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Beim Anblick des Bandfotos könnte man befürchten auf einer Comedy-Veranstaltung zu landen, bei der man Abstriche bei der Musik machen muss. Könnte. Muss man aber nicht.

Jenseits der Zweideutigkeit: Steel Panther (Foto: Sacha Saxer)

Jenseits der Zweideutigkeit: Steel Panther (Foto: Sacha Saxer)

Seit der Jahrtausendwende nehmen die Westcoast-Fun-Metal-Boys die Ära der 80er-Rocker auf die Schippe. An dieser Stelle eine kleine Warnung: Steel Panther ist nichts für Zartbesaitete. Einerseits riskiert man bei den Outfits akute Erblindung, andererseits baut man seinen Wortschatz wegen ihrer Songtexte in eine Richtung auf, bei der manche Eltern zur Kernseife greifen und damit sofort den Mund auswaschen möchten. Wer mit obszönen, sexistischen und vulgären Ausdrucksweisen ein Problem hat, der sollte sich die Texte weder näher anhören, noch ins Deutsche übersetzen und einfach nur die Musik geniessen.

80er-Jahre-Feeling

Die Winterthurer Rockband China hat als Supporting-Act in dem Sinne gut zu Steel Panther gepasst, da sie Ende der 80er-, Anfang 90er-Jahre internationale Erfolge feierten und ebenfalls Musik aus der Sparte Glam-Metal spielen. Allerdings haben die Kalifornier von Steel Panther definitiv keine Vorband nötig, um ihre Konzertbesucher in Stimmung zu bringen. Das schaffen die abgedrehten Glamrocker schon selber; sobald die ersten Musiktakte erklingen und sie die Bühne betreten.
Während des Konzerts haben wir uns in kleiner Runde insgeheim gefragt, wie viele im Saal genug Englisch verstehen, um die Bedeutung der Songtexte zu erfassen. Klar im Vorteil ist tatsächlich, wer der englischen Sprache mächtig ist. Dann lacht man nicht nur über die Texte, sondern auch bei der Vorstellungsrunde der Bandmitglieder – die Fotografen alle noch im Fotograben – oder den Comedyeinlagen zwischen den Songs. Auch wenn sie mit wallenden Dauerwellenmähnen, Leggins und den obligaten Stirn(band)tüchern über die für sie viel zu kleine Bühne im Kofmehl fegen, lenkt dies zum Glück nicht von ihrem musikalischen Können ab. Sie legen nicht nur eine perfekt inszenierte Show auf die Bretter, sie hauen einem auch verdammt gute Musik um die Ohren.

Nicht ausverkauft, trotzdem war Gruppenkuscheln unvermeidlich

Das Konzert im Kofmehl war nicht ausverkauft und trotzdem standen einige noch draussen auf dem Korridor, weil der Saal mehr als voll war. Vielleicht lag es – aus meiner Sicht zwar nicht nachvollziehbar – daran, dass Steel Panther gerade erst im März in Zürich aufgetreten sind und deshalb die Galerie nicht auch noch zu füllen vermochten. Obschon alles bis ins kleinste Detail einstudiert ist, variieren sie ganz offensichtlich von Show zu Show und ändern die Setlist bei jedem Gig ab. Das ist nur einer der Gründe, weshalb man sich einen Liveauftritt dieser Band mehr als nur einmal im Jahr gönnen sollte. Wer nicht da war, hat definitiv was verpasst. Aber vielleicht sehen wir uns ja, wenn sie wieder mit Schminktisch, Dauerhaarventilator, der stets für einen windigen Look sorgt, und dem ganzen Soundequipment für den nächsten Gig in die Schweiz reisen.