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Kürzlich erschien das vierte Solo-Album «Hand. Cannot. Erase.» des britischen Multiinstrumentalisten Steven Wilson. Eine vielseitige Persönlichkeit, die immer wieder von neuem überrascht und sich nicht schubladisieren lässt. Seine Tour hat gerade begonnen, am 29.03. macht er Halt im Z7 in Pratteln.

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Nach Insurgentes (2009), Grace for Drowning (2011) und The Raven That Refused to Sing (2013) kommt nun Hand. Cannot. Erase. in die Plattenläden. War sein Vorgängerwerk inspiriert von den Geschichten des Autoren Edgar Allan Poe, handelt das neue Album von einer jungen Malerin, die sich vom Leben in der Metropole isoliert. Ein gefühlvolles, komplexes Konzeptalbum, das etliche Wendungen beinhaltet.

Über das Leben im 21. Jahrhundert

Inspiration für Hand. Cannot. Erase fand Steven Wilson in der tragischen Geschichte um die 38-jährige Joyce Vincent, die in London über zwei Jahre lang tot in ihrer Wohnung lag. 2003 hat man sie gefunden. Die Geschichte gab Wilson eine neue Perspektive über das Leben in einer Metropole. Vincent hätte sich isoliert, aus eigener Entscheidung heraus. Wilson irritiert dies nicht: Nicht herausgehen zu wollen in diese «verrückte» Welt neuer Technologien, Lärm, Terrorismus und Krieg, sei verständlich. Man müsse nicht teilhaben an dieser Welt. Für ihn stellt das stille Ableben Vincent’s ein Symbol dar, was es heisst, im 21. Jahrhundert zu leben.

Ein Mäander-Werk

Lange Instrumental-Teile, zahlreiche Takt- und Klangwechsel sind typisch für Steven Wilson. Seine Lieder können so ruhig werden, dass man denkt, das Stück sei vorbei, um dann noch einmal mit voller Wucht eine vorherige Klangpartie wieder aufzunehmen. Sie tauchen sowohl bei seiner Prog-Rock-Band Porcupine Tree auf, als auch bei dem multinationalen Rockprojekt Blackfield. Doch Wilsons Lebenswerk ist riesig: Er lässt sich nicht schubladisieren, und er vermischt gerne verschiedene Musikgenres. Und dies macht die Kritik an dem Album auch schwierig – so vielseitig die Person, so vielseitig auch die Fangemeinde. Was gesagt werden kann: Es ist erstaunlicherweise mal weniger düster, trotz der tragischen Geschichte, um die sich das Album dreht. Die Stücke Hand Cannot Erase oder Perfect Life muten an, Wilson in eine populäre Ecke zu drängen.

Sie sind eingängig, weniger komplex als der Rest des Albums. Vielleicht auch wegen der Stimme von Katherine Jenkins, welche auf einigen Liedern mitwirkt. Auf Routine dann noch ein Knabenchor, der in Kombination mit Jenkins an Nightwish erinnert.

Könnte man zumindest unterstellen. Das Album Hand. Cannot. Erase. gefällt, oder es gefällt nicht. Steven Wilson ist ein Meister der Klänge, seine Musik ist wiedersprüchlich, berührt, lässt Fragen offen. Das Album als Ganzes ist ein künstlerisches Gesamtwerk, das wie ein Mäander um die Lebensgeschichte der Malerin Bogen schlingt. Hört man es als Ganzes einmal durch, wird man in diesen emotionalen Sog hineingezogen. Man erkennt die Dramaturgie der Lebensgeschichte.

Tracklist

  1. First Regret (2.01)
  2. 3 Years Older (10.18)
  3. Hand Cannot Erase (4.13)
  4. Perfect Life (4.43)
  5. Routine (8.58)
  6. Home Invasion (6.24)
  7. Regret #9 (5.00)
  8. Transience (2.43)
  9. Ancestral (13.30)
  10. Happy Returns (6.00)
  11. Ascendant Here On…(1.54)