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Vielversprechender Abschluss der Woche: Am 9. Oktober eroberten die Metal Bands Katatonia, Agent Fresco und Vola das Z7 in Pratteln. Eine letzte Dosis Endorphine vor dem Montag.

Sonntagabend, verdammt kalt. Da eilt man gerne in die warme Konzertfabrik Z7 in Pratteln, um sich bei einem Metalkonzert die Knochen zu wärmen. Programm: Katatonia, Agent Fresco und Vola. Erstaunlicherweise ist in der grossen Stube nur das Mini-Z7 aufgebaut und ungefähr zweihundert Nasen vor Ort. Minibühne, LKW’s in der Fabrik und zierliche Topfpflanzen an den Seiten (Topfpflanzen an einem Metalgig sieht man auch nicht alle Tage). Damit hat man nicht gerechnet. Das Prog-Metal-Dreiergespann hat am Abend vorher im Zürcher Dynamo gespielt, dazu kommt auch noch der Fakt, dass am Sonntagabend der Grossteil der Schweizer Bevölkerung wohl lieber den Tatort mitverfolgt. Katatonia im kleinen Rahmen klingt jedoch an und für sich auch verführerisch.

Tesseract mit Pop

Progressive Metal, wie wippt man da noch mal mit? Bei mir muss es ziemlich bescheuert aussehen, besonders, wenn man weder die Band noch deren Musik praktisch kennt. Trotzdem spielt Agent Fresco recht interessant. Anfangs liefern die Jungs noch geile Tesseract-Vibes, bloss mit einer viel poppigeren Stimme. Zurück zum Dilemma: Wie wippt man mit? Glücklicherweise gibt der Afro-Drummer recht Gas und weht mit der Mähne kräftig mit. Einfach nachmachen.

Immer wieder diese verrückten Isländer

Die vier Isländer haben Spass am Auftritt und zeigen dies auch. Viel Bewegung und viel Abwechslung. Die poppige und hohe Stimme vom jungen Steve Jobbs-look-a-like Arnór Dan Arnarson kann auch ganz anders, denn heftiges «Screaming» und «Growling» würde man von ihm nicht erwarten. Schlagzeug und Bass harmonieren grossartig, während die Gitarre schwach abgemischt einen zahnlosen Motorsägensound hervorgibt. Der Sound – eine Sache für sich. Zusätzlich steht noch ein Keyboard auf der Bühne, mal vom Sänger und mal vom Gitarristen bedient. Die Klaviergeklimper-Intros erinnern mich dann eher an Coldplay (an die Musik der ersten drei Alben jedenfalls. Ja ich bin Coldplay-Fan, aber wie jeder vom alten Zeug). Ein Progressive Metal angehauchtes Coldplay. Aus Island. Ein toller Auftritt mit viel Dankbarkeit und Bewegung auf der Bühne sowie zahlreichen Überraschungsmomenten, bloss leider mit viel zu zahmer Gitarre.

Alte Löwen

Die langhaarigen und langschnäuzigen Herren aus Schweden betreten die kleine Stage unter Applaus und Jubel im Mini-Z7. Ihr Auftritt wird dem anfangs aber nicht gerecht, der Gig beginnt bewegungsarm und der Gitarrensound erneut in impotenter Manier. Von zwei Metalgitarristen dürfte man mehr erwarten. Die beiden haben sich vermutlich nicht die Mühe gemacht, hier noch ihre Verstärker aufzustellen. Ist ja nur eine Mini-Show. Bewegungsarm wie die Band agiert auch das Publikum (bis auf die Die-Hard-Fans ganz vorne), doch allmählich tauen die Musiker auf. Zusammen gibt’s vermehrt Gruppenheadbanging, jedoch in Slow-Motion. Die härteren Parts überzeugen Live weniger als auf den Platten, die schwachen Gitarren zahlen ihren Preis. Dafür fahren die ruhigen Teile mächtig ein. Mit zweistimmigem Gesang kreiert die Band eine heimelige und märchenhafte Atmosphäre.

 Schmackes zum Schluss

Katatonia – alles an sich geniale Musiker, jedoch springt der Funke nicht auf die Zuschauer über. Den haben sie wohl im Tourbus gelassen, zusammen mit den Gitarrenverstärkern. Während die Gitarristen in altersbetagter Art und Weise zu den harten Parts «abgehen», haben sie wohl auch das Lächeln verlernt. Vom Sänger sieht man kaum was, denn sein Gesicht versteckt sich gänzlich hinter seiner Mähne. Vorhang zu. Der Schlagzeuger wirkt mit kurzen Haaren und Brille eher wie ein Bürohengst und zeigt zwar seine starken Drumkünste, allerdings mit wenig Energie. Ein langer und glanzloser Auftritt von brillanten Musikern. Bei der Zugabe allerdings gibt die Band ordentlich Schmackes, harte Riffs und Gitarrensolis. Hätten sie nicht die ganze Zeit so spielen können? Und endlich sehe auch ich mal das Gesicht des Sängers und siehe da – er lächelt.

Fazit

Nach einer wilden und überraschenden Vorband eine Schlaftablette als Hauptact. Dazu viel zu zahmer Gitarrensound, gute alte Buchsen hätten her müssen! Meiner Meinung hätte es nicht geschadet, trotz wenig Publikum den Bands doch die grosse Bühne zu überlassen. Bessere Lichtshow und besserer Sound machen eine nicht ganz so volle Halle doch wett, wage ich zu behaupten. Man kann sich sicher sein, dass die Bandmitglieder Katatonia kein Speed oder Ecstacy konsumiert, dafür aber immer noch anspruchsvolle Musik produziert.