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Die Taufe vom neuen Stranded Heroes Album «Karman Line» verlief ohne Zwischenfälle; im Gegenteil, die Scheibe legte einen Traumstart hin.

Hoben im KiFF ab: Stranded Heroes (Foto: Sacha Saxer)

Hoben im KiFF ab: Stranded Heroes (Foto: Sacha Saxer)

Mit hohen Erwartungen – schliesslich durfte ich dank Stranded Heroes (und Spencer) schon anfangs Januar das kultigste Konzert des Jahres erleben – und den härtesten Kritikerinnen (meine zehn- und zwölfjährigen Töchter) im Schlepptau besuchte ich die CD-Taufe von Karman Line, dem zweiten Album des Aarauer Rock-Quartetts Stranded Heroes. Was mich musikalisch erwarten würde bei den gestrandeten Helden, war mir nach dem letzten Auftritt und über zwei dutzend Mal durchhören der neuen Scheibe eigentlich schon ziemlich klar.

Dasselbe konnte ich leider von Supportact Seldom, ebenfalls aus Aarau, nicht behaupten, hatte ich doch erst ein, zwei Songs von ihnen gehört. Nichtsdestotrotz, die kurze Hörprobe stimmte mich zuversichtlich. Die Indie-Rocktruppe um Valon vermochte nicht nur mich zu überzeugen, nein sie schafften als Eröffungsact das Kunststück, die Besucher zum Mitklatschen, Mitsingen und Mittanzen zu bewegen. Eine solche Stimmung schon bei einer Vorband zu sehen, liess mich zwischenzeitlich daran zweifeln, immer noch in der Schweiz zu sein, aber ein Blick aufs Handy verdeutlichte mir, dass ich immer noch im KiFF in Aarau war. Chapeau, Seldom, ihr habt es wirklich geschafft, das Publikum mitzureissen und das obwohl meine Kinder meinten, ihr wäret nicht rockig genug gewesen. (Ich versuch ihnen den Wert von tiefgründigen Songs und wunderschönen Balladen näher zu bringen, aber ich denke, das krieg ich nicht vor ihrer Pubertät hin.) Seldom als Support zu verpflichten war ein Geniestreich, und wer auch immer verantwortlich dafür ist, darf sich gerne auf die Schulter klopfen.

Valon gelang es mit seiner warmen Stimme und seiner sympathischen Art den perfekten Brückenschlag zwischen der beklemmenden Situation, wenn die Besucher erst gerade in den Saal gekommen sind, und dem Höhepunkt des Abends zu schaffen und holte sich dabei sicherlich denen einen oder anderen neuen Fan ab. Dass Seldom es erreicht haben, als Vorband das Schweizer Publikum zum Tanzen und Mitsingen zu animieren, sagt eigentlich alles.

So gut Seldom auch waren, der Abend gehörte Stranded Heroes und ihrem neuen Album Karman Line. Die Freude und Erleichterung, die neue Scheibe endlich taufen zu können, stand dem Quartett ins Gesicht geschrieben. Anderthalb Jahre haben sie an ihrem zweiten Werk gearbeitet und dabei einem «leicht» ungesunden Lebensstil gefrönt – die Anzahl Liter Bier, die ganzen Pizzen und Zigaretten, die konsumiert wurden; alles peinlich genau auf einem Fact-«Sheet» auf der Bühne vor der eigentlichen Taufe präsentiert, zeugen von der Hingabe Anja’s und ihrer Jungs. Dass sich der Einsatz gelohnt hat, konnte ich schon in der Rezension von Karman Line bestätigen. die Frage war, ob sie dies auch live rüber bringen könnten, zumal Anja nach einem Unfall ein wenig gehandicapt war. Wegen ihrer Verletzung musste das Solothurner Temperamentbündel fast permanent auf ihrem Barhocker verbleiben. Ein Umstand, der ihr mehr als unangenehm war und jeder im Saal sah sofort, dass die Powerfrau sich danach sehnte, endlich wieder die komplette Bühne unsicher zu machen. So musste sie sich mit Barhockerakrobatik begnügen, doch ihre Wahnsinnsstimme wurde dadurch zum Glück nicht wirklich beeinträchtigt.

Wie schon in der Rezension erwartet, entwickelten sich No No No und Fire Fire Fire zu Live-Granaten und auch CTRL funktioniert live wunderbar.  Ein Vorteil von Anja’s Bewegungseinschränkung war, dass die beiden Saitendrescher Stefan Voramwald an der Gitarre und Dave «Four-finger» Eichenberger am Bass sich stärker profilieren konnten und dadurch nicht im Schatten der Frontfrau standen. Das Zusammenspiel der Band war allgemein sehr schön anzusehen und machte Laune auf weitere Konzerte. Und da Stranded Heroes gerade auf Tour sind, gibt’s davon noch einige. Die nächsten Termine sind wie folgt:

  • 23. 5. Bararacude Aarau
  • 21. 6. Prima Vista Baden
  • 5. 7. Openair Thunimont (F)
  • 1. 8. Feelgood Festival Gösgen
  • 2. 8. Brienzersee Rockfestival
  • 6. 8. Ebrietas Zürich
  • 23. 8. TBC
  • 30. 8. Krone Herisau

Gerade der Auftritt im Ebrietas empfiehlt sich als Post-Wacken-Blues Konzert und kann nur wärmstens empfohlen werden.

 

Fotos: Sacha Saxer