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Auch der schwarze Untergrund kennt Trends. Dieses Jahr ist es – jepp – schwarz. Und nein, das ist keine Satire.

Es wirkt bisweilen kurios, dass auch in Mainstream-abgewandten Gruppen Trends kommen und gehen. Bis man begreift, dass fast alle Trends jenseits des Mainstreams geboren worden sind. Grosse Szenen-Events sind daher immer ein guter Indikator für Kommendes.

Am Wave-Gotik-Treffen sah ich zum ersten Mal Industrial-Fans mit Mundschutz. Es war der Frühling, in dem SARS die Medien dominierte. Jahre später registrierte ich in Leipzig die ersten Steampunker. Ich hatte damals noch keinen Namen für dieses «Bronze mit Zahnräder»-Outfit, lernte ihn aber während des Festivals kennen. 

Eine grosse Gruppe von Zylinderträgern vor der Agra-Halle. Bild: Evelyne Oberholzer

Back in Black

Dieses Jahr ist kein deutlicher Trend auszumachen, daher lautet die Devise eher: Back to the roots.

Steampunk, in den letzten Jahren ein ganz heisses Eisen, ist eher etwas rückläufig, aber immer noch stark vorhanden. Man sieht vielleicht etwas weniger Schräubchen auf Korsetten, aber bei den Bücherständen ist das Genre gut vertreten, und Zylinder sind immer noch en vogue – auch wenn die Tendenz zurück zum viktorianischen Original geht, und verrückte Hutmacher-Hommagen wieder seltener zu sehen sind.

Drei Grazien in Schwarz, weiss und dunkelrot. Bild: MinjMaus

Was dieses Jahr komplett gefehlt hat, waren die Industrial- und EBM-Fans mit den Gasmasken. Man sah vereinzelte Mundschütze, aber nicht ansatzweise so viel wie früher. Auch die Neon- und Pastellbunten waren dieses Jahr kaum zu sehen.

Auch wenn sich kein deutlicher Trend abzeichnet, Tendenzen lassen sich auch dieses Jahr heraus spüren. So waren beispielsweise recht viele mit einem Schulterdrachen unterwegs, einem kleinen Stofftier, dass man sich auf die Schulter setzen kann, weil man leider Gottes eben nicht Daenerys Stormborn ist. Aber auch hier gilt: Schulterdrachen gab’s schon deutlich vorher. Man hat sie wohl eher einfach gekauft statt getragen.

Die bösen Piraten kommen

Auch schien es mehr Freibeuter zu haben – gut möglich, dass dies ein neues Element wird, das sich im Untergrund etabliert. Zwar sind Freibeuter (nicht erst) seit Pirates of the Carribean cool, aber bislang sah man sie eher im Fasching-Kontext. Ernsthaftere Piraten-Looks bedienen mit ihrem Verweis aufs 18. Jahrhundert die ästhetische Vorlieben der vielen, vielen Gruftis, die auf altmodische Kleidung stehen. Sie haben aber auch den Charme des Abgefuckten, und wirken damit rebellisch.

Die maritimen Symbole sind seit dem Rockabilly nichts Neues mehr, und «Piratensound» lässt sich im weitestgehenden Sinne dem Folk-Rock zuordnen. Da bleibt zum Abschluss eigentlich nur noch eines zu sagen: Back in Black. Mit einer Prise Aarrrrrgh!