Der Titel lässt es vermuten, aber hier geht es nicht um ABBA. Heute heisst der vielversprechendste Musikexport aus Schweden Royal Republic. Die vier Schönlinge brachten das Publikum im Plaza zum Kochen.

Royal Republic heizten ein (Foto: Sacha Saxer)

Nicht oft stellt sich die Frage „Konzert oder Live-Stream?“. Doch der Rekordsprung von Felix Baumgartner wurde im Plaza an die Wände projeziert. Da musste man schon hinschauen. Dementsprechend einen schweren Stand hatte die irische Vorband Kopek. Das Trio spielte in einem sich füllenden Saal einen rohen und schnörkellosen Rock. Blickfang der Musiker von der grünen Insel war der kleine Sänger, dessen Dreadlocks aus dem Kopf sprossen wie die Federn der Paradiesvögel, die von den Wänden des Klubs so arrogant auf die Szenerie herunterblickten. Und nachdem Baumgartner den Flug unbeschadet überstanden hatte, konnte man sich auch auf Kopek konzetrieren, die gegen Ende ihres halbstündigen Sets doch noch an Intensität gewinnen konnten. Mit einem schlichten „Thank you! We’re Kopek, tell all your friends!“ verabschiedeten sie sich von der Bühne.

Das junge Publikum wartete anschliessend nochmals dreissig Minuten, bis endlich das hymnische Intro erklang und Royal Republic die Bühne stürmten und mit einem nahtlosen Übergang erst Save The Nation und dann You Ain’t Nobody (Til Somebody Hates You) wurde das Konzert eröffnet. Die ersten Songs waren erschreckend schwach, dass man fürchten musste, dass der Abend den Bach runterging. Doch die Nordeuropäer bewiesen schnell, dass sie zu einer aufstrebenden Generation neuer Rockstars gehören, inklusive den kreischenden Damen in der ersten Reihe. Da sah man doch die Freunde dieser besagten Mädchen ihre Arme ein wenig fester um die Hüfte zu schlingen, wenn der hochgewachsene Frontmann Adam Grahn mit seiner Gitarre antrabte.
Der Mann ist ein geborener Entertainer, der einem Fan gerne mal ein Plektrum in die Finger drückt und auf seiner Gitarre schrummen lässt. „I know it’s sunday…“ – Scheiss drauf, dachten sich alle. Nach Molotov sprang der zündende Funke und die Menge fing endgültig Feuer. Es folgte ein akustischer Part. Akustisch? Akustisch! Wer dachte, dass nach diesem vorläufigen Höhepunkt mit Molotov leise Töne angeschlagen werden, war auf dem Holzweg. Unbeirrt schrummten Royal Republic in unverändertem Tempo weiter und heitzen ihren Fans weiter ein.
Auch Humor besitzen die Schweden und nahmen sich mit einer latent idiotischen Chor-Version von Addictive, bei der sogar Drummer Per Andreasson sich an den Bühnenrand begab und mitschmetterte, selber auf die Schippe. Die Spontanität, die niemals erzwungen oder aufgesetzt wirkte, die unvergleichliche Interaktion mit dem Publikum liessen die Show grossartig werden. Ein inniger Kuss zwischen Adam und dem zweiten Gitarristen Hannes Irengård und viel Rumgeblödel auf der Bühne: Stimmung machen, das können diese Jungs teuflisch gut. Dabei beherrschen sie auch ihre Instrumente und machen auch musikalisch eine Falle, obwohl sie erst zwei Alben veröffentlicht haben. Das Wechselspiel zwischen Grad und Irengård reisst einfach mit. Da können sie es sich locker leisten, Wind of Change auf die Schippe zu nehmen oder den Song I don’t wanna go out von X’s so zu covern, dass Adams Stimme nach Lemmy Kilmister klingt.
Royal Republic. Ein Name, den man bestimmt noch oft hören wird.

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