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Grosse Bands, kleines Festival: Nach den fetten Openairs gibt es in der Schweiz noch einen kleinen, aber hochqualitativen Event, der sich für jeden Metalhead lohnt.

Nein, die Bühne brennt nicht. Das sind nur Abbath-1

Nein, die Bühne brennt nicht. Das sind nur Abbath. (Foto:

von Evelyne Oberholzer

Im idyllischen Hüttikon zittern die Hügel: Einmal mehr findet das Metalfestival «Meh Suff» statt. Zwischen Maisfeldern und Waldflächen liegt das Festivalgelände, das angesichts des starken Line-Ups doch eher klein ist. Mit Equilibrium, Nile und Rotting Christ könnte man mehr Leute anziehen als jene 1500 Nasen, die ein Ticket gekauft haben. Heuer ist das Gelände noch kleiner als die Jahre zuvor, der Bauer braucht den Platz des ehemaligen Konzertareals für seinen Mais.

So punktet das «Meh Suff» denn auch mit seinem «klein aber fein»-Flair. Das beginnt schon bei der Anreise mit der Grösse des Shuttlebusses: Obwohl er lächerlich winzig wirkt, kann er doch fast die Hälfte aller Metaller aufnehmen, die am Bahnhof Otelfingen warten. Die, die am Perron zurückbleiben, nutzen die Zeit zum Vorglühen.

Der Shuttlebus fährt die fröhliche Horde hinaus ins Grüne, zu einem flachen, aber sehr steinigen Acker. Wir schlagen unsere Zelte auf, treffen Bekannte von früheren Festivals und gehen dann endlich zum eigentlichen Konzertgelände.

Dort ist noch nicht wahnsinnig viel los. Die erste Band hat immer einen schweren Start – aber Bloodtruth meistern diese Herausforderung, trotz marginal vorhandenem Publikum: Das versierte Geprügel der Italiener und die fröhlichen Ansagen des Frontmanns machen ordentlich Stimmung, während die Sonne vom Himmel brennt.

Das ist aber auch das einzige Mal, dass das «Meh Suff» noch etwas Sommer abkriegt. Im Laufe des Abends wird es kühl, zwischendurch tröpfelt es. Das «Meh Suff» hat nur eine Bühne. Ab- und Aufbau nehmen jeweils eine halbe Stunde in Anspruch, und in diesen Zwischenräumen wird das Bierzelt brechend voll. Im Gegensatz zu früheren Jahren übersteuern die Boxen im grossen Zelt nicht mehr ganz so gnadenlos.

Zwischen dem Konzertgelände und dem Eingang sind Feuerstellen aufgebaut. Tagsüber kann man hier Kubb spielen. Bei diesem als Wikingerschach beworbenen Geschicklichkeitsspiel geht es darum, die gegnerischen Holzklötze mit Stecken um zu werfen. Alternativ kann man dem Festival auch den nackten Arsch entgegenstrecken.

Nachts löst sich das Spielfeld auf, weil die Metaller die Festbänke um die Feuerschalen aufstellen. Die Flammen bieten eine willkommene Wärmequelle, und der Stand für Glüh-Sangria steht unmittelbar daneben. Zwischendurch sind die Feuerstellen zahlreich bevölkert, nicht zuletzt, weil man von hier aus gut auf die Bühne sieht. Das Alcest-Konzert wird so zu einer gemütlichen Angelegenheit in der klammen Kühle, die sich am Samstagabend breit macht. Als letzte Band spielen Hideous Divinity. Wie schon früher schliesst das «Meh Suff» mit einem Knall. Die Band ist nicht sehr bekannt, und viele sind am Samstag bereits nach Equilibrium oder Kataklysm nach Hause gefahren. Wer noch da ist, erlebt ein furioses Konzert der Brutal Death Band. Vor der Bühne tobt ein Hexenkessel, und wer vorher am Feuer etwas zur Ruhe gekommen ist, kann jetzt noch einmal Vollgas geben.

Die fröhliche Stimmung setzt sich denn auch auf dem Zeltplatz fort. Einige Spassvögel torkeln durch die Reihen, reissen fremde Zelte auf und brüllen: «Chasch au nid schlafe?» während ein anderer fideler Suffkopp in sein Kriegshorn bläst. Dazwischen schreit mal ein entnervter Festivalbesucher, man solle endlich Ruhe geben und die Leute schlafen lassen. Wer sich nicht aufregt, der amüsiert sich köstlich.

Am Sonntagmorgen treibt uns der Regen vom Zeltplatz. Die Stimmung ist nass und kalt, aber auch zufrieden. Mein Zelt hat nach über einem Jahrzehnt häufigen Gebrauchs den Geist aufgegeben. Ich stopfe es in den Müllsack und schmeisse ihn in die Mulde, zu verkatert und zu müde, um noch die fünf Franken Depot für den Müll einzuziehen – doch da steht ein Langhaariger neben der Mulde, und drückt mir einen Fünfliber in der Hand. Ein weiterer Beweis dafür, wie durchorganisiert das Festival ist.

Klein, aber fein: Das «Meh Suff» ist seinem inoffiziellen Motto ein weiteres Mal gerecht geworden. Ich freue mich auf nächstes Jahr!