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Am vergangenen hochsommerlichen Montagabend lockten Steel Panther, The Dead Daisies und China ein überschaubares Publikum ins Zürcher Komplex. Ein kompakterer Auftritt hätte es auch getan.

Schon der erste Eindruck täuschte nicht: Am vergangenen Montagabend pilgerte nur eine kleine Hand voll Fans ins Komplex, welche sich die Mühe gemacht hatte, sich komplett in wilde 80er-Glam-Metal-Outfits inklusive Föhnfrisur zu werfen: Bandanas, Leggins, Schals und am besten allles im quitschig neonfarbigen Zebra oder Panther Print kombiniert mit Leder und zerrissenen Klamotten – so sollte man sich doch anziehen, dachte ich zumindest? Da hätte ich etwas mehr Kreativität erwartet. Kleider machen ja bekanntlich Leute – oder auch umgekehrt; auf jeden Fall fand ich das Publikum während des ganzen Abends wenig festfreudig und unterkühlt.

Musikalisch wurde der Abend durch die Winterthurer Band China eröffnet. Ein sympathisches Konzert, welches aber keine hohen Wellen warf. Da noch eine zweite Vorband mit The Dead Daisies auf dem Plan stand, räumten die Veranstalter China sehr wenig Platz und auch Zeit auf der Bühne ein.

Mit The Dead Daisies und ihrem neuen Album Make Some Noise bekam der Abend etwas mehr Schwung. Schon beim Eröffnungs-Riff zu Midnight Moses kam das direkte Feedback aus dem Publikum: Es gefiel. Das Set war mit neun Liedern sehr kurz, aber die Band präsentierte viel von ihrem neuen Album. Sie versprachen auch ein ruhigeres Stück mit den Worten: Ihr seid wahrscheinlich noch gar nicht bereit für einen langsamen Song, aber wieder spielen ihn nun trotzdem. Es gab zum Glück aber keine Ballade mit Stimmungsdämpfer – wie zuvor bei China – es wurde weitergerockt. Die Mitglieder – praktisch alle ehemalige Musiker aus bekannten Bands – waren mir persönlich extrem sympathisch und sie wirkten auf mich auch sehr authentisch. Frontmann John Corabi bedankte sich so dann auch fürs Erscheinen, so könne er wieder Futter für den Hund kaufen.

Steel Panther – Eindeutig, zweideutig

Zum Start von Steel Panther verdichtete sich das Publikum erneut und als die bunte Truppe mit Eyes of a panther loslegte, fingen die Zuschauer sofort Feuer und Flamme und sangen mit. Die wilde Choreo war voll mit vielen eindeutig, zweideutiger Gestik und Mimik. Mit ihrer übertriebenen Glam-Metal Attitüde und Outfits nahm man ihnen ihre Parodie und gleichzeitige Hommage an die 80er total ab. Nach jedem Song zückte Bassist Lexxi Foxx seinen Spiegel und zog etwas Lippenstift nach oder kämmte sich die Haare.

Mit der Zeit fand ich die Karikatur der Karikaturisten sehr anstrengend. Mich langweilte das ewige Gelaber der Band. Irgendwann hat man die Message ja hoffentlich auch in der hintersten Ecke verstanden: Es geht um Brüste und Co. Ihr Ziel, Brüste zu sehen, haben sie natürlich gegen Schluss des Konzerts erreicht, aber erst nach einem harten Kampf. Begonnen hat dieser, als sie zwei Frauen auf die Bühne einluden. Diese waren aber viel mehr mit ihren Haaren beschäftigt, und die eine mit Selfies-Machen. Das Blondchen, eine Parodie schlechthin (wohl aber ungewollt), hat den Titel «dumm wie Brot» echt verdient. Nicht mal, als das Publikum sie ausbuhte und die Bandmitglieder sie auslachten, merkte sie, dass Selfies-Machen auf der Bühne nicht sehr gut ankam. Sogar als noch mehr Frauen auf die Bühne geholt wurden und allesamt wild herumtanzten, war sie noch mit ihrem Handy und sich selber beschäftigt.

Da ich einen Blick auf die Setlist werfen konnte, habe ich trotz dem langgezogenen Part bis zum Schluss durchgehalten. So konnte ich noch Death to all but metal hören. Immerhin ein geiler Abschluss nach diesem harzigen Auftritt.