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Die bewährte Formel wurde für einmal etwas aufgelockert und statt drei Singer/Songwriter standen diesmal nur deren zwei auf der Bühne. Wieso die Besucher dennoch auf ihre Kosten kamen.

Rhabarber (Foto: Sacha Saxer)

Rhabarber (Foto: Sacha Saxer)

Dass dieses Mal der Songcircle Zürich etwas anders sein würde wie sonst, sah man schon den Besuchern an. Ein Misfits-Rückenpatch gehört nicht gerade zur Standardgarderobe des Songcircle-Publikums. Der Grund dafür war der erste Künstler des Abends: Rhabarber. Zu sagen, die Band, die heute ausnahmsweise als Duo auftrat, da das dritte Mitglied verhindert war, sei etwas unkonventionell für den Songcircle, wäre eine Untertreibung. Rotzfrecher, politisch nicht ganz korrekter Punk. Halt so, wie es sich für Punk gehört. Und auch wenn sich sicherlich einige etwas daran gestossen haben, zeigte eines ganz klar, dass sie doch nicht fehl am Platz waren: Die Leute bewegten sich schon beim zweiten Song mit zur Musik, und das in Zürich, wo sonst nur Charly tanzt.
Man kann Punk definitiv auch akustisch spielen, und wenn man solch grossartigen, bitterbösen Texte wie Rhabarber hat, dann kommt das sogar doppelt gut. «Es gaht bergab mit Winterthur» Damit spielten sie unter anderem auf die aus dem Ruder gelaufene Polizeiaktion an der Tanz dich Frei-Party ab. Der Song ist sogar noch böser, als der aktuelle «Hit» von Extra 3 über Erdogan.

Der internationale Künstler kam dieses Mal aus England. Tom Copson, auf der Insel eine fixe Grösse im Folk-Bereich, hatte eine nicht ganz pannenfreie Reise hinter sich. Circa eine Stunde von der Grenze entfernt ging ihm das Benzin aus und Geld hatte er auch keines mehr. Also spielte er kurzer Hand auf der Strasse, um Kohle für Benzin und Essen zu kriegen. Der Songcircle Zürich stelle die erste Station seiner aktuellen Tour dar und so konnten die Zürcher als erste seiner kräftigen Stimme lauschen. Leider konnte er sich an diesem Abend nicht wirklich von den ganzen anderen Singer/Songwritern abheben und die meisten werden ihn wohl nach dem Konzert sehr schnell wieder vergessen haben.

Anders sah es dann wieder bei Tobey Lucas aus, dessen wunderbar warme Stimme sehr schön mit dem Country-Einschlag seiner Musik harmonierte. Im Kopf begann sich sofort die Vorstellung einer Kollaboration mit Bob Spring – der im April zu Gast beim Songcircle sein wird – zu formen.
Besonders auffällig ist, dass die Gitarre, obwohl Tobey sie sehr kräftig spielt, dennoch stark in den Hintergrund trat, und die Lieder durch seinen Gesang dominiert wurden. Die wehmütigen Songs lockerte er immer wieder mit Humor auf. «Han’s nöd so wiit wie de Tom gha, chumme vo Wiedike. Bin mit em Velo da, isch mer nöd mal abgläge.»
Ein Konzert wie ein lauer Sommerabend beim Lagerfeuer. Tobey Lucas nimmt man gerne zum Campen mit.

Der nächste Songcircle Zürich findet am 27. April wieder im Bagatelle 93 statt. Für den internationalen Touch wird Mark Kelly aus Manchester sorgen.

https://www.youtube.com/watch?v=slDlgDklduo

Aber auch Ella Ronen, die 2013 schon bei The Voice of Switzerland mitgemacht hatte – und dabei verdient von allen vier Coaches umworben wurde –, wird ein akustischer Leckerbissen darstellen.

https://www.youtube.com/watch?v=LD-AIsvMg5Q

Über Bob Spring braucht man keine Worte mehr zu verlieren. Dieser Künstler schreibt schneller Songs als andere Leute bis zehn zählen können – und jeder einzelne von ihnen verfügt über mehr Tiefgang wie die gesamte aktuelle Top 40 am Radio.

Das bis dato wohl stärkste Lineup am Songcircle Zürich. Wer da nicht vorbeischaut, ist selber schuld.

Fotos: Sacha Saxer

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