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Das einheimische Genre-Kino ist um eine Attraktion reicher: Der Urner Regisseur Claudio Fäh hat einen Wikinger-Film gedreht, der sogar dem obligaten Hollywood-Vergleich standhält.

Northmen

Wilde Nordmänner (Foto: zvg)

Ein Gastbeitrag von David Bucheli, tink.ch

Wenn die Schweiz jemals so etwas wie eine Genrefilm-Tradition hatte, dann ist sie entweder tot oder vergessen. Insbesondere das Fach der Action- und Historien-Abenteuer überliess man bislang kampflos der englischsprachigen Konkurrenz, weil der Produktionsaufwand schlicht die Mittel des filmischen Entwicklungslandes Schweiz überstiegen hätte. Dennoch blasen nun ein Zürcher Produzent und ein Urner Regisseur zum Angriff auf Hollywoods Königsdisziplin – und liefern erstaunlich solides Popcorn-Kino ab.

Auf sie mit Gebrüll!

Als Schlachtross helvetischen Grössenwahns soll ausgerechnet ein Wikingerfilm fungieren. Ein Sujet, das Hollywood in den letzten Jahren völlig vernachlässigt hat und deshalb dankbar von Ramsch-Filmern und Fernseh-Serien aufgegriffen wurde. Doch behörnte Helme und besoffene Barbaren sucht man in Northmen: A Viking Saga vergebens. Die Wikinger sind hier auf spartanische Kriegs-Moral geeichte Seebären, die an der Küste Schottlands stranden und sich anschliessend durch feindliches Territorium schlagen müssen – mit einer entführten Prinzessin im Schlepptau und einer Horde königlicher Söldner im Nacken.

Unterwegs wird viel gerauft, gefochten und vor allem gewandert: Wenn die Wikinger durch die Highlands ziehen und die Kamera über die nebelverhangene Pampa hinwegsaust, kommt schon fast Mittelerde-Stimmung auf. Dazwischen leistet sich Northmen die eine oder andere Länge, wenn die Nordmänner mal wieder einen Zwischenstopp einlegen und sich der Film um so etwas wie Charakterzeichnung bemüht. Doch das nächste Gemetzel lauert immer nur einen Axt-Wurf entfernt – da ist der fähige Regie-Handwerker Fäh wieder ganz in seinem Element.

Hollywood-Standard mit allen Nöten und Tugenden

Produziert hat das bärtige Spektakel kein geringerer als Ralph S. Dietrich, Sohn von Schmuddel-Guru Erwin C. Dietrich (Die bumsfidelen Mädchen vom Birkenhof). Nebst einer Vorliebe für Mittelinitialen verbindet Vater und Sohn auch die Leidenschaft für das Genre-Kino, das in der Schweiz so gut wie ausgestorben ist. Während Dietrich Senior jedoch auf textilarme Schwedinnen in den Hauptrollen setzte, will der Junior die Hollywood-Konkurrenz mit ihren eigenen Waffen schlagen: Rasante Action, scheppernde Klingen und holprige Dialoge sollen es richten.

So ahmt Northmen nicht nur die Stärken, sondern auch die Schwächen seiner Vorbilder aus Übersee nach. Das Drehbuch ist bestenfalls als zweckmässig zu bezeichnen, die Charaktere haben die Tiefe von Abziehbildern. Das schmälert das Vergnügen aber nicht im Geringsten. Denn das muntere Hauen und Stechen verbreitet auch ohne inhaltliche Überraschungen genug Kurzweil, um über knapp 100 Minuten hinweg zu unterhalten.

Der deutsch-schweizerischen Ko-Produktion sieht und hört man ihre Herkunft zu keinem Zeitpunkt an: Gedreht wurde hauptsächlich in Südafrika, die internationale Besetzung spricht in der Originalfassung Englisch. Kann man da überhaupt noch von einem Schweizer Film sprechen? Ein Glück, dass sich Northmen: A Viking Saga gar nicht erst in solchen Identitätsgrübeleien verzettelt. Stattdessen bietet der Streifen hartes, gradliniges Abenteuer-Kino, wie man es im anglophonen Kino nur noch selten findet. Bitte mehr davon!