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Die warme Jahreszeit verleitet zum Reisen. Wir gehen weg, sehen die Welt und geniessen das Leben. In der Theorie. Aber Reisen ist teuer, braucht Zeit und manchmal lässt es die Arbeit nicht zu, dass man weggeht. Für Daheimgebliebene und alle anderen gibt es deshalb grossartige Serien, die einen auf Reisen, Abenteuer und in andere Leben mitnehmen.

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The Code

von Elias Wahlen – Wer die amerikanische Polit-Serie «House of Cards» oder Filme wie «State of Play» mag, dem sei dringendst auch diese australische Fernsehserie von ABC1 empfohlen.
Als zwei Jugendliche im Outback Australiens einen schweren Autounfall erleiden und die Öffentlichkeit davon ausgeht, dass der jugendliche Fahrer einfach einen Selbstunfall verursacht hat, entdeckt der mässig erfolgreiche Online-Journalist Ned Banks scheinbar zufällig eine heisse Spur. Eine Spur, die ihn am Unfallhergang und den damit verbundenen Folgen zweifeln lässt. Getrieben vom Druck, seinem Vorgesetzten eine gute Story präsentieren zu können und der Gerechtigkeit eine Stimme zu verleihen, zieht es Ned zusammen mit seinem psychisch angeschlagenen aber äusserst computeraffinen Bruder Jesse immer tiefer in einen verhängnisvollen Strudel aus Macht, Missbrauch und Täuschung. Als plötzlich sogar die australische Regierung Ned zum Schweigen bringen will, kann er nicht mehr zurück. Er will die Wahrheit aufdecken – oder soll er das sogar?
«The Code» überzeugt durch seine gut durchdachte Story und bringt jeden Zuschauer unvermeidlich dazu, über die Rolle der Medien und die Instrumentalisierung eines jeden Einzelnen nachzudenken. Es ist daher nur angenehm, dass die Szenen häufig eher langsam geschnitten sind, die Dialoge und Bilder dafür umso tiefer wirken.

Once Upon a Time – Es war einmal

von Anja Huber – Der Zauberwald wurde verflucht, alle Märchenfiguren in unsere Welt verbannt. Die Erinnerungen an ein früheres Leben sind verloren. Familien und Liebende auseinandergerissen. Nur Regina, die böse Königin, weiss Bescheid und setzt alles daran, die ehemaligen Märchenfiguren nicht auf ihre Spur kommen zu lassen. Doch sie hat nicht mit der Retterin gerechnet. Und, dass ihr Sohn Henry glaubt. Und sich gegen seine eigene Mutter stellt.
Alle sind sie vertreten: Snow White, Prinz Charming, das Rumpelstilzchen, Red, Robin Hood, die Grossmutter und der böse Wolf, Peter Pan, Captain Hook, Arielle die Meerjungfrau… Doch wer denkt, auf die bereits allseits bekannten, teilweise öden Märchen zu treffen, liegt ganz falsch. Spannende neue Verflechtungen, Intrigen und gänzlich Unerwartetes verleihen der Serie eine Anziehungskraft, der sich Märchen- und Fantasyfans nicht entziehen können. Der Einstieg in die Serie verläuft etwas harzig. Doch ist man einmal drin, kommt man nicht mehr von ihr los.

Person of Interest

von Daniela Stadlauer – Nach den Terroranschlägen zu 9/11 erschafft Softwareentwickler Harold Finch (Michael Emerson) für die US-Regierung eine Maschine, die das Volk durch technische Mittel rund um die Uhr bespitzelt. Dadurch erkennt sie Gewaltverbrechen, bevor sie passieren und ordnet sie in relevant und irrelevant ein. Um die bedeutenden Fälle kümmern sich die Behörden, während die irrelevanten unbeachtet gelöscht werden. Im Geheimen versucht Finch nun mit dem untergetauchten Ex Special Forces Soldaten John Reese (Jim Caviezel) die Verbrechen der irrelevanten Person of Interest (PoI), die jeweils Täter oder Opfer ist, zu verhindern.
Das Erzähltempo innerhalb der Episoden ist hoch, Ermittlungen die ins Leere laufen werden oft gar nicht erst gezeigt, Handys und Computer werden innert Sekunden gehackt, ständig muss Reese irgendwelche Ganoven vermöbeln und Gegner erschiessen. Pro Folge gibt es eine PoI, die es zu beschützen bzw. zur Strecke bringen gilt. Die Episoden sind in sich abgeschlossen. Vielfach werden aber neue Charaktere eingeführt, die teils erst Folgen später wieder aufkreuzen und zur sich langsam entfaltenden, komplexen Gesamtgeschichte beitragen.

Le Petit Journal

von Judith Müller – In den Semesterferien Sprachen lernen gefällig? Und das mit wenig Aufwand und Unterhaltung pur? Klingt wie Schleichwerbung, ist es auch, nur unbezahlt und politisch unmotiviert.
Yves Barthés ist nicht nur charmant und keineswegs nicht gern angesehen, sondern auch der Moderator von «Le Petit Journal», einer News-Satire-Sendung von «CANAL PLUS».
Charismatische Moderatoren gibt es gewiss genug. Doch die kleine Schwester vom Grand Journal hat dessen Beliebtheit vor allen bei den jungen Franzosen schon längst übertroffen und dies bestimmt nicht nur wegen Yves Barthés. Denn Le Petit Jorunal ist ähnlich wie das Neo-Magazin eine Art Watch-dog des traditionellen Journalismus, unterstrichen mit jeder Menge Komik. In den täglichen Sendungen werden die Fehler von den Zeitungsblättern sowie die Mankos des Journalismus und der Politik thematisiert. Das Ganze in einer Form, in der nicht mit dem Finger auf eine Redaktion oder einen Politiker gezeigt wird, sondern viel mit dem Emoticon Zwinkersmile gearbeitet wird. Natürlich versteht diesen Humor nicht jeder und es gibt immer wieder den einen oder anderen der seinen Finger gegen «Le Petit Journal» erhebt. Et voilà, wer hätte es gedacht, Stoff für die nächste Sendung.
Nicht nur zum Lachen bringt einem das Angebot (jaja, so ist es liebe Frau Französisch-Lehrerin). Insbesondere die Berichte von den Envoyé Specials sind meist alles andere als lustig. Aber auch hier schaffen sie etwas, was kaum einem traditionellen News-Sender gelingt: Emotionen transportieren! So bleibt ein Unglück nicht einfach eine weitere Notiz in unserem Information-überladenen Hirn.
Bonnes vacances!

Twin Peaks

von Brendan Bühler – Ein verschlafenes Städtchen im Norden Amerikas. Idyllisch umgeben von Nadelwäldern, in denen stets Nebel hängt. Es regnet immer wieder. Das Städtchen heisst Twin Peaks. Im nebligen, regnerischen Städtchen passiert ein grausamer Mord an einer jungen Schülerin. Das ist der Auftakt zu der wohl besten TV-Serie aller Zeiten. Es kommt ein Detektiv vom FBI namens Dale Cooper – sein Lieblingsspruch: «Damn good coffee» – in das Dorf und die Geschichte beginnt. Die Beschreibung der von David Lynch und Mark Frost im Jahre 1990 geschriebenen Serie klingt nach einem üblichen Krimi. Doch mit dem Wort wird der Serie unrecht getan. Denn es ist mehr. Es ist ein Gesellschaftsporträt der verschlafenen Kleinstadt, in dem auch Übernatürliches passiert. Die Serie heimste mehrere Preise ein. Twin Peaks ist schräg, wirr, unkonventionell und einfach nur genial.