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Was für einen Unterschied schönes Wetter doch machen kann. Bestens gelaunte Bands spielten am 15. April im neuen Werk21 vor ausgelassenem Publikum. Wir waren mitten im Getümmel.

Scott Middleton von Cancer Bats (Foto: Angela Michel)

Scott Middleton von Cancer Bats (Foto: Angela Michel)

Kurz vor 19 Uhr an der Limmat vor dem Kulturhaus Dynamo, die Sonne brennt herab und lässt die nassen letzten Tage vergessen. Was aussieht wie die Jahresversammlung der Hipster und Emos, entpuppt sich als das Publikum vom Gig der kanadischen Hardcore Punkband Cancer Bats und der britischen Metalcoreband While She Sleeps. Von der guten Stimmung der Bands konnte man sich schon lange vor dem Konzert überzeugen. Ohne Berührungsängste sassen sie zusammen mit ihren Fans auf dem Mäuerchen am Fluss, plauderten völlig offen mit ihnen und spielten sogar ein kleines Akustikset. Dass eine solche Fannähe sich auszahlt, erfuhren sie wenige Stunden später in der Gruft des Dynamos einmal mehr.

Die beiden Co-Headliner Cancer Bats und While She Sleeps kamen allerdings nicht alleine, sondern brachten gleich zwei Supportbands mit nach Zürich. Den Anfang durften die progressive Black Hardcore Band Oathbreaker aus Belgien machen. Es heisst nicht umsonst «Aller Anfang ist schwer» und dies traf bei Oathbreaker und ihrem schwer zugänglichen Sound leider treffend zu. Die Saiten von Gitarrist Lennart Bossu und Bassist Gilles Demolder sangen ein befremdliches Lied aus wehklagenden und hasserfüllten Schreien, untermalt von den von Ivo Debrabandere malträtierten Fellen des Drumkits. Am schrägsten fuhr aber Caro Tanghe ein: Von der Erscheinung her erinnerte sie an Cousin Itt der Addams Family, vom Gesang her eher an eine mehrfach gesampelte Massenkarambolage. In der Summe ergab sich eine Klangwelt, die zu dieser frühen Zeit noch zu schwer verdaubar war.
Dafür blieb Zeit, sich an den Merchandise-Ständen einen Überblick über die Ware zu machen und mit Liam Cormier, dem Sänger von Cancer Bats, der sich nicht zu Schade war, Verkäufer zu spielen, ein paar Worte zu wechseln. Das Essen im Belle’n’Elle – wo er im Rahmen des von Mainland Music organisierten Vegan Tastings mit zwei Gästen und ein paar Mainland Mitarbeitern gegessen hatte – scheint ihm geschmeckt zu haben, und entsprechend heiter und entspannt ging er mit den Besuchern um und unterschrieb bereitwillig CDs und andere Erinnerungsstücke.

Nach Oathbreaker waren Gäste aus den USA daran, die Bühne zu stürmen: Hundredth aus South Carolina boten einen ersten Ausblick darauf, was in der nächsten Zeit aus den Boxen dröhnen würde. Ein etwas melodiöser Metalcore, aber nicht ansatzweise vergleichbar mit der musikalischen Eloquenz, die beispielsweise Shoot The Girl First oder Expellow an den Tag legen, aber um Längen zugänglicher als die abstrakte Musik der Belgier. Das äusserte sich auch in den immer wieder aufgehenden Moshpits, an deren vorderem Rand ich unsere inzwischen eingetroffene Fotografin ein wenig vor der wilden Action zu schützen versuchte, was mir nicht immer gelang: Die ersten drei Reihen «stürmten» bis zum Ende des Abends mehrmals die niedrige Bühne – allerdings unfreiwillig.
Von der Band selber blieb nicht sehr viel hängen, dazu klangen sie zu generisch. Dafür ist ihr Einsatz für frisches Wasser in Entwicklungsgebieten umso unterstützenswerter und wird hoffentlich auch in Zukunft noch vielen Menschen zu freiem Zugang zu Trinkwasser verhelfen.

Die angesprochene Antwort auf die gezeigte Fannähe zeigte sich bei den Cancer Bats darin, dass ab dem ersten Song ohne jegliche Aufforderung das erste Moshpit entstand und bis zum Ende des Konzerts kaum je länger als eine Minute verschwand. Ob alte Songs oder solchen vom neuen Album Searching For Zero, die Stimmung war ungebrochen. Er mag nicht der beste Sänger sein, aber als Unterhalter machte er eine gute Figur: Liam unterhielt sich immer wieder mit dem Publikum, bedankte sich mehrmals, dass so viele Leute – das Konzert war ausverkauft – mitten in der Woche sich Zeit genommen haben, zu ihnen an ein Konzert zu kommen.
Dass das Konzert ausverkauft war, zeigte aber auch die Grenzen des Werk21 in seiner aktuellen Form auf. Dadurch, dass der Aufbau, auf welchem früher das Mischpult stand, noch nicht wieder erstellt ist, verliert der Raum an Kapazität, was bei der Planung noch nicht berücksichtigt wurde, denn die Besucher mussten teilweise bis in den Barraum hinein stehen, weil der Konzertraum komplett voll war.

Ähnlich wie bei den Cancer Bats ging es auch bei While She Sleeps zu. Ab dem ersten Song sangen die Fans mit, ohne dass sie dafür eine Aufforderung gebraucht hätten, ab dem ersten Song war die Hölle los im Werk21. Diese Hingabe ist der Dank dafür, dass man sich selbst treu bleibt und die Nähe zu den Fans aktiv sucht. So erhält man Fans, die trotz Spotify noch CDs kaufen und mitten unter der Woche an ein Konzert reisen. Und auch an diesem Abend haben While She Sleeps keinen dieser Fans enttäuscht.