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Bratwurst, Hard Rock und Rucksackverbot – die Openair-Konzertreihe der Z7 Summer Nights sind im vollen Gange und am 7. Juli besuchte eine spannende Band-Kombination Pratteln: Alter Bridge und God Is An Astronaut.

Auf dem Weg zum Openair-Konzert des Z7 wird mehrmals mittels Warnschildern auf den neu eingeführten Rucksackverbot aufmerksam gemacht. Fairerweise wurde schon im Vorfeld bekannt gegeben, dass man allenfalls die Rucksäcke vor dem Konzertareal für zwei Franken abgeben könne der müsse. Beim Konzert von System Of A Down wurde nicht über ein anfälliges und obligatorisches Deponieren der Rucksäcke und grösseren Tragtaschen informiert, und schon gar nicht über den Preis von fünf Franken. Lumpig.

Vor dem Eintritt folgt nun eine obligatorische Leibesvisitation. Mir persönlich stellt sich die Frage, ob nicht eine gründliche Durchsuchung der Rücksäcke oder Handtaschen gereicht hätte. Eh ja, voilà quoi, steht man halt vier Minuten länger an. Zum Glück ein Konzert im kleineren Rahmen.

Long Hot Summer Night

Das Wetter tüppig, man schwitzt schon vom Nichtstun. Bei den aufgehängten Bikinis im Eingangsberiech wünscht man sich Strand, Meer und Pina Colada (getting caught in the rain). Der Duft von Bier und Grilladen erfüllt die Luft, was für ein Freitagabend. Der Parkplatz könnte genau so gut in den Vereinigten Staaten vor einem Baseball-Match stehen. Auf der Bühne steht bereits nach 19 Uhr ein Duo aus Zürich, nämlich The Weyers. Die Gute-Laune-Rock’n’Roller unterhalten erste Besucher und Grillgourmets. Einige Regentropfen bringen endlich die erfrischende Erlösung. Der Mini-Schauer leider nur von kurzer Dauer, noch kein Grund sich die Bikinis vom Eingang überzuhängen.

God Is An Astronaut

Kurz vor dem Auftritt der Postrocker God Is An Astronaut dröhnen noch Korn, Pantera und Rob Zombie durch die Lautsprecher, einen glatteren Übergang kann man sich kaum vorstellen. Man kommt richtig in Stimmung für die instrumentale Klasse der Iren.

Mit kleinem Applaus betreten die vier Musiker die Bühne, lang die Haare und ausgefallen die Gitarren. Ein sanfter Beginn mit Synthie und hallenden Gitarren. Wirklich eine passende Vorband für die Hard-Rocker von Alter Bridge?

Mit Ach und Krach setzt Verzerrung ein und der Schlagzeuger schlägt in aller Härte auf die Becken. Ja könnte passen. Mit grosser Sorgfalt werden melancholische Klanggebilde als Intro aufgebaut, bis mit ordentlich Power eine Soundwand von Verzerrung und flehenden Melodien auf das Publikum niederprasselt. Die Songs lang und vielseitig. Heftige Geschütze werden aufgefahren. Der Applaus deutlich grösser, als man die Bühne betreten hat.

«Schwüg z’Gfräss»

Viele Soundeffekte arbeiten für die Iren, genau wie Licht- und Nebelmaschine. Von Letzterem kriegt man allerdings nur in den vorderen Reihe üppige Dosis ab. Man schwebt völlig schwerelos auf Wolke 7 im Post-Rock-Himmel.

Manche Besucher werden wohl mehr von ihrer Bratwurst und Klatsch und Tratsch geflasht. Wenn man während einem Andy Borg Event über Gott und die Welt reden will, ist mir das ja gut und recht. Aber hier denkt man sich einfach laut: «Halt einfach mal die Fresse». Oder zu Senslerdeutsch: «Haut de Schlitte». In dieser Hinsicht hingegen war es schade, dass die Band nicht ein ruhigeres Publikum hatte.

Alter Bridge

Mit ihrer Parkplatzparty im Z7 beendeten die amerikanischen Rocker ihre «The Last Hero – Europe Tour», spielten sie noch im letzten Dezember in der St. Jakobshalle zusammen mit Gojira, so war dies die Premiere in der Konzertfabrik in Pratteln.

Unter tosendem Applaus betritt Alter Bridge die Bühne. Die Herren, die Smooth- und Coolness in Person. Und ein Wahnsinnsstrahlen auf dem Gesicht. Einfach ansteckend. Publikumsnah spielen und posieren die Rocker an vorderster Front, spielen hammerharte Riffs und Tremonti soliert, als gäbe es kein Morgen. Die Freude springt wie ein Funke auch auf die Besucher über, bei jedem Refrain wird mitgesungen, jede ihrer Rockhymnen erklingt im Chor. Immer mehr Angetrunkene stürmen nach vorne, einzelne Bierduschen werden verteilt und alles wirkt bewegungsfreudiger, je länger wie mehr nach Freitagabend.

Der bestbeleuchtete Parkplatz

Je später der Abend, desto besser wird er. Und dies, obwohl er schon phänomenal begonnen hat. Als es nach gut einer Stunde wirklich dunkel war und es endlich zur Z7 Summer Night wurde, arbeiteten nun auch die Lichttechniker nicht mehr vergebens. Der wohl extravaganteste beleuchtete Parkplatz der Schweiz. Am Sound gab es auch nicht zu bemängeln; nicht zu laut, nicht zu leise, die Riffs und die Stimme deutlich. Und das Publikum schweigt, es sei denn, es geht ums Mitsingen, was Frontmann Myles Kennedy natürlich äusserst gut umsetzt.

Breakdance statt Breakdowns

Die Band spielt ohne Star-Allüren ein solides Rock-Set von mehr als anderthalb Stunden. Rock-Hymnen, heftige Breaks und Balladen mit akustischer Gitarre. Bodenständig und glücklich wirken die Musiker und bedanken sich gleichzeitig auch noch bei ihrer Crew. Myles erzählt dem Publikum, dass einer ihrer Tontechniker ein begnadeter Breakdancer sei und schon sitzt ebendieser in der Falle. Da man nicht nein sagen kann, werden zu  Another One Bites The Dust einige Moves präsentiert. Frech und spontan. Mit grossem Applaus verlassen alle die Bühne, docheine Zugabe darf natürlich nicht fehlen. Mit Show Me A Leader und Rise Today verabschiedet sich die Band von Pratteln. Ein Wahnsinns-Auftritt einer Wahnsinns-Band!