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Kasabian ist eine Band, die man sich immer wieder live ansehen kann. Eine spielfreudige Band und zahlreiche Hits waren stets Garant für einen ausgelassenen Abend. Mit ihrem sechsten Album «For Crying Out Loud» machten sie in der Halle 622 in Zürich Halt.

Als ich um kurz nach acht die Halle 622 betrat, schmetterte das englische Duo Slaves den wartenden Fans schon ihre punkigen Lieder entgegen. Der Sänger und Stehschlagzeuger Isaac Holman oben ohne und voller Energie auf sein Instrument eindreschend.

Das Publikum der bereits gut gefüllten Halle noch abwartend, Bierchen trinkend. Ihr ambitionierter Auftritt schien dann auch gut anzukommen, auch wenn die Zuseher wohl eher innerlich ausrasteten und äusserlich die Band mit sittsamem Applaus und einigen wenigen Zwischenrufen quittierten.

Ausrasten in 3, 2, 1…

Während andere Bands zu möglichst epischen Klängen auf die Bühne schreiten, wird das Kasabian-Publikum kurz vor Showbeginn mit dem Super Mario Theme beschallt. Als Startsignal für einen ausgelassenen Abend, konnten sich die meisten Konzertbesucher ein Lachen nicht verkneifen.

Und ähnlich wie Mario in seinen animierten Welten umher springt, tat es ihm das nie still stehende Publikum von den ersten gespielten Takten an gleich. Moshpits brachen aus, halb ausgetrunkene Bierbecher wurden durch die Luft geschleudert, jedes Wort von den aktuellen Singles Ill Ray und Bless This Acid House lautstark mitgegrölt. Kasabian verwandelten die Halle 622 innert Sekunden zu einem Tollhaus.

Ein fulminanter Auftakt. Und Zeit zum Verschnaufen blieb kaum. Mit Bumblebee und Eez-Eh vom letzten Album 48:13 war gleich das nächste Päckchen an treibenden Songs geschnürt, bei denen man sich nicht einfach still stehend berieseln lassen hätte können. So wurde den «Jump! Jump!»-Aufforderungen von Sergio Pizzorno umgehend wieder Folge geleistet.

Textsicheres Publikum

Bei Hits wie Underdog, Club Foot und Empire wurde die Hymnen-Tauglichkeit der Songs von Kasabian unter Beweis gestellt. Muss ziemlich cool sein, wenn die gesamte Halle deine Lieder lauter mitbrüllt, als deine Stimme durch die Soundanlage schallt. Und das obwohl die Lautstärke eh schon an der oberen Grenze verlief. Besonders als beim eher ruhigeren Lied Treat zweimal der Bass so dermassen aufgedreht wurde, dass man die Schallwellen regelrecht durch den Körper vibrieren spürte.

Bild: Evelyn Kutschera

Gewollt oder nicht, für mich war das ein wenig zu viel des Guten, während mir genau beim selben Lied bewusst wurde, an was es an diesem Abend verglichen mit anderen Kasabian-Shows fehlte: Keine Laser mehr. Vermutlich musste die eindrückliche Licht-Show dem Konzept «Back To The Roots» weichen, unter welches Kasabian ihr aktuelles Album For Crying Out Loud stellten. Weniger Electro-Spielereien, mehr Gitarren. Weniger Party-Rave, mehr Stadionrock.

«Back To The Roots» mit Kasabian

Und das klappt auch zweifelsohne. Füllen Kasabian in ihrer Heimat England schon längst Arenen, sind es bei uns noch die mittelgrossen Hallen. Ein Kasabian-Konzert würde auch noch Massen anlocken, wenn schlichtweg gar keine Lichtshow vorhanden wäre, solange die Band nicht an ihrer Energie und dem Charme ihrer beider Frontmänner verliert.

Die Show am heutigen Abend war vollends darauf ausgelegt und mit ihrem Hitrepertoire gefestigt, was blindlings vom fanatischen Publikum gefeiert wurde. Besonders Stevie und L.S.F. die als letzte Songs im Hauptset gespielt wurden, entwickelten eine Eigendynamik, dass Sänger Tom Meighan gar nichts mehr zu machen brauchte, als das Mikrofon gegen das Publikum zu richten und mit den Armen auffordernd zu wedeln. So hielt sich auch der Gesang des Publikums bis die Band für den Zugabenblock wieder auf die Bühne trat.

Von den Bläsern episch dargeboten, läuteten sie mit Comback Kid die letzte Viertelstunde Kasabian ein. Vlad The Impaler und Fire vom Hitalbum West Ryder Pauper Lunatic Asylum heizten dann nochmals ordentlich ein und sogar das sitzende Publikum auf dem Balkon «got loose» – zumindest ein bisschen.