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Zum zweiten Mal in diesem Jahr stellte das Songcircle-Team drei Acts vor. Manon, Walter Schneider und Steiner & Madlaina beehrten das Bagatelle 93.

Manon (Foto: Sacha Saxer)

Manon (Foto: Sacha Saxer)

Draussen fällt Nieselregen vom Himmel, verwandelt die Brille in ein Kaleidoskop, das die Langstrasse noch bunter erscheinen lässt, als sie ohnehin schon ist. Die Temperatur erinnert daran, dass es doch noch Winter ist und deshalb nichts wie rein in die gute Stube. Denn genau so mutet das Bagatelle 93 an: Sofas laden zum Verweilen ein und schon an der Tür werd ich freundlich begrüsst. Familienfeeling an der Sündenmeile Zürichs.

Im Obergeschoss herrscht noch emsiges Treiben, letzte Anpassungen an der Beleuchtung werden vorgenommen und im «Backstage» plaudern die Musiker miteinander. (An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Dule Milanovanic dafür. Deshalb gibt es die Fotos in Farbe.) Etwas nach halb Neun ist es dann endlich soweit, Mya Audrey kündigt die erste Künstlerin des Abends an: Manon. Die zierliche Zürcherin steht in starkem Kontrast zum gigantisch anmutenden Keyboard, doch das Bild passt zum Sound. Die Musik verfügt über eine unterschwellige Wucht, die ihren hellen, klaren Gesang wunderbar ergänzt. Träumerische, sphärische Klänge, die verzaubern. Dini Qizmolli begleitet Manon an der Gitarre, liefert dem Sound zusätzliche Tiefe und hält sich selber dennoch im Hintergrund. Die zwei harmonieren sehr gut zusammen und ich hoffe, dass sie auch in Zukunft weiter zusammen Musik machen werden. Leider ist ihr Set nach sechs Liedern schon zu Ende. Ich hätte ihr noch stundenlang zuhören können. Zum Glück gibt es von Ihr die EP Wild Heart zu kaufen. Kann ich jedem, dem zum Beispiel Tilia gefällt, nur empfehlen.

Kurze Umbauphase – das Keyboard muss gegen ein anderes ausgetauscht werden – und schon geht’s weiter mit Walter Schneider. Percussion, Gitarre und Keyboard – das könnte ja echt was werden. Klingt auch verdammt gut. Doch als Walter mit dem Singen beginnt, wachsen die Zweifel. Nicht, weil seine Stimme schrecklich klingt oder er nicht singen könnte. Nein, einzig und allein deswegen, weil er deutsch singt. Ich bin bekanntermassen kein Fan von deutschen Lyrics, da ich die deutsche Sprache als ziemlich ungeeignet für gefühlvolle Musik halte. Deutsch funktioniert super für Rammstein – brachial, laut, mitten in die Fresse. Für zarte Klänge wird’s deutlich schwieriger und oftmals rutschen die Songs in den Schlager-Kitsch ab. Zum Glück gehört Walter Schneider nicht in diese Kategorie. Es mag an seiner angenehm warmen Stimme liegen, aber er schafft es, dass seine Musik trotz den deutschen Texten auch für mich funktioniert, ähnlich wie bei Emanuel Reiter. Trotzdem bewegen mich die Lieder nicht so sehr, wie die von Manon. Seine zwei englischen Songs – Into my Life und  Find Love – sind deutlich zugänglicher. Dennoch empfehle ich allen, sich in seine Werke reinzuhören. Ein sympathischer Mensch, ein guter Musiker. Kurz, jemand, dem man eine Chance gönnen sollte.

Den Abschluss machte das Duo Steiner & Madlaina. Zwei Mädels, die sich gesanglich perfekt ergänzen  und mit einem erfrischend breiten Musikspektrum auftrumpfen können. Ihr Cover von Bob Dylan’s The Man in the Long Black Coat ist unglaublich kraftvoll, obwohl es nur von einer Gitarre begleitet wird. Ganz starke Stimmen, von denen man mehr hören möchte. Daneben haben einige Songs einen Neo Folk Einschlag und der Vergleich zu Forseti drängt sich mir auf. Mein Grufti-Herz schlägt höher. Leider ist auch ihr Set viel zu kurz. Das ist der Segen und Fluch des Songcircles. Man kriegt die Chance, in das Schaffen dreier Künstler reinzuhören, aber es bleibt bei einer Kostprobe, einem Amuse Bouche für die Ohren. Was für ein grossartiger Abschluss des Abends.

Wieder ist ein Monat vergangen, wieder ist ein Songcircle über die Bühne gegangen und wieder bin ich positiv überrascht worden. Neben schönen Erinnerungen bleibt die Vorfreude auf den nächsten Songcircle Zürich, an welchem ich allerdings nicht mehr so gross überrascht werden kann, da ich zwei der auftretenden Künstler schon kenne. Das ist (für mich) allerdings kein Grund, nicht dabei zu sein, sondern eher ein Grund, erst Recht dabei zu sein. Tom Copson, Tobey Lucas und Rhabarber geben sich am 30. März die Ehre.

Tobey Lucas hörte ich noch in der Abschiedswoche des abart. Rhabarber wird für einen schönen Stilbruch sorgen, mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Tom Copson aus England sorgt für internationale Abwechslung. Für lächerliche 15 Franken kann man am 30. März diese drei wunderbaren Musiker hören. Ich bin eigentlich immer überzeugt, dass ich am Songcircle gute Musik hören werde. Dieses Mal weiss ich es auch.

Update: Ich habe fälschlicherweise angegeben, dass Philipp Leon im März auftreten würde. Er wird allerdings erst am Songcircle Zürich im Juni mit dabei sein. Ich entschuldige mich für diese Verwechslung.

Fotos: Sacha Saxer

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