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Shlohmo, bürgerlich Henry Laufer, gehört mit seinen 25 Jahren zu den Top-IDM-Produzenten von Los Angeles. Mit «Dark Red» veröffentlicht er am 7. April sein neuestes Album. Ich durfte bereits reinhören und eine Kostprobe nehmen. Slohmo selbst hat in einem Interview gesagt, dass das einzige, was er wusste, als er die Produktion von «Dark Red» begann, war, dass er ein richtig lautes Album produzieren wollte. Im Vergleich zu seiner letzten EP «Laid Out» ist dies auch das, was einem beim erstmaligen Hören bereits auffällt.^

Der erste Track Ten Days of Falling beginnt bereits ziemlich massiv und leitet ein Album ein, welches für mich zu den besten gehört, die ich in letzter Zeit hören durfte. Grelle Synthies werden begleitet von dezent eingestreuten Percussionsklängen, welche eher in den Hintergrund geraten, angesichts der pompösen, aber geisterhaft schwebenden Lead-Melodie. Laut eigenen Aussagen hat Shlohmo das gesamte Album mit der Vintage-Synthesizersammlung seines Vaters aus den 80er-Jahren produziert und mit Effekten bearbeitet. Trap-Einflüsse kommen teilweise vor, wie auch typische melancholische R’n’B-Melodienmuster, welche schon bei Shlohmos letzten Veröffentlichungen zum Vorschein kamen.

Konstant werden auch einige Drum and Bass-Einflüsse eingestreut, die über das ganze Album verteilt, mal mehr, mal weniger heftig ins Gewicht fallen, aber sehr gut ins musikalische Gesamtkonzept passen. Bei Slow Descent steigert sich die Perkussion stetig, um sich dann in einem wahren Broken-Beatsgewitter über dem Zuhörer zu entladen, begleitet von einer melancholisch schleppenden Melodie.
Eine gewisse beklemmende Unruhe ist von Anfang an spürbar und verflüchtigt sich nur kurz, um danach aber wieder umso stärker ihre Rückkehr zu feiern. Der Beat selbst wirkt manchmal sehr metallisch, die Kicks und die Snares werden verzerrt, Umgebungsgeräusche werden geschickt eingestreut und in den Rhythmus eigeflochten. Bei Remains ist in der Snare eindeutig ein Klirren von Scherben zu hören, ein zerberstendes Glas?

Stimmen werden eingehüllt in spürbare Echos zu einem Hilfeschrei aus der Leere bei Ditch, getragen von einem durch den Tunnel stolpernden Rhythmus. Das Licht ist spärlich, auch wenn es zwischendurch zum Vorschein kommt, verschwindet es meist schnell wieder.

Dark Red ist ein tolles Album, welches zum mehrmaligen Durchhören auffordert, da die ganze Komplexität der einzelnen Produktionen erst dann wahrgenommen werden kann. Für mich trotz der gesamthaft eher düster beklemmenden Stimmung ein Electronic-Experimental-Highlight, das seinesgleichen sucht.