Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Es gibt einige Bands mit schrägen Auftritten, doch Tim Fite und Bonaparte schossen den Vogel ab. Ein multimedial-interaktives Musiktheater par excellence wurde den rund 700 Gästen im Club X-Tra serviert.

Nicht immer so bedeckt – Bonaparte live (Oliver Stutz)

jt. „Hallo? … Hallo?! … Hallo!“ – So begann der Sonderling Tim Fite seinen Auftritt vor einer Horde Neo-Hippie-Indie-Kinder in erdfarbenen Kleidern und Designer-Typen mit tollen Hüten und zu grossen Brillen. Fite Aussehen alleine war bereits zum Schreien: ausgelatschte, violette Schuhe, eine unförmige Hochwasserjeans, eine abgewetzte Jeansweste und darunter Hemd und Krawatte. Der Amerikaner nimmt sich selber nicht ernst. Der Multi-Instrumentalist aus Brooklyn schwankt zwischen Beat-lastigem Indie-Rock und Hip-Hop gerne nah an der Grenze zu reiner Blödelei.
In dadaistischer Manier präsentiert er seine Hintergrundvideos, die mal seine, aus ihm bestehende Band zeigt oder den Sexy Leroy, der via Satellit angeblich live mitsingt. Die Interaktion mit dem Publikum wurde mit Intermezzi wie „Teach Leroy some German“ forciert. Fite sagte ein Wort auf Englisch, die Zuschauer schrien die Übersetzung zurück – „Fuck!“ – „Ficken!“.

Die internationale Band Bonaparte um den Berner Tobias Jundt ist für ihre bisweilen bizarren Auftritte bekannt. Stilistisch tief mit dem experimentellen Punk verwurzelt, kombinieren die Musiker diese Einflüsse mit den Elementen des digitalen Zeitalters. Wild, abgehackt und asymmetrisch begann ihre skurrile Show, die ebenso Konzert wie Theater war. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der Zuschauerraum in eine wild pogende Menge. Ein Drogentrip-ähnlicher Exzess aus Tierkostümen, explosiven Choreographien und plakativer, bisweilen auch aggressiver Erotik. Dieses abenteuerliche Gemisch war garantiert nur durch ekstatisches Tanzen zu verdauen!
Das Set startete mit stark dem Punk angelehnten Songs wie Anti Anti. Mehr und mehr wechselte die Band dann zu weniger schnellen Songs, was der Stimmung doch spürbar Abbruch tat. Doch gleichzeitig steigerten sich Bonaparte in einen zunehmend elektrifizierten Synthie-Rave. Die Tanzfläche war längst eine rutschig wie eine Eisfläche geworden, Schweiss und Bier als Schmiermittel sorgten für einige fallende Personen. Der Geruch von Marihuana war allgegenwärtig.
Faszinierend am Auftritt von Bonaparte war Sänger Jundt, der eine geladene Performance ablieferte. Gleichzeitig sorgte er aber auch dafür, dass auf der Bühne zwei Welten entstanden. Das theatralische Treiben mit den ausgeflippten Kostümen, die nackten Brüste, das Herumwerfen von Croissants, das alles liess ihn völlig unbeeindruckt und wurde nicht mit Aufmerksamkeit gewürdigt. Wie ein Vulkan, der für sich selbst eruptiert.

Fotos: Oliver Stutz