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Die Schweizer Band Spencer hat ihr viertes Album veröffentlicht. Die Redaktoren Sacha Saxer und Janosch Tröhler haben sich beide «We Built This Mountain Just to See the Sunrise» angehört. Gleicher Meinung sind sie nicht.

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Anstelle eines kompletten Albums hätten sie besser eine EP herausgebracht. Sechs Stücke hinterlassen leider überhaupt keinen bleibenden Eindruck und wirken wie Füllmaterial. Ich hab mir definitiv mehr erhofft von ihrem neuesten Silberling.[/su_testimonial]

Sacha Saxer meint: Passend zum zehnten Geburtstag beschenkt sich die Badener Indie-Rockband Spencer mit ihrem vierten Album selbst. Ihr jüngstes Baby hört auf den etwas sperrigen Namen We Built This Mountain Just to See the Sunrise. Glücklicherweise sind die Songs darauf nicht so sperrig, auch wenn die Scheibe einige Male durchgehört werden muss, bis man sich an sie gewöhnt hat – so wie es auch bei Pink Floyd öfters der Fall war.

Doch auch dann bleibt ein fader Nachgeschmack. Viele der Songs besitzen zwar interessante Elemente, berühren aber nicht und sind nach dem Hören auch schon wieder vergessen. Eine rühmliche Ausnahme bildet da die erste Single On a Wire. Hier trumpft Leos Stimme mit viel Gefühl auf; die Sehnsucht nach der unerfüllten Liebe schwingt in jedem Ton mit und schwebt wie ein Nebel über der fragilen Klanglandschaft.

Mit Voyage ist der Band ein grosser Wurf gelungen. Kaum ein anderer Song klingt so dermassen typisch Spencer wie diese Nummer, für die alleine es sich lohnt, das Album zu kaufen.

Dass sie Liebeserklärungen auch anders können, zeigt Spencer bei Dividing Lines. Krachende Riffs, treibender Bass und kompromissloser Gesang, wie man Spencer kennt. Darauf folgt der Track Fireworks, der entgegen seinem Titel leider gar kein Feuerwerk darstellt, sondern eher ein einlullendes Schlaflied. Ein Song, der symptomatisch für etwa die Hälfte des Albums ist. Wimmernd verzerrte Gitarrenklänge über Bassschwaden und die verzweifelte Suche nach Belang.

Echt schade, denn die Truppe sind live ein absoluter Spassgarant. Unglücklicherweise können sie diese Energie nicht wirklich auf die Scheibe bringen. Anstelle eines kompletten Albums hätten sie besser eine EP mit Voyage, Dividing Lines, On a Wire, Hidden from the Sun und Utopia herausgebracht. Die andern sechs Stücke hinterlassen leider überhaupt keinen bleibenden Eindruck und wirken wie Füllmaterial. Ich hab mir definitiv mehr erhofft von ihrem neuesten Silberling.

Janosch Tröhler meint: We Built This Mountain Just to See the Sunrise ist das Ergebnis einer schwierigen Zeit für die Band Spencer. Ihr Keyboarder verbrachte lange Zeit im Spital, sie kämpften für ihr eigenes Label «Ambulance Recordings». Doch nun sind sie auf dem Berg und sehen eben den hoffnungsvollen Sonnenaufgang.

Und gleich beim ersten Sonnenstrahl drücken Spencer den Fuss aufs Gas: Hidden from the Sun hat Drive und die Band weiss, dass man einem Gitarren-Solo Platz geben muss, um sich zu einem echten Hinreisser zu entwickeln. In Through Your Head zeigen Sänger Leo und seine Jungs dann, dass sie auch dem düsteren Sphären nicht abgeneigt sind. Die Streicher verleihen dem Song eine dunkle Note Gothic Rock.

Über On The Wire habe ich bereits hier einige Zeilen geschrieben. Dagegen kommt die zweite Single Saturday Shoes mit einem geradezu poppigen Groove und eingängigen Hook daher. Allerdings wirkt der Song auf Dauer zu seicht, zu einförmig. Dazu ist der Refrain einen Tick zu kitschig.

Spencer entschuldigen das mit einem Höhepunkt: City Lights gehört für mich mit seinem sehnigen Arrangement, dem beinahe Spoken-Word-Gesang zu den besten Songs des Albums. Da werden Erinnerungen an die frühen Editors oder die White Lies wach. Auch das epische Cruel mit einer Länge von sieben Minuten ist ein wunderbares Machwerk. Nach eineinhalb Minuten verzichtet Leo auf weitere Lyrics und der Song schaukelt sich hoch – irgendwo zwischen Pink Floyd und Led Zeppelin. Und dann kommt da noch Voyage hinterher und macht das glorreiche Trio perfekt: Der surrende Electro und die fast schon rappende Stimme zeigen eine überraschende Facette Spencers.

Dividing Lines, Fireworks und Harry’s Still Sad kommen dann nicht mehr an ihre Vorgänger ran. Was zwar nicht bedeutet, dass die Songs schlecht sind, doch im Vergleich schlicht untergehen. Hätten sich Spencer also den einen oder anderen Song sparen können? Nein, denn gerade der Variantenreichtum macht We Built This Mountain Just to See the Sunrise aus. Dafür müssen Spencer auch Schwankungen hinnehmen: Sie können (noch) nicht alles gleich gut.

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Release
20. Mai 2016

Label
Ambulance Recordings

Tracklist:
01 – Hidden from the Sun
02 – Through Your Head
03 – Utopia
04 – On a Wire
05 – Saturday Shoes
06 – City Lights
07 – Cruel
08 – Voyage
09 – Dividing Lines
10 – Fireworks
11 – Harry’s Still Sad