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Normalerweise stelle ich mich auf gemütliche Konzertabende mit viel Platz ein, wenn ich ins Hall of Fame gehe. Es kam bislang noch nie vor, dass die Hütte schon fast wortwörtlich aus allen Nähten platzte. Natürlich habe ich es schon etwas vorgeahnt, dass es bei Skindred heftig deftig abgehen wird, aber dass sie die Zürcher Oberland Location füllen und derart zum Kochen bringen, hätte ich doch nicht gedacht.

Den Abend eröffnet hat die Schweizer Band Fueled by Grace. Der Frontmann erinnerte mich stimmlich sehr an Buckcherry. Die Lieder hatten anfangs jedoch mehrheitlich einen eintönigen Lalala-Charakter bis sie dann gegen den Schluss noch zwei echt gute Songs spielten.

Eine Anmerkung am Rande: Dass die Lieder immer besser wurden, lag nicht am steigenden Bierpegel. Denn die Bar-Angestellten waren nicht sonderlich fähig, den Bestellprozess innert vernünftiger Zeit durchzuführen, vor allem was die eine Ecke betraf. Drei Leute an der Bar wären wohl genug gewesen, aber wenn einer, wie ein Statist nur gähnend da steht, zwischendurch mal ein Bier zapft, vor den Leuten ein Sandwich futtert, der anderen Servierdüse den Weg in die besagte Ecke versperrt, dann kommt es halt nur mittelgut. Unglaublicherweise schnauzte uns der Typ völlig unter der Gürtellinie an, als wir meinten, dass wir auch gerne bestellen würden.

Ab da verstand ich auch, wieso er nur Bier rauslassen darf; bei so einem unfreundlichen Service würde ich den in den Keller verbannen. Von solchen Miesepetern lässt man sich aber nur schwer den Abend verderben. Und darum lief die Feier halt ohne Getränke weiter.

Gummiboot und Crowdsurf-Race bei Zebrahead

Bei Zebrahead hiess es schon vor den ersten Tönen, dass das Publikum noch näher kommen soll und bereits während des ersten Songs, wurde es in die Knie gezwungen, um direkt wieder aufzuspringen. Es folgte eine wilde Yeeeaa-Ohhh-Yeeeah-Oooh-Mitgröhlparade und mit dem Satz «Put your hands together!» ging es gerade aus weiter.

Die Band laberte zwar etwas zu viel, war aber völlig beim Publikum, welches total am Ausflippen war. Es wurde gepogt und ein Circle Pit jagte den nächsten. Die Band liess sogar ein Gummiboot mit einem Ruderer über die Köpfe der Besucher wandern und veranstaltete ein Crowdsurf Race. Der Schnellere der beiden Fans, gewann ein Bier. Die Stimmung war dementsprechend grandios.

Die Band spielte meines Erachtens souverän, auch wenn mir die Mucke wenig sagt. Über richtige Knaller, die mir im Ohr hängen blieben, verfügten Zebrahead nicht.

Schweisstreibende Power bei Skindred

Nach dieser sehr effektiven Aufwärmübung ging es mit Skindred weiter. Bereits zum fünften Mal stand ich vor dem Frontmann Benji Webbe. Er ist immer wieder eine imposante Erscheinung mit seiner speziellen Sonnenbrille und seinen Outfits. Der Mann hat echt Power; egal ob stimmlich oder als Showmaster.

Der wilden musikalischen Mischung, welche Skindred spielen, würde auch nicht so mancher standhalten. Er aber, weiss genau, was er will. So motivierte er auch an diesem Abend das Publikum zum Springen, Klatschen und Mitsingen. Und wenn er jemanden fand, der zu wenig mitmachte, dann zeigte er mit dem Finger auf ihn oder sie und wies die Person an, dies zu ändern.

Aber die treibende Musik machte die Sache echt einfach und so sah man am Ende des Konzerts viele verschwitzte Gesichter, die ganz happy waren. Ich glaube, so viele Circle- und Moshpits hat das Hall of Fame noch nie erlebt. Mich würde es wundernehmen, wie viele Hemden und Hosen gerissen und geplatzt sind an diesem Abend.

Am Schluss war es sowieso egal ob die Klamotten noch ganz, verschwitzt oder mit Bier übergossen waren, den Webbe forderte den obligaten Striptease. Die Fans mussten ihre T-Shirts ausziehen und den Helikopter für Grandmaster Webbe spielen.

Er selber blieb nach dem letzten Song noch einige Zeit auf der Bühne, um sich bei den ersten Reihen zu bedanken. Als er seine Wasserflasche über die Köpfe der Zuschauer ausschütte, sah es schon fast so aus, als würde er sie segnen. Der Priester und seine Schäfchen – ein schönes Abschlussbild.