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Konzertveranstalter und Festivals setzen auf verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Bringt das was oder ist es nur schöner Schein?

Als die Band Eagles of Death Metal im Frühjahr 2016 im Komplex 457 in Zürich spielten, waren die Sicherheitsmassnahmen immens. Rigorose Taschenkontrollen, Metalldetektoren und gar ein Sprengstoff-Spürhund durchleuchteten die Besucherinnen und Besucher. Die Angst nach dem hinterhältigen Terrorangriff auf das Pariser Bataclan war gross. Über 80 Menschen starben, als ebendiese Band auf der Bühne stand.

Doch erst seit dem Anschlag auf das Konzert von Ariane Grande in Manchester rüsten auch die hiesigen Veranstalter in punkto Sicherheitsvorkehrungen auf. Konkret hat man sich offenbar branchenweit auf die genauere Kontrolle und eine – scheinbar willkürliche – Taschengrösse geeinigt. Massnahmen ergriffen wurden unter anderem bereits von der abc Production AG, der Good News Production AG und jüngst auch vom Z7 in Pratteln. Auch wenn letztere unfreiwillig komisch noch ein Verbot von Rucksäcken und grossen Taschen im Umkreis von 100 Metern aussprachen, also teilweise auch auf öffentlichem Grund. Rechtlich steht das vermutlich nicht auf einem soliden Fundament. Wobei auch einige Ausreisser dabei waren: Ein bekanntes Festival – wir wissen leider nicht welches – gab dem «SonntagsBlick» zu Protokoll, auch Scharfschützen im Einsatz zu haben… Ok, what the fuck?!

Nun, ich kann die Veranstalter verstehen. Sie sind verantwortlich für die Sicherheit an ihren Events und möchten sich soweit möglich absichern. Andererseits ist das Taschenverbot keinesfalls ohne Ausnahmen, denn so dürfen etwa Konzertfotografen mit ihren Kamerarucksäcken die Konzerte betreten. Allerdings müssen die Taschen nach getaner Arbeit ebenfalls abgegeben werden. Das ist richtig und fair.

Natürlich bleiben die Vorkehrungen nicht ohne Kritik. Damit spiele man den Terroristen doch nur in die Hände, wenn wir unsere Freiheit selbst beschnitten. Unrecht haben diese Stimmen sicher nicht. Sind wir mal ehrlich: Diese Massnahmen werden keinen Terroristen davon abhalten, eine Bombe zu zünden. Vielleicht kommt er nicht mehr in die Konzerthallen rein. Dafür gibt’s dank diesen Massnahmen vor den Locations lange Schlagen. Wer gewillt ist, anderen zu schaden, findet immer ein Weg. Diese Massnahmen sind kaum mehr als schönes Placebo, das uns ein Sicherheitsgefühl vorgaukelt.

Es ist das ewige Dilemma zwischen Sicherheit und Freiheit. Keiner dieser beiden Aspekte kann absolut sein, ohne dass der andere stirbt. Diese Diskussion beschränkt sich nicht nur auf kulturelle Veranstaltungen. Es ist eine Frage, die wir als offene und aufgeklärte Gesellschaft immer neu verhandeln müssen: Wie viel unserer Freiheit sind wir bereit zu opfern um in Sicherheit zu leben? Wir dürfen die Freiheit nicht leichtfertig preisgeben. Und das ist die grösste Gefahr und des Terrors Triumpf: Wenn wir uns schleichend an Beschneidungen der Freiheit gewöhnen. Und seien sie noch so banal wie die DIN-geprüfte Grösse einer Handtasche.