessiert sich stark für Geschichte, liest viel, ist politisch aktiv.
Der zweite Teil der Begrifflichkeit, nämlich chic, hat ebenfalls seine Begründung. Mit dem Begriff Hippie in Bezug auf Mode wird doch auch eine gewisse Ungepflegtheit assoziiert. Man stellt sich schnell einen zugedröhnten, leicht muffigen Typen mit Bart vor. Dies ist im Boho Chic aber keinesfalls das Ziel. Der Hippiestil wird also gewissermassen veredelt oder abgedämpft. Der Wert der Ästhetik steht nun an erster Stelle, wobei jener, der gesellschaftlichen Befreiung von Zwängen, eher in den Hintergrund tritt. Der Stil kann, muss aber nicht vollständig von der Bewegung der 60er-Jahre losgelöst sein. Da bleibt mir schlussendlich also nur noch eins zu sagen: peace and love!

Fotos: Chiara Zarotti